Konstantin in Stuttgart

Unangekündigt klingelte Konstantin – er wusste, dass das hier bei seinem guten alten Freunde völlig in der Ordnung – an Magnus’ Türe.

“Ja heidenei, Konschtantin, Bua, dass du oifach so reischneisch!”, also begrüßte jener ihn, “lang et gseha, Sakrament!”, indem man sich herzlich umarmte.

“Komm rei, hogg die erschdmol noh. Willsch a Bier, odder en Woi? Hosch Honger? I han noh a guede Leisasubb doh. Die isch glei gwärmed. Odder en Breggel Käs, a Schengabrod?”

“Na, so ein Kännchen Bier wäre schon recht. Lass uns später essen. Tun wir erstmal was gegen Gevatter Durst.”

Indem die beiden Krüge flugs gefüllt, man angestoßen und einen guten Schluck genommen, sagte Magnus: “Ja, verzähl, wia kommsch off oimol doher? I han dengd, du wärsch vo Wirzburg offm Wäg zu dera Hamborger Seggel.”

“Ja nun, Magnus, du weißt, wie es ist. Ich war dann zuerst in Freiburg, auf dem Feldberg, zudem in Rottweil, hernach ein paar Tage auf der Alb, mir den Trübsinn ein wenig aus dem Kopfe zu wandern.”

“Jo wa, bisch en Freiburg bei dr Gerlinde gwä? Wie gohd’s rer noh? Driabsenn, Kerle, wa sechsch do, wa isch los?”

“Gerlinde hat inzwischen einen Hans. Der sorgt für sie. Und er ist schwer in Ordnung.”

“Oh je. Scheiße abber au.”

Beide schwiegen eine Weile.

“Soso”, sagte Magnus schließlich, “jedsd kommsch also vo dr Alb ra. Des mid Freiburg on dr Gerlinde verzählsch mer schbäder en Ruah. Wa hosch noh offm Feldberg ond en Roddweil gmachd?”

Konstantin unterrichtete Magnus kurz, so ausführlich wie nötig.

“Ha, des mid dera Roddweiler gfalld mer scho. Jedsd bisch also au no en Hondsverfihrer. Reschbegd. Sell Mohle offm Feldberg hod wohl rechd khet. A mergwirdige Gschichd isch’s abber scho. Moinsch ned, da de doh vielleichd, au noh em Liabeskommer, a weng viel vo sellenem Badenserwoi naiglassa hosch?”

“Nein, daran, jedenfalls am Wein, lag es ganz sicher nicht.”

“Normal däd jo jeder saga, dass de jedsed et meh ganz bacha bisch. En dr Zwischazeid isch abber nix meh vo dera Ard bassierd, odder?”

Konstantin schüttelte den Kopf, langte sinnend zum Kruge.

“Ha noh war’s wohl wirglich a Zeicha. Ganz bleed war’s jo au nedda, wa des Mohle derherbrochd hod. Des hosch jo au schon en Roddweil gewissermaßa gseha. Ja, wa isch noh mid sellera Gidde? Gfalld der dia arg?”

“Arg? So könnte man das ausdrücken.”

“Oh jemineh. I will jo nix saga, abber en Augablig Zeit däd I mir do scho lassa. Abber au widder ned z’lang. I dädera erschdamol en Briaf schigga. Ed dass se en ihrer Verzweiflong so en Flachlandwiasahugler sich ohlachd on se sich vo so oim a Kendle macha lässd.”

“Ja, du hast recht, ich werde ihr wohl einen Brief schreiben. Hilfst du mir dabei?”

“Ohje, Konschtantin, des scheint jo wirglich arg zom sai. Kerle, so kenn i die jo garet.”

“Genug erstmal davon. Sag, wie geht’s bei dir? Was macht die Schreiberei?”

“Ha, bei mir isch elles meh odder wenicher wia emmer. D’Kender ganget end Schual, brengeds au halbwegs noh, verwieschded d’Wohnong, s’iabliche. Midm Schreiba laufd’s ed schlechd; Idea hanne noh gnuag; s’verschdanded zwar viele ned, wane so nausblos, abber des isch jo nix Ohgewehnlichs. D’Leit kenned hald ofd koi rechds Deidsch meh, des woisch du jo, so versuach i s’ne hald, wia emmer, jeden Dag widder a weng meh beizombrenga. En ledschder Zeid schlag i mi au middenem ganza Haufa Ziageschbids on Lellabebbel rom, diea wo moined, se kended ons Dichder zom sich dr Arsch wischa hernäe. Jo, do benne gra extra dro. Doderzua kenndesch du mir no vielleichd helfa, dane denne nommol bsonders oine ad Bagge nohau. Dia Lombahond moined, mir wäred die ledschde Halbdaggel, selbschd wenn se selber koi Ahnong hän, wia mer en Bleischdifd richdigrom hebd. Dia brauched oi Lektio noch der andera, bis dass se endlich ihr domme Gosch halded, die Greizkrabbasäck.”

So berichtete auch Magnus Konstantin von den jüngeren Entwicklungen auf seinem Schaffenswege, man vesperte zwischendrein noch kräftig, aus Bier ward Weins, manches, das nicht für aller Ohren, ausgetauscht, derbe Späße flogen über die Tafel, manch lautes Gelächter suchte durchs Fenster seinen Weg in die Schwabennacht, bis dass man sich, des kommenden Tages, Stuttgart so recht unsicher zu machen schon ein wenig geplant habend, nicht überallzuspat bettete.

 

 

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