Konstantin: Rats und Rede in Rottweil

Indem Konstantin nach seinem ersten vergnüglichen Abend in Rottweil erst einmal gut ausgeschlafen, sich gereckt, ein angemessenes Frühstück eingenommen, Stadt und Umgebung ein wenig durchstreift, wobei er zunächst den Eindruck hatte, dass die Rottweilerinnen etwas vierschrötiger denn die Freiburgerinnen daherkämen, was er vorderhand dem rauheren Klima zuschob, wofür er sich dann aber schalt, da sein Urteil diesbezüglich vielleicht doch noch etwas getrübt sein mochte, begab er sich, wie vereinbart, um zwei Uhr, an jenen vereinbarten Ort, etwas oberhalb der Stadt, wo er vom Ratsherren zur verschwiegenen Zusammenkunft ein gemütliches Bänklein, mit herrlichem Ausblicke, leichthin fand, diesen schon daselbst auf ihn wartend sitzend.

“Ha no, schee, dad kommschd, setz die erschdmol noh!”, ward er feundlichst begrüßt.

Also setzete er sich, und erst einmal schwiegen beide ein paar Minuten, der Frühlingssonne und der herrlichen Landschaft genießend.

“Wie kann ich Euch helfen, werter Rat?”, hub Konstantin schließlich an.

“Wir haben arge, streunende Rottweiler, wissen uns derer nicht mehr zu helfen.”

Zunächst verstund Konstantin nicht, dann aber ward ihm schnell klar, dass es sich hier wohl um Vertreter der so genannten Hunderasse handeln müsse, derer er schon welche als selbst für einen wackeren Burschen, wenn in Wut, wofern der kein gutes Messer griffbereit, als eine möglicherweise nicht unernsthafte Prüfung erlebt hatte.

“Ja seid ihr Rottweiler nicht manns genug, ein paar streunender Rottweiler Herr zu werden, und sei es, dass der Knüttel sausen muss, bis dass sie Ruhe geben?”

“So einfach ist die Sache leider nicht. Nicht nur, dass wir Rottweiler Rottweiler lieben, es geht auch um das Ansehen unserer Stadt in aller Welt. Was soll man denn von uns halten, wenn wir, uns nicht anders zu helfen wissend, beginnen, Rottweiler totzuschlagen? Was denkst du, wie man nicht nur in Tuttlingen und Villingen, nein gar in Stuttgart und darüber hinaus, über uns lachen und spotten wird? Der Ruf der ganzen Stadt, aller Rottweiler, steht auf dem Spiele.”

“Wie kam es denn, dass die Hunde wild und bös wurden?”, fragte Konstantin.

“Es gibt hier drei große Züchter. Jeder versuchte die anderen darin zu übertreffen, dass er noch größere und schärfere Rottweiler habe. Bei der jährlichen Schau sind dann plötzlich, unvermittelt, von jedem vier Tiere ausgebrochen, die stärksten; seitdem holen sie sich Hühner, Jungsauen, Kälber, Schafe, Ziegen: was sie nur finden. Dem Breitgwann Karl haben sie sogar seinen Zuchtbullen niedergemacht und zusammengefressen.”

“Hat denn keiner versucht, mit den Hunden zu reden?”

“Natürlich haben wir das versucht. Sie greifen ja auch keine Menschen an. Jedenfalls noch nicht. Aber wer sich hinstellt, der bekommt ein Geknurre und Gefauche, dass er sich nicht weiters versuchen will, wann er nicht doch einmal rottweilermäßig gebissen wird. Du weißt, wie Rottweiler beißen können?”

“Ich habe es mir sagen lassen. Gründlich. Kann der Knochen schnell ab sein. Das wünsche ich keinem.”

“Eben.”

“Das Beste also, wenn ich das richtig verstanden, wäre, wenn ich mit den Tieren mal vernünftig redete.”

“Genau.”

Konstantin dachte eine Weile nach und sagte schließlich: “Gut, ich will mich dessen unterfangen. Aber ich brauche Hilfe.”

“Welcher Hilfe?”

