Vom Götzen Erfolg

Leser Armin hat sich hier wie auf seiner Seite conspirare.net öfter sehr deutlich, gar bitterlich, wider die Anbetung, Vergötterung, das maßlose Übergewicht des Erfolges ausgesprochen. Ganz speziell hier: http://www.conspirare.net/w2/erfolg-oh-du-glanzender-du-kt-mich-an/

Gegen Erfolg an sich ist selbstverständlich nichts einzuwenden; fast jeder erfährt ihn, weshalb, das muss hier wohl nicht erörtert werden, als solchen gern.

Erfolg kann aber auch ein schleichendes Gift sein, blind und taub machen.

Blind gegenüber den wahren Gründen des eigenen Erfolgs, taub gegenüber anderen,  die – scheinbar oder wirklich – vergleichsweise erfolglos.

Erfolg kann über jedes Maß selbstisch machen, überheblich, gnadenlos. Vollauf korrumpieren. Man sieht das nicht nur an fetten Bänkern, die den Erfolg ihrer Raubzüge am Volksvermögen feiern.

Und wird nicht nur oft der Erfolgreiche zu einem mit arg eingeschränkter Wahrnehmung, immer geringerem Einfühlungsvermögen, schmalem Blicke, sondern werden auch allzuviele der weniger Erfolgreichen, den Erfolgreichen bewundernd, unwissentlich immer kleiner, indem sich ihr Urteil trübt, sie immer noch mehr nach Erfolg schielen.

Also, dass die Qualität eines Werkes, einer Arbeit, kaum noch an sich, aus sich heraus, betrachtet, gewertet wird, sondern anhand des vielleicht trügerischsten, krummsten aller Maßstäbe.

Erfolg bedeutet, dass viele folgen, dass viel Ansehen und bzw. oder viel Geld folgt.

Ein Heinrich von Kleist gar schoss sich eine Kugel in den Kopf, mangels zweifellos redlich verdient habenden, aber weiland nicht erlangten Erfolges.

Rufen wir uns im Zusammenhange nochmal diesen Spruch Friedrich Nietzsches in Bedacht: “Du suchst Anhänger? Suche Nullen!”

Unser größter Philosoph sagte damit nichts anderes, als dass sich der Erfolgsuchende selbst der Gier und der Eitelkeit der tumben Massen hingebe.

Und diese, wie oben schon angedeutet, darin noch bestärke. Auch darin erst recht noch, sich über Erfolglose erheben zu können, ja gar sie niederzutreten.

Wer ist denn erfolgreich?

Goldman Sachs, Söldnerfirmen, die Bildzeitung, Monsanto, Geschlechtsteilverstümmler, Kinderverknaster, Sozialschmarotzer mit Häusern im Ausland, Blutkotkopulationstheatermacher, Fetteckenkulturzerschlunzer, Geschichtsfälscher, Hassprediger, Allesverhunzer.

Ja, diese nicht nur: aber so wesentlich auch, dass es mehr als nur reicht.

Ein aufrechter Geist, das wollte Nietzsche uns wohl sagen, darf, außer im Notwendigsten, sich am Leben zu erhalten, unter Umständen noch nicht einmal zu diesem Behufe, dem Götzen Erfolg keinerlei Tribut zollen.

Die Menschheit wird erst dann ein höheres Bewusstsein erlangen, wenn schon Kinder allenthalben davon hören und begreifen, was das für ihr Wollen und künftiges Schaffen bedeutet.

Noch vermag sich jede Art grauser Erzlug hinter dem Götzen zu verstecken.

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5 Antworten zu “Vom Götzen Erfolg”

  1. Armin sagt:

    @Magnus
    Danke für diesen Artikel, Magnus – und für den Link zu meinem!

    “Gegen Erfolg an sich ist selbstverständlich nichts einzuwenden; fast jeder erfährt ihn, weshalb, das muss hier wohl nicht erörtert werden, als solchen gern.”
    Einverstanden. Ich hoffe, auch im meinem Artikel ist rübergekommen, dass es nicht um Neid geht, sondern um den “inneren” Wert des Menschen – auch ohne Erfolg. Erfolg ist doch schon in der Essenz eine extrovertierte Erfahrung.

    “Erfolg besteht darin, dass man genau die Fähigkeiten hat, die im Moment gefragt sind”
    Henry Ford

    Aber was ist in unserer hyperkapitalistischen Gesellschaft, wenn man eben mal nicht genau diese hat (sondern vielleicht andere) oder wenn man mal verschnaufen müsste, müde ist. Sind die Menschen die “genau die Fähigkeiten, die im Moment gefragt sind” nicht oder nicht mehr haben oder noch nicht oder wie auch immer, sind diese Menschen dann weniger wert?

