Sammasamurti büßt den toten Kakerlak

(Vorsicht böser Witz. Bitte auch Erleuchtete kein Wort ernst nehmen.)

Ein Erleuchteter, sein wirklicher Name bleibe mal im Dunkeln, wir nennen ihn Sammasamurti, zertrat versehentlich einen Kakerlak. (Vielmehr hatte ein fürwitziger Jünger den Kakerlak heimlich so geschickt plaziert, dass es fast geschehen musste. Er wollte einfach sehen, ob das dem Meister passieren könne, was darauf folge.)

Der Erleuchtete, indem ihm noch die austretende Stinkbrüh am rechten Fuße herabtroff, erkannte sogleich, dass dies ein Zeichen dafür war, dass sich Unreines, ja ein Streif Dunkel, in seinen Geist geschlichen habe.

Das entstandene kosmische Ungleichgewicht, alswelches nichts weniger als jenes seiner Seele, musste, das war sonnenklar, zeitnah (dabei hasste er ja das Wort “Zeit” wie kein anderes) wieder in Ordnung gebracht werden.

So sann er (auch Sinnen war schon lange nicht mehr seins) denn auf Abhilfe.

Einfach den Fuß abschneiden?

Nein, das wäre zu einfach gewesen.

Er musste etwas der Schwere der Sache Angemessenes tun; da biss die Maus kein Faden ab.

Also bewarb er sich als Tschandale. Die Tschandalen wollten ihn aber gar nicht haben, denn er verriet sich durch seine Sprache als kein Unreiner, sie vertrieben ihn schließlich, schon mit Steinwürfen dräuend.

Also versuchte er sich als Strichjunge, angejahrten reichen Europäerinnen zu willen zu sein. Auch das ging erbärmlich schief. Nicht nur der weitaus jüngeren und knackigeren Wettbewerber halber, sondern auch, weil Gerda, die einzige Freierin, die er in zwei Wochen des Harrens ergatterte, seine hilflos-ungeübt angesetzten, lediglich versuchten Dienste als “unterirdisch” bezeichnete und ihn von zwei livrierten Dienern aus dem Hause jagen ließ.

So verdingte sich Sammasamurti denn als Spitzel des Bettlerkönigs von Mumbai. Der war zwar erst etwas misstrauisch, aber insgeheim doch mächtig stolz darauf, mal einen Brahmanen zu seinem Laufburschen machen zu können. Außerdem würde ihn keiner für einen seiner Leute halten.

Drei Monde lang ging die Sache gut. Sammasamurti lernte schnell. Gar mancher Bettler, der etwas abgezweigt hatte, wunderte sich, wie schnell er seine verdiente Strafe fand.

Doch dann brach Sammasamurti seine Barmherzigkeit beinahe im Wortsinne das Genack. Jedenfalls war er seinen Arbeitsplatz los und konnte froh sein, einigermaßen heile davonzukommen.

Er hatte sich verraten. Er hatte die Bettler unterschätzt und immer wieder gütige Worte an sie gerichtet. Das hatte sie misstrauisch gemacht, so dass man ihm heimlich folgte und ihn alsbald heraushatte. Er musste Hals über Kopf aus der Stadt flüchten, war unerwünschte Person.

Sein gesparter Sold langte noch für den Zug nach Delhi.

Dort gedachte er sich eine Stelle als Schreiber zu suchen. Am besten bei der Stadtverwaltung, die von Madras bis nach Kaschmir für lausige Bezahlung und Korruption bekannt war, so dass er, dachte er, sich nur nicht bestechen lassen musste, genug Buße für seinen Frevel zu tun.

Sie können sich denken, dass auch dies Unterfangen noch nicht günstig ausging.

Aber das, und wie Sammasamurti den toten Kakerlak schließlich doch wieder in sein kosmisches Recht setzte, wird ein andermal erzählt.

 

 

 

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