Vom zweiundvierzigsten Strategeme

Das zweiundvierzigste Strategem ist jenes der Wiederholung, der Redundanz. (Man könnte es auch als das “Lehrerstrategem” bezeichnen; das wäre aber zu verkürzt, zu einfach.)

Dieses Strategem kennt praktisch jeder. Man sagt, zeigt etwas so oft, bis dass es jemand hört bzw. begreift.

So einfach und alltäglich nun aber die Anwendung dieses Strategemes prinzipiell ist, birgt es doch in der Praxis einige Tücken. Naheliegenderweise schonmal, dass Menschen genervt sein können, oft erst recht trutzig werden, wenn man sie immerzu mit derselben Sache behängt.

Geht es nun um Dinge von größerer Tragweite (die Ähnlichkeit mit dem einundvierzigsten Strategeme ist mitunter groß; es ist aber nicht deckungsgleich; sie sind allerdings nicht selten miteinander zu verketten), so ist nicht nur auf eine sinnvolle Häufigkeit der Wiederholung zu achten, also, dass man den oder die zu Erreichenden auch mal geradezu in dem wohligen Glauben wiegen mag, man habe aufgegeben, sondern auch auf die stilistische wie inhaltliche Varianz der (teilweisen) Redundanz.

Bringt man immer wieder zusätzliche, neue Argumente, Beispiele, Bilder, so ist das natürlich in diesen Fällen sehr von Nutzen. Präsentiert man sie zudem mal knapp, gar aphoristisch, dann satirisch, hernach in einer scharfen Abhandlung, zwischendrein poetisch verpackt, mal unterschwellig fein, mal laut und deftig, einesfalls gefühlig, in sehr einfachem Deutsch, anderenfalls mit Fremdwörtern gespickt, hie spröde, da etwas schwülstig, mit geschickten Rhythmuswechseln, die dann ab und an perfekt zu Synkopen geführt…

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Das Thema Redundanz hat mich offenkundig so senil gemacht bzw. wiederholt angegriffen, dass ich dazu heute (3. September) noch das Strategem Nr. 54 verfasste, dies hier völlig vergessen habend…

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3 Antworten zu “Vom zweiundvierzigsten Strategeme”

  1. Dude sagt:

    “Naheliegenderweise schonmal, dass Menschen genervt sein können”

    Darauf kannst Du Gift nehmen (Du weisst von welchen ich spreche)… ;-)

    PS. Wer das 41. zur Meisterschaft bringt, bedarf des 42. nicht mehr. :-)
    Pps. Ansonsten bleib ich bei voriger Empfehlung an den Admin. ;-)

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Dude

    Nein, das einundvierzigste Strategem zur Meisterschaft zu bringen, heißt nicht, dass man des zweiundvierzigsten nicht mehr bedürfe.
    So anspruchsvoll die richtige Anwendung des ersteren schon sein mag, stellt es, bei aller oben schon erwähnten Ähnlichkeit und teilweisen Überschneidung, doch noch sehr verschiedene notwendige, zumal technische Anforderungen an den Tätigen.
    Während nämlich das 41. vor allem Anforderungen dahingehend mit sich bringt, übertragen, analog zu denken, die Assoziationskraft fordert, bedarf das 42. – in der Regel, vergleichsweise – weit mehr der Versatilität im einzelnen, zumal der sprachlichen Kunst.
    Das 42. wird ja genau deshalb in seiner Schwierigkeit der richtigen Anwendung so sehr unterschätzt, weil es prinzipiell jedem bekannt; vom 41. wissen die meisten Menschen oberbewusst nicht einmal, wenden es allenfalls intuitiv an.
    Beide geschickt miteinander zu verbinden, also, dass sie geradezu verschmelzen, nicht noch leicht, selbst vom besten Herauskenner, ein Unterschied zu bemerken, kann natürlich gerade dann, wenn die Herausforderung am größten, der Königsweg sein.
    Ich habe mir durchaus genau überlegt, dies zum Behufe dieser Antwort nochmal getan, ob das 42. vom 41, eigentlich sinnvoll zu trennen sei; ich meine aber, siehe obige Darlegung, dass dies anliegt.

  3. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Dude (Nachtrag)

    ‘“Naheliegenderweise schonmal, dass Menschen genervt sein können”

    Darauf kannst Du Gift nehmen (Du weisst von welchen ich spreche)… ;-)’

    Dies zu betreuen, rauche ich zum Schreiben jetzt erstmal eine, nehme also tatsächlich Gift drauf.

    Selbstverständlich weiß ich, außer von einem gewissen Eidgenossen, auch noch von ein paar anderen Leuten, die von mir nicht selten genervt.

    Mir liegen aber jene – überdies, denn zu denen gehören auch meine Kinder – diesbezüglich auch besonders am Herzen, die ich gar nicht kenne, sozusagen als Gattung nerve.

    Grob gesagt sind es all jene, die hier nichts anderes zu lernen angetreten sind, als dass man auf dieser Welt Geldes brauche und zu jener erhabenen Erkenntnis noch eine jeweils persönlich dazu passende Religion.

    Die nerve ich mit Vergnügen.

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