Konstantin wieder in Freiburg

Konstantin kam also wieder nach Freiburg, seine Gerlinde zu besuchen.

Er trat einfach in ihr kleines Gasthaus ein, und die Wirtin, seiner überraschend angesichtig, stürmte auf ihn zu. Sie war schöner denn je. Aber hinten stand Hans.

Hans erwies sich als ein durch und durch braver Mann von etwa fünfundreißig Jahren, der, Gerlinde war dessen mehr als froh, sich einem gemeinsamen Kruge mit Konstantin, wohl wissend, mit wem er es zu tun habe, sobald die Geschäfte besorgt seien, nicht abgeneigt erklärte, er möge erst einmal Brotes, Käses, Weins und des Tagestopfes aufgesetzt bekommen, wofern er nicht etwas besonderes wünsche, was Hans ihm selbstverständlich schaffen werde, soweit es in seinem Vermögen.

Selbstverständlich ließ Konstantin sich also nicht lange bitten, dankte der freundlichen Einladung, begehrte nur des Angebotenen.

Alles war vortrefflich. Der Graue Burgunder, kräftig, blumig, leicht verspielt, doch mit Rückgrat und mit guter fester Säure, das knusprige Holzofenbrot, der Schwarzwaldkäs, von Kuh, Schaf und Geiß, Butter, ja, die gab es auch, sodann die gut gewürzte, bestgemüsebrühte Kartoffelsuppe mit kleinen, derben Rindfleischstückchen darinnen, Lauches nicht gespart, selbst noch ein Töpfchen Rahm daneben, um gut badisch noch nachzusahnen, dazu, dabei, frischer Radies, Feldsalat, Schlotten, zusammen neckisch angemacht, obendrein eine Leberwurst, eine unvergleichliche Pflaumensoß dazu.

Konstantin ward nicht nur mit einer Träne im Auge klar, dass Gerlinde in guten Händen war. So ließ er es sich trutzig schmecken.

Als das Geschäft gegen elf ruhiger wurde, kam Hans mit einem Kruge Rieslings an Konstantins Tisch, frug, ob alles gemundet und in der richtigen Ordnung gewesen sei, bat, da dies vollauf bejaht, sich jetzt zum anberaumten Gespräche setzen zu dürfen.

Nachdem der Riesling anverkostet war, Konstantins höchstes Lob berechtigterweise, nicht zu Hansens Ungefallen, ausgesprochen erhalten hatte, sagte der ohne Umschweife: “Ich weiß, dass sie Dich liebt, aber ich glaube mich liebt sie auch. Und ich bin für sie da. Willst du mir sie streitig machen?”

Konstantin wischte zum letzten Mal an diesem Abend eine Träne weg und entgegnete: “Nein, Hans, das will ich nicht. Aber lass mich morgen noch einmal mit ihr reden.”

“Selbstverständlich. Wie sollte ich das dir oder ihr verbieten. Außerdem weiß ich, dass sie das auch wollen wird. Man soll sich Frauen nicht leichtfertig in den Weg stellen, das weißt du doch.”

Nach einem kurzen Schweigen widmeten sich beide, sich noch einiges ihrer jeweiligen Heraufkünfte erzählend, noch eine gute Stunde brüderlich dem Weine, dann, nicht gleich unmäßig zu werden, einvernehmlich den Abend gen Bette beendend.

Gerlinde war glücklich. Hans war ein guter Mann.

Konstantin bekam noch Schinken, des Rieslings, Atzung für wohl drei Tag in seinen Ranzen gepackt, beim kurzen Abschied, und er begann seinen Schritt, ohne Ziel, einfach von Freiburg hinan, ostwärts, in den dunklen Tann.

 

 

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