NSU-Prozess: Das Gemisch (II)

Der Zschäpe-NSU-Prozess trägt schon vor seinem offiziellen Beginn kafkaeske Züge.

Als mir  der Kafka-Vergleich eben einfiel, suchte ich, ob er schon gefallen sei, und fand, schon vom 4.4. (!) dies, den schon eingänglichen Aberwitz im Umgang mit der (bereits akkreditierten) Presse beleuchtend:

http://www.br.de/nachrichten/tagesschau/nsu-prozess-presse-kommentar100.html

Es ranken sich immer mehr erklärliche, teilerklärliche und unerklärliche Rechtsbeugungen und -brüche, merkwürdige Vorgänge um diese Sache, inzwischen werden Plätze verhökert, wie als ob einer des letzten Bieres dem Lose nach einen Humpen noch gewonnen hätte, also, dass man den Eindruck bekommen kann, eine eigentliche Untersuchung der Sache sei völlig nebensächlich.

Andererseits läuft die Maschinerie nicht so selbstverständlich und reibungslos wie bei Kafka.

Man wird auf Dauer, wofern diese Republik nicht vorher bricht, zu einem Urteile kommen und dieses umfässlich begründen müssen, egal, was dazwischendrin noch geschieht.

Ich denke inzwischen, dass davor niemand eine größere Angst hat, als die höchsten Anzurufenden, ein Urteil endgültig zu bestätigen habenden Richter.

Insofern könnte man versucht sein, von einer umgekehrten Kafkaeske zu sprechen, nämlich, dass es die Höchsten kafkaesk verwickelte; das wäre aber insofern falsch, dass keine unschuldigen Leute von einer unerklärlichen Willkür betroffen wären.

Wenn schon kafkaesk, dann ist das, wie das System sich gerade selbst verfolgt, in immer längere graue Flure treibt, indem kein vernünftig denkender Mensch mehr daran glaubt, dass es hier noch zu einem anständigen rechtsstaatlichen Verfahren kommen könne.

Diesen Schein, dass das doch so sei, dann auch komme und durchgeführt, wird jetzt die gemeinsame, kafkaeske Büßeraufgabe aller hinein- oder hinausgelosten Vereinigten Schafsmedien sein, bis um bitteren Schlusse.

Jetzt hat man das Thema so weit hinausgegeißelt, dass man es auch nicht mehr einfach schnöde fallen lassen kann. Man sitzt in der eklen Suppe, die man selber mitangerührt, die Hand langet nicht bis zum Topfrande. Stemmt sich einer unten ab, den nächsten, auf seiner Schulter, noch weit überm Kopfe im Seime, damit der Dritte sich auf dessen Kopf an den Topfrand hangen kann, sich dabei nochmal die Handballen und Finger verbrennend, schließlich beherzt hindrüber, neben dem Stoven hart landend, hinauszusetzen?

Schlimmer nur noch die Sieben Schwaben, die schließlich gemeinsam ersoffen.

Es geht fast nur noch um eine Art Raison, die offenkundig mit Raison, wie man sie normalerweise versteht, nichts zu tun hat. Es muss alles irgendwie so und so gewesen sein (wie es zwar mit Sicherheit wenigstens alleine nicht war, aber das ist “eingepreist”), es wurden zwar Fehler gemacht, ja, aber der deutsche Rechtsstaat steht, hat das ja auch eingestanden, vorbildlich: und es bedarf einer saftigen Verurteilung. Die ganze Welt, zumal wir selbst, erwarten von uns eine.

Ein Freispruch in der Hauptsache aus Mangel an Beweisen, vielleicht nur zwei oder drei Jahre wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, wessen Herz- und Hirnbändel sollte das jetzt noch überstehen?

Man hat es dahin gebracht, dass kein schweres Schuldurteil gegen Frau Zschäpe nicht von vielen als nicht gerechtfertigt, ein Fehlurteil, ein Bauernopferurteil, ein Kotauurteil vor dem Ausland und sich selbst, eine wahrscheinliche Sauerei bestimmter Kreise, nebst Vertuschung und Zerlaberung durch deren stiefelleckende Multiplikatoren, angesehen werden wird, tauchen nicht entscheidende neue Beweise auf, werden zudem Verfassungsschützer und andere nicht ordnungsgemäß einbestellt und vereidigt zur Aussage.

Man muss wohl auch wirklich mit dem Klammerbeutel gepudert sein, wenn man bezüglich dieser Sache egal wem, aber zumal staatlichen Stellen, etwas glaubt.

Irgendwann aber flippt vielleicht einer aus. Oder es bildet sich sogar eine kleine Sponti-Truppe an Ausflippern, direkt aus dem kafkaeskierten medialen Establishment heraus, die intelligent rebelliert. Man soll das Hupen nie aufgeben.

Nochmal gefragt, nur daraufhin: Wie viele Rechtsbrüche, wie viel Rechtsbeugung, wie viele Sonderrechte, wie viel braucht es denn noch, um eine so klar überführte Frau, letzte Überlebende des NSU-Terror-Trios, endlich ihrer gerechten Strafe zuführen zu können? – Es grad 1. Mai vorbei; muss man da gegen Zauberkräfte kämpfen, eine Terroristin oder Helferin von Terroristen oder selber Mörderin oder was immer gradaus zu verurteilen? Ist bei denen Tag und Nacht Vollmond?

 

 

 

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