Konstantin weiß nicht Weibs

Konstantin war von Rottweil in Richtung Schwäbische Alb gewandert, und er wollte erstmal nichts als wandern.

Hie und da stieß er auf einen kleinen Flecken, wo er Weinschlauch und Brotbeutel füllte und sich eine Lammbrust oder ein Huhn, am abendlichen Feuer zu braten, besorgte.

Und immer wieder dachte er an die seiner harrende Hamburg; doch überkam ihn für die nächste Zeit nicht die geringste Lust, obzwar er viel von der Schönheit der Hamburgerinnen gehört hatte, sich jetzt im Nieselregen mit Kaufmannsstenzen, hochnäsigen Gecken und anmaßenden Kokotten herumzuschlagen, allda ihm, auf der herrlich sonnigen Alb, wo ihn derbe Holzknechte und brave Schäfer grüßten, noch seine Erlebnisse zu Würzburg, Freiburg und Rottweil durch den Kopf gingen.

Wenn, ja, wenn…

Die kecke Gitte, er sahe sie noch in der verlöschenden Glut, mit der er zu Würzburg einen gar köstlichen Abend verbracht, wollte ihm alswie ein vor lauter Dummheit schnöde verschmäheter Engel nicht aus dem Sinn. So gut und lustig hatte er sich nun leider selten mit einem Weibe unterhalten.

“Teufel aber auch, du wirst dich doch nicht etwa an einem Abend in eine freche Gelahrte verguckt haben, dessen nicht einmal merkend, meinend, dein Lieb warte deiner noch in Freiburg?  Du wirst ihr jetzt doch nicht gleich Hals über Kopf hinterherrennen? Außerdem war sie zwar schließlich gar freundlich, die Umarmung zum Abschiede herzlich, und, ja, sie lud dich auf den Reiterhof ihrer Eltern ein, doch mehr schien nicht im Schwange. Aber, sie ist ja eins von den wenigen gelahrten Weibern mit Herz und Sinn: Spürte sie vielleicht, dass du sie weiland gar nicht ernstlich begehrtest, da eine andere sein musste? Teufel aber auch, was reimst du dir da alles zusammen.”

“Was aber, wäre sie doch die Richtige, und du verlörest sie am Ende, deiner Zagheit geschuldet, an einen niedersächsischen Stallmeister? Teufel aber auch, du hast wohl viel zu wenig Unfug angerichtet in letzter Zeit, so dass der, alswie angestaut, nun dein eigenes Oberstübchen besatzt. Gerade mal und doch schon einundreißig, und du wackelst im Hirne zwischen einem jungen Burschen, der seine erste Sabine erblicket, und einem Halbgraurücken, dem jede noch einigermaßen lustige Witwe alswie die einzige Ballerina im Erdenrund ins Gemüt sticht. Mann, Konstantin, was faselst du da, ist Gitte etwa deine erste Sabine, eine gerade noch einigermaßen lustige Witwe? Teufel aber auch.”

Konstantin nahm einen langen Zug aus seinem Weinschlauche.

“Ich will Magnus besuchen. Wer zuviel an die Weiber denkt, verkommt endlich ganz. Ein guter Freund, der schon manches erfahren, mit dem man ein paar Tage sorglos um die Häuser ziehen kann, derber Späße nicht zu sparen, des Weines nicht zu schonen, Zoten reißen, Schwänke erzählen, Plane schmieden, am Hange auf die abendlich erleuchtete Stadt blickend der Welt und ihrer Wägbarkeiten redend, selbst noch des vorderhand unmöglich sich Darstellenden wälzend, der mag Amors tückische Nebel und Schatten wohl aus mir zu lichten vermögen.”

“Auch kennt Magnus einige Dichter und Denker und sonstige schräge Schwaben und Gesellen, die einen Fahrensmann tunlich zu erheitern wissen; viel habe ich ihm überdies zu berichten, was zu erzählen noch keine Gelegenheit sich ergab.”

Also kam es, dass Konstantin sich auf den Weg nach Stuttgart machte, daselbst wieder etwas Ordnung und Ziel in sein Leben zu bringen.

 

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