“Ich bedarf der zwölf stärksten Männer Rottweils, die es mit bloßen Händen je mit einem Rottweiler aufnehmen können, Hunde lieben, je gerne einen guten Rottweiler hätten.”

Der alte Rat wog seinen Kopf hin und wieder, sagte schließlich: “Ich werde dir die Männer schaffen. Wir treffen uns morgen Abend in der Rottweiler Stube, allwo ich dich kennengelernt. Um die Zeche mache dir schonmal keine Gedanken.”

Andernabends kam der Rat, hatte Hans, Erich, Konrad, Heinz, Fritz, Rüdiger, Rolf, Hubert, Ludwig, Ulf, Luis und Rainer dabei.

Man besprach sich, aß kräftig, trank wenig.

Am andern Morgen gegen eilf begab man sich zu dem Hag, wo die Meute hauste, Konstantin vornweg, seine Kumpane, ruhig, mit verschränkten Armen, lose ihm hinterdrein.

Ein gewaltiges Bellen erhob sich.

Konstantin bedeutete den anderen, ein Stück zurückzubleiben, trat inmitten der lärmenden Rottweiler, langsam, still; sie umkreisten ihn und fauchten, und er sagte lange nichts.

“Seid ruuuuuuuuuuuhig!”, sagte er schließlich sehr sanft, aber bestimmt, und schon wurde die Meute leiser.

“Ulf!”, rief Konstantin, “kommst du mal her zu mir?”

Ulf trat langsam vor, stellte sich neben Konstantin. Knurren.

“Das ist der Ulf. Er hat mir gesagt, und ich glaube ihm, dass er Hunde mag, gerne einen richtigen, kräftigen Rottweiler hätte.”

Die Hunde schienen etwas verwirrt, der eine bewegte sich dahin, der andere dorthin, das Knurren ließ etwas nach.

Sodann rief Konstantin einen nach dem anderen, zunehmend lauter und fröhlicher, seiner Gesellen beim Namen zu sich, in lose Aufstellung.

Also stand man eine Weile, die Hunde umkreisten langsam die Versammlung, dreie schauten schon auf Sitz zu.

Rolf streckte schließlich als erster einem von diesen langsam seine Hand aus und sagte nur: “Komm!”

Bald hatte jeder der Zwölfe seinen Rottweiler.

Der Rat beschloss anderntags, dass den Züchtern künftighin genau auf die Finger gesehen werde und ernannte Konstantin zum Rottweiler Ehrenbürger.

Es gab ein großes Fest. Alle schönen Maiden Rottweils umkränzten Konstantin, ihn herzend und ihm einschenkend, also, dass er nun wirklich merkte, alswie diese selbst den Freiburgerinnen in Liebreiz und freundlicher Art nicht nachstanden, und dies Treiben ging, bis dass die Sonne sich über die Alb hob.

Von den fünfzig Goldtalern, die der Rat der Stadt für Konstantin, den man manchesmal bewog, etwas länger noch zu bleiben, beschlossen, nahm er nur zehn, bat dabei darum, dass die restlichen vierzig an Bedürftige, zumal Waisen, gehen möchten, alswelches ihm auf Ehrenwort zugesagt ward.

Er verabschiedete sich von allen, auch den vierbeingen Rottweilern, die ihm traut die Hände leckten, seinen zwölf Freunden, mancher Maid, dem Rat, erklärte, worauf es endlich nicht längern Einwand mehr gab, er habe auch hier und dort noch zu tun, versprach fest, dereinst zurückzukehren, zu all den ihm liebgewordenen Rottweilern.

 

 

 

 

 

 

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2 Antworten zu “Konstantin: Rats und Rede in Rottweil”

  1. Dude sagt:

    Apropos Konstantin (nein, nicht der Eulenspiegel) und bissige Rottweiler und Treffen…
    http://dudeweblog.wordpress.com/wichtiges-zum-aktuellen-zeitgeschehen/comment-page-6/#comment-1017

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Dude

    Du sagst nichts zur Geschichte. Die Dich freilich nicht interessieren muss.

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