Von der Unsitte der Kleinschreibung

Ich lasse durchgängige Kleinschreibung hier in Kommentaren nur deshalb noch durchgehen, weil ich nur dann zensiere, wenn rechtliche Bedenken dies gebieten oder der Anstand gegenüber anderen Teilnehmern übers Maß verletzt wird.

Dass mir aber kaum etwas so sehr missbehagt wie diese freche Unsitte, das will ich hier nochmal deutlich machen.

Es geht dabei nicht um Prinzipienreiterei, sondern schlicht um das in dem Sinne asoziale Verhalten des diese Verwendenden, dass er – es mag Ausnahmen geben, die dann aber bitte literarisch berechtigt – mutwillig, vorsätzlich gegen die Lesegewohnheit anderer verstößt, also dreist wie sinnlos.

Ich habe mir schon überlegt, ob ich derlei unschickliche Frechheiten, die zur Sache nichts bringen, außer, dass sie ärgerlich, zwar weiterhin nicht weglöschen werde, wie das andere Blogbetreiber nachvollziehbarerweise tun, aber prinzipiell nicht mehr gegenkommentieren.

Wieso sollte ich einem antworten, der mir vorsätzlich auf den Tisch rotzt?

Kann einer, dem nun gar nicht gefällt, was hier zu lesen, der das zum Ausdruck bringen will, in aller seiner Meinung nach gebotenen Schärfe und Härte, dies nicht wenigstens in einer sauberen Form tun?

Wozu versuche nicht nur ich, sondern auch andere tun das, hier ernsthaft Sprachpflege zu betreiben und hochzuhalten, darum wissend, wie wichtig diese? Um dass dann die Flegel hereinbrechen?

Es ist nämlich Absicht, immer. Jeder, der hier etwas sagt, beherrscht die Groß- und Kleinschreibung, sei es auch mal etwas fehlerhaft, geschenkt, ich denke manchmal auch länger nach, was richtigerweise oder der gerade anliegenden Sache gemäß wie zu schreiben, wenigstens dahingehend ausreichend, dass er weiß, was ein Hauptwort ist, was nicht.

Kommt ein Shakespeare, oder auch einer, der vielleicht gerne einer wäre, oder nicht einmal das, will etwas sagen, kommentiert hier auf Englisch, da er des Deutschen nicht mächtig, oder weil er eben diese Sprache wählt, schreibt dann, wie es in dem Falle korrekt, so habe ich nichts dagegen einzuwenden.

Deutsch aber ist Deutsch; und wer daran ohne mir nachvollziehbaren Grund, ohne literarische Originalität, keine vielleicht sinnige Neuerung bringend, einfach nur herumseckelt, seiner Missachtung anderer, seiner Wurstigkeit hold, der hat bei mir nicht auf auch nur das mindeste Wohlwollen zu rechnen.

Ich vergewaltige auch das Englische, das Spanische, Französische oder Italienische nicht, indem ich da groß schreibe, wo man es in diesen Sprachen nicht tut. Es sei denn, es gäbe wirklich einmal etwas damit auszudrücken.

Es ist wie als ob ein Gast ins Haus käme, freundlich geladen, dem Gastgeber wie den anderen Gästen erstmal sagte, dass er ihrer sowieso nicht achte, sie allesamt nur Dummvolk, er selber derer unerreichbar weit oberhalb. Als Kleinschreiber des Deutschen.

Rede ich mit jemandem, nicht zu dem Behufe nur, ihm gleich zu zeigen, wie sehr ich ihn verachte, wie weit er unter mir stehe, dass ich ihn zu vernichten gedenke, wofern er nicht pariert, so werde ich demjenigen einen gewissen Respekt entgegenbringen.

Damit ist zu diesem Thema – wenigstens vorläufig – alles gesagt.

 

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6 Antworten zu “Von der Unsitte der Kleinschreibung”

  1. Anonymus sagt:

    Ich staune immer über die Alleskleinschreiberei!

    Es kann mir keiner erzählen, dass irgend jemand das schafft im Berufsleben korrekt zu schreiben und im Privatleben alles klein. Also handelt es sich bei den Alleskleinschreibern um die soziale Unterschicht, die beruflich nie etwas schreiben muss, nur die werden sich wohl kaum bemüht fühlen hier einen Post einzurücken.

    Bleiben also wirklich nur ein paar Provokateure, die unseren Magnus ärgern WOLLEN !

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Anonymus

    Sehr gut erfasst. Erfrischend. Danke.

  3. Dude sagt:

    @Magnus

    Dass Du jetzt gleich nen eigenen Strang daraus machst?! Wow!

    “mutwillig, vorsätzlich gegen die Lesegewohnheit anderer verstößt”

    Mein liebes Arschloch. Dies ergänzt vorigen Kommentar.

    Ja, es war mutwillig und vorsätzlich. Es geschab bewusst und gezielt. Ich weiss womit ich Dich treffen kann. Du hast mich auch getroffen, und also hattest Du es verdient, die dazu passende Riposte zu bekommen.

    Lieben Gruss vom anderen lieben Arschloch! :-)

  4. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Dude

    Hat sich doch immerhin inalsoweit gelohnt mit dem eigenen Strang, dass Du mich jetzt nur ein Arschloch nennst, das Wort aber wenigstens mit einem anständigen großen A als Anfangsbuchstaben.

  5. Anonymus sagt:

    Aber, aber meine Herren, wer wird denn gleich….

    Hier sollte wenn schon, denn schon, mehr elegantes Florett gefochten werden, aber doch nicht mit Vorschlaghämmern ! Dz dz dz dz

  6. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Anonymus

    Das war meine Feinfeile.

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