Der mit dem Äh tanzt uuuuund…

Vor einigen Tagen erklärte ich einem Oberstufenschüler Sinn und Unsinn des “Äh”, worauf dieser, nachdem ich das legendäre Beispiel Edmund Stoiber ins Spiel gebracht hatte, der sich mit seinen 10-20% Ähs pro Satz schließlich wahrscheinlich die Kanzlerkandidatur versaute, den Spruch losließ: “Der mit dem Äh tanzt.”

Heute will ich mich zudem einem anderen Redeverlängerer (entweder, weil noch nicht überlegt wurde, was gesagt werden soll, oder, um nicht unterbrochen zu werden, oder beides) widmen: dem “Uuuuund”. (Selbstverständlich können sowohl das Äh als auch das Uuuuund auch rhetorisch gezielt eingesetzt werden, was aber die seltene Ausnahme bildet. Dazu unten mehr.)

Das Uuuuund hat (wie auch das eingestreute “nicht wahr”) zwar den Nachteil, dass es, gemessen am Äh (auch am englischen “you know”), nicht so häufig eingesetzt werden kann, ohne auffällig nervig zu werden, dafür aber signalisiert es noch deutlicher, dass der Sprechende noch etwas zu sagen habe, der Zuhörer also unhöflich wäre, hübe er jetzt selbst mit einer Entgegnung an. Zudem hat es etwas Unterstreichendes, Verstärkendes, mag es durch das betonte Setzen eines retardierenden Momentes dem Darauffolgenden zusätzliches Gewicht verleihen, so dass es, wenn nicht offenkundig aus Verlegenheit, sich nur an die Rede zu klammern, eingesetzt, aus dem Munde des geschickten Rhetors oder Spaßmachers (wie auch ein vorsätzliches Äh) durchaus auch ein sinnvolles stilistisches Mittel abgeben kann. Ähnlich, wie ein eingestreutes “ja nu” (hört sich fast an wie “you know”…), “naja” oder “hmmm”.

Grundsätzlich kann man bezüglich der Verwendung dieser Redeabtöner bzw. Redeverlängerer drei Sorten Sprecher unterscheiden. Nämlich jene, die gleich Edmundo gar keine bewusste Gewalt über die Sache hat, so dass das Äh mit dem Redner tanzt, eine zweite, deren Vertreter zwar diesbezüglich über keine wirklich bewusste, aber doch eine recht gut funktionierende intuitiv-automatische Kontrolle verfügen, schließlich die letztere jener, welche die Problematik im Griff haben, zumal in dem Sinne, dass sie, wenn ihnen doch einmal aus Versehen ein Äh oder ein Uuuuund usw. dazwischenrutscht, dies zuwenigst merken, so dass sie es in ihrer Diktion abzufangen vermögen und gewarnt sind, sich im weiteren am Riemen zu reißen.

Interessanterweise gibt es, was allerdings kaum verwunderlich, auch grob drei entsprechende Arten von Zuhörern. Jene, die, wird das Phänomen nicht edmundokrass unwillkürlich häufig oder einzeln sehr deutlich hervorgehoben, kaum bemerken, was in diesem Zusammenhange geschieht, die zweite, die nur vom Bauchhirn her etwas spürt, die dritte, die genau merkt, was läuft. Meist sind diese jeweiligen drei Sorten bzw. Arten ziemlich deckungsgleich – was ebenfalls kaum überraschend – , aber keineswegs immer. Fehler, Unfug bei anderen zu diagnostizieren, ist bekanntlich einfacher, als bei sich selbst.

Natürlich sind die als Sprecher wie Hörer Wacheren meist auch jene, die ihre eigene Rede flugs korrigieren, wenn sie einen grammatischen oder sonstigen Fehler bemerken, erstens, da sie ihn überhaupt bemerken, zweitens, da sie nicht davon ausgehen, der Rest bemerke ihn eh nicht bzw. er sei ihm egal, drittens, da sie sich nicht die Blöße geben wollen, einfach weiterzureden alswie ein halber Tor, wenn mal ein Satz oder eine Wendung abgestürzt. (Schließlich auch weil sie es zurecht für unhöflich, unanständig, wenn nicht gar verächtlich gegenüber dem Zuhörer halten, in einem solchen Falle einfach ungerührt weiterzureden.)

Und, um dieser kleinen, unvollständigen Betrachtung (eingestreute Floskeln bzw. Abtönungspartikeln – die natürlich auch semantisch vollwertig sein können – wie “im Grunde genommen” oder “sozusagen” u.v.m. teils ähnlicher Funktion sind hier ja nicht abgehandelt) das noch anzufügen, den Genderasten und politisch korrekten Neusprechern an dieser Stelle nicht zu ersparen, zumal es durchaus hierhergehört: Wer ständig im Geiste damit befasst ist, nur ja nicht aus Versehen lediglich Politiker oder Arbeiter oder Moderatoren zu sagen, stattdessen, wie er meint, undiskriminös Politikerinnen und Politiker usw., der hat, da sowieso schon, wenn er an den Sinn der Sache glaubt, etwas unterbelichtet, ansonsten, wo sich dem vermeintlichen oder tatsächlichen Zwange dahingehend beugend verschattet, sehr schnell Kapazitätsprobleme, sich auch noch um die Masse seiner Ähs zu kümmern.

Man kann schließlich nur einmal ausgeben, was man hat. Und wenn das schon wenig ist und überdies beschädigt, rächt sich Verschwendung auch in sprachlichen Dingen umso schlimmer.

 

 

— Anzeigen —


Tags:

Eine Antwort hinterlassen