Vom Scherbenzertreter (IV)

Ich habe, wie es so meine inkompetente Art, noch einmal nachgedacht.

Ich solle also Wattebäuschchen in die Luft werfen, für jene, die sie vielleicht auffangen mögen, während Drohnen bomben und Kinder verschnitten werden. Wo nicht, so sei ich ein Arger.

Da ich stets versuche, meinen guten Willen anzusetzen, habe ich den halben heutigen Tag damit verbracht, darüber nachzusinnen, ob die – vermutlich – hodenlose Heidi Klum recht daran tue, ihren Kindern fürs Saftaustrinken je einen Dollar zu bezahlen. Allein, ich merkte, dass ich einerseits zu wenig von Pädagogik verstehe, die Sache bewerten zu können, andererseits das Volumen ihrer Haushaltskasse nicht in Relation zu bringen weiß.

Auch dass irgendsoein Schauspielersimpel, dessen Namen mir obendrein gleich wieder entfallen, obschon werdender Vater und angeblich nicht schwul, George Clooney seine Verehrung dergestalt darbrachte, zu erklären, mit dem ginge er sogar ins Bett, vermochte mich nicht dahinzureißen, in einen berichtenswerten Applaus auszubrechen.

Noch nicht einmal der temporäre Golduntergang, den ich ja dem Weltuntergang voranzugehen hier prophezeite, oder der kleine, wohl computergenerierte, heutige DAX-Absturz, vermochten mich zu freudigen Oden zu verleiten.

Dass es eine neue Nazi-Partei geben solle, ist ein so alter Hut, dass ich nicht einmal meinen Fiffi, wofern ich einen hätte, deshalb von seiner Schlafdecke herabzitierte.

Ein anderer beschrieb die letzten Tage, welches Parfum am besten zu Angela Merkel passe. Auch dazu muss ich passen.

Immerhin hat Berthold Kohler von der FAZ wieder einmal eine ausgezeichnete Sprachglosse zum Thema Mitleiden geschrieben, aber selbst den habe ich schon so ausdrücklich gelobt, dass ich auch darin nicht übertreiben möchte.

Die Verharmlosung der pädophilen Einlassungen eines Cohn-Bendit durch ebenjenen unerschrockenen Menschenrechtskämpfer selbst als lediglich provokativ, dass mein Landesvater Kretzschmann seinen grünen Bruder in Schutz nimmt, während weder Frau Weisband noch den Piraten entscheidende neue Sottisen oder Abartigkeiten eingefallen, hat meine Möglichkeiten, hier zur Heiterkeit hinanzuschreiten, ebenfalls nicht befördert.

Nein, ich habe, außer gestern, und da fing ich mir schließlich auch noch eine Unterlassungsrüge meiner Wirtin ein, da ich zwei Thekenkameraden zur Schwulenehe riet und mich meistbietend dem einen oder anderen als Brautjungfer anbot, die letzten Tage keinen erhebenden Witz mehr gehört.

Also bleibt mir nichts anderes übrig, im Ganzen, denn herumzuranzen.

Bin Ladens Dildos sind immer noch nicht gefunden, und das halte ich denn schon für einen ziemlichen Skandal. Ob man die jetzt wohl bei Skull & Bones neben dem Schädel von Cochise aufgepflanzt hat? Schwanzbändel drumrum? Hat der Papst sie ersteigert?

Immerhin, der VfB tritt im Pokal gegen Freiburg auf einen unschuldigen Ball ein, dürfen wir uns heute eines schwäbisch-badensischen Trauerspieles sicher sein, wobei es mir, boshaft wie ich bin, da Stuttgarter, vom Spaße der hangenden Rüsel her besser gefiele, verlören jene, die hier – wenn sie, wie fast immer, büßen müssen – auch manchmal die Cannstatter Kickers genannt. (Wider die Breisgauer Böbbel einfahrend, wird es kommentatorisch keinerlei suebische Gnade geben. Selbst Julius Cäsar schlug, unseres Spottes nicht länger teilhaftig werden zu müssen, nur einmal einen Brucken über den Rhein, sich sehr schnelle wieder darüber zurückzuziehen.)

Hat mir einer ein Pfund Ritalin in den Hopfentee getan? Ich bin so merkwürdig aufmerksam. Das bin ich von mir gar nicht gewohnt. Sehr verdächtig.

Immerhin dürfte gleich mein älterer Sohn kommen – da schellt es schon – , der sich, wenigstens ein Plaisir, eine saftige Rüge verdient hat.

Die gilt es jetzt auszugeben. Spaß muss sein.

 

 

 

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3 Antworten zu “Vom Scherbenzertreter (IV)”

  1. Armin sagt:

    “Bin Ladens Dildos sind immer noch nicht gefunden, und das halte ich denn schon für einen ziemlichen Skandal. Ob man die jetzt wohl bei Skull & Bones neben dem Schädel von Cochise aufgepflanzt hat? Schwanzbändel drumrum? Hat der Papst sie ersteigert?”
    Sehr schön, konnte doch noch lachen heute ;.)

    Meinerseits haben mich die in den letzten Tagen medial hochgepushten Klickgeschichten durcheinandergebracht. Da ist diese Blondine aus CA, die als Teenidol mit Makeup-,Was-esse-ich-für-Mist-Tiraden, ja also mit nichtsagenden Videos, die sie jeden Mittwoch rauflädt, Milliarden Klicks bekommt und Preise absahnt, in NYT kommt und nach Eigenaussage “mehr Geld verdient, als sie je ausgeben kann” und dann es da der andere, der “am Meisten gehasste Mann der USA” ohne Schulbildung, der – nach Eigenaussage “fast eine Million hat” mit einem Blog, wo Nackbilder der Ex gegen ihren Willen gepostet werden. Beides medial gehypt… und ich Vollidiot wage mich nichtmal Werbung zu schalten und überhaupt… bin wohl einfach nicht zum Klickmillionär gebohren.

    Nein, ernsthaft. Diese Art von Geld und Ruhm irritiert. So Paris Hilton haft. Die Dekade der Selbstinzenierung. Manchmal denke ich , ich bin ein Ausserirdischer, dass ich das nicht kann. Oder (noch) Mensch? Jedenfalls stellen das die Meden so dar als, schau mal, so einfach ist das, sei frech, niveaulos, extrovertiert und inhaltslos genug, und es klappt. Der “am meisten gehasste Mann der USA” (Spiegel): “It’s all about money!”

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Armin

    Enddekadenz wie im alten Rom…

  3. Dude sagt:

    @Magnus

    Danke für’s Update – ich grinse noch immer bis über beide Ohren. ;-)

    @Armin

    Mensch. Definitiv!

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