Zenzi ist jetzt meine Chefin (So schnell geht sowas)

So schnell werden die Dinge selbst in Deutsch-Südschwitz fast tragisch und können doch endlich vernünftig gelöst werden.

Zenzi eröffnete mir, ich sei ja ein “durchaus kompetenter Schulleiter”, “gar net so unbuschig”, schließlich (oh, wie gerne ich vergiftete Halbschmeicheleien von voll erbuschten Niederbayerinnen höre!), sie habe auch gar nichts gegen mich (also, Weib bleibt Weib, so gut wie alles), sie halte es allerdings für pädagogisch unangebracht, dass sie weiterhin kaum ein Geviert von mir entfernt wohne, denn das führe allzusehr zu Gerüchten, sie erwäge gar, eine Stelle in Freiberg anzunehmen, bringe es zwar kaum übers Herz, es gehe indes nicht an, dass sie als vorgebliche billige Konkubine des Rektors als Konrektorin ihrer Autorität und jener damit auch der der seinen verlöre.

Bevor ich auch nur eines Wortes zu entgegnen wusste, brach sie in Tränen aus, wild, diese aber ebensoschnell wieder trutzig abzuwischen, meinte, wutentbrannt: “Wenn es denn wenigstens so wäre!”

Des vermochte ich nun gar nicht zuzuordnen. Denn kaum hatte ich sie je allzufreundlich anzuschauen gewagt, ihrer unbezweifelbaren Reize halber, jenseits des Philologischen, angesprochen, mehr als einen dienstlichen Kaffee mit ihr anzusetzen mich unterfangen. Nun dies. Ich konnte fast nur noch verlieren.

Sie sah mich nämlich gar nicht so an, wie als ob eine gut gestammelte Liebeserklärung meinerseits jetzt noch irgendwohinaus oder gar -hin helfen könne. Ich verstehe zwar einiges von Sprachwissenschaft, aber auf diesem speziellen Teilgebiete derselben fühlte ich mich noch nie besonders erstudiert oder gar sicher. Also beschloss ich, es wird wohl eine Eingebung gewesen sein, spontan, als wie nie zuvor getan, jetzt einmal auf der Stelle zuammenzubrechen. Zunächst. Ich brach schwer zusammen.

Mein Gesicht ward, indem ich es gleichzeitig aschfahl werden ließ und mit kleinen roten Flecken sonder Zahl übersäete, das Kinn vor Verzweiflung leicht zitternd, die Augen osmiumkalt, jenseitig hart, graniten; mehr Entsetzen, blanken Schrecken, zugleich endgültige Entschlossenheit in Letztverzweiflung, sahe keine Frau je.

Gleich einem sich noch einmal, zum letzten Male, errichtenden Untiere stund ich auf, wie als ob dernächst endgültig vom finalen Schwertstreiche niedergestreckt, drehete ich mich, langsam, ihr wieder zu, sagte schließlich, in einer Leisheit, die noch nie jemand gehört: “Und wenn du Rektorin wirst, ich nur noch dein Lehrer?”

Damit hatte sie selbstverständlich nicht gerechnet. Sie musste sich sammeln, und dadurch gewann ich wertvolle Zeit. Ich simulierte Todeszittern. Es war jetzt oder nie.

“Du verdammter Sauschwab’”, sagte sie, nachdem sie drei ewige Sekunden zu Boden gesehen hatte, nahm mich dann in den Arm.

Ich bin jetzt nur noch einfacher Lehrer, sie ist die Rektorin (Olli hat zwar ein bisschen gemeckert, die Lage jedoch schließlich erfasst), aber dafür nimmt sie mich jetzt jeden Tag in den Arm.

Die Hierarchie stimmt, die Hintlingsfrauen halten alles für besser geregelt als vorher, es könnte allen kaum besser gehen.

 

 

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