So schön, dass es wahr sein muss

Vor einiger Zeit war ich auf einem Vortrag eines sehr witzigen und schlagfertigen, bereits über achtzigjährigen Herrn, ich weiß schon gar nicht mehr, wie das Titelthema lautete, es ging aber auch um Generationen und ums Älterwerden. Der Mann schien geradezu über den Dingen zu schweben.

Gefragt, wie er, wohl lange Zeit alleine, seine vier wohlgeratenen Kinder erzogen habe, meinte er: “Ich habe sie überhaupt nicht erzogen!”

Dazu lachte er, platschraus, in seiner schelmischen Art für sein Alter ungewöhnlich heftig, das ganze Publikum, ich spontan zunächst auch, lachte mit.

Mir aber blieb dann doch das Lachen im Halse stecken.

Denn die Leute glaubten ihm das verzückt. Nahmen seine Anekdoten einer traumhaften anarchischen Harmonie dazu, die wohl nicht per se gelogen waren, aber allenfalls eine Teilwahrheit abbilden konnten, glatt für die ganze, bare Münze.

Wider jede Vernunft glaubten die Leute ihm das, denn sie wollten es glauben.

Es war einfach so schön, dass es wahr sein musste.

 

 

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