    Was ist üeberhaupt der einzelne Mensch noch wert unter Milliarden (“useless eaters”, um die Floskel der Elite zu übernehmen), ein globalisiertes Insekt im täglichen Kampf ums überleben. Austauschbar, viel zu schnell zu alt, ständig am rennen.

    Erfolg hat doch heute auch so viel mit sich in Szene setzen zu tun, der Sensationserfolg, der Aufmerksamkeitserfolg, der Star-Erfolg.

    Und für Erfolg tut man alles: Insekten fressen, sein Leben aufs Spiel setzen, sich wochenlang beobachten lassen, sich ausziehen etc.

    Ohne Rampenlicht ist man doch nichts mehr, gerade in einer Welt, wo der Mensch im Allgemeinen zum reinen Produktionsmittel verkommen ist, dass es im Ueberfluss gibt.

    Irgendwann ist die Welt so duchautomatisiert, dass es fast niemanden mehr braucht. Umso austauschbarer werden die Menschen behandelt.

    In der Firma in der ich arbeite, gibt es keinen festen Arbeitstisch – nennt sich passenderweise Workplace of the future – sondern einen Rolley wie die Stewardess im Flugzeug, den man dann ans Pult fährt, am morgen auspackt und in den am Abend wieder einpackt seine armseligen Bürohabseligkeiten.

    Teams heissen jetzt Pools und sind völlig und jederzeit austauschbar heisst es und wenn man etwas nicht in Time machen kann heisst es, dann holen wir halt mal schnell 10 oder 100 oder 1000 Inder.

    Und eben, Erfolg korrumpiert oft. So schreiben, dass möglichst viele es lesen, das tun, was möglichst viele gut finden, möglichst cool sein (letztlich “cool” angepasst). Einfach Mensch sein und auch so rüberkommen, können heute nur noch wenige…

    PS:
    Heute war ich wieder eine WG besuchen, in der Mehrzahl bewohnt von Filmschaffenden im Bereich Dokumentarfilm so in meinem Alter und habe sehr inspierende Gespräche behabt. Da hat mich auch niemand kritisiert für meine Ansichten und sie als negativ eingestellt abgetan. Mal schauen. Ah, und ich habe Tortilla gemacht für sie und das hat allen gemundet – war ganz nervös ob ich nach doch einigen Monaten Abstinenz noch kochen kann. Es tut gut, Leute zu treffen, die sich auch mit gesellschaftskritischen Themen beschäftigen und nicht nur materiell eingestellt sind…

  2. Dude sagt:

    @Armin

    Ich wünsche Dir von Herzen, dass es diesmal klappt mit der neuen Bude!

  3. Armin sagt:

    @Dude
    Danke, Dude! Am Montag sollte ich Bescheid bekommen.

  4. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Armin

    Muss auch mal wieder eine Tortilla machen… Ist gar nicht so einfach, das wirklich richtig hinzukriegen.

    Als ich mich in Salamanca als Studel bei einer WG vorstellte, war die erste Frage: “Sabes cocina?”

    Über ein beherztes “Claro que sí!” bekam ich das Zimmer.

    Hört sich gut an, drücke Dir die Daumen.

  5. Armin sagt:

    @Magnus
    “Ist gar nicht so einfach, das wirklich richtig hinzukriegen.”
    Ja, da hast Du recht. Vor allem hattte ich geschrieben, dass ich gerne koche und mich mit Filmen beschäftige.

    Dann treffe ich auf Leute, die professionell Filme machen, auch Kino, mit Profiausrüstung und so und der sagt mir noch, er hat einen Cathering Service. Das hat mich dann ziemlich verunsichert, aber es hat gut geklappt, habe da so ca. 9 Kartoffeln geschält, in Scheiben geschnitten in einer zünftigen Menge Olivenöl ca. 20 Minuten gebrätelt, dann die Kartoffeln raus, Zwiebeln, Peperoni und Knoblauch ins Oel, dann das Oel weg, 7 gequirtlerte Eier mit Pfeffer und Salz auf die wieder in die Pfanne geschichteten Kartoffelscheiben in Lagen mit Peperoni/Zwiebel/Knoblach, schon braun gebraten, gedreht mit Teller und voila…

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