Von jenen und von diesen Bloggern

Literarisch gesehen eine Null, als Essayist gerade mal mittelmäßig, handwerklich schlampig wie die Sau, aber Zugriffe wie Bolle: Sie werden schon gemerkt haben, dass gerade ich nicht von mir rede.

Sondern von einem Großblogger. (Ich meine nicht den Augstein Junior.)

Er ist nicht dumm; er ist recht gut informiert; er ist umsichtig; er weiß, was er den Abrahamiten an Tribut schuldig.

Ich weiß einen anderen (das bin auch nicht ich), der unvergleichlich besser, mutiger, keinen Tag verstreichen lässt, an dem er nicht den Finger in die Wunden legt, seit Jahren, konsequent, mit wohl nicht einem Zehntel Leserschaft des anderen.

Der letztere Blogger bleibt (im Gegensatze zu mir) stets bei seinen Kernthemen, so wie ersterer auch; er ist handwerklich sehr sorgfältig, im Gegensatz zu jenem; er schreibt gut verständlich, wie jener auch, wenn man die Schlampereien in seinen Texten überliest: Wieso, dann, hat der eine, mal abgesehen davon, dass er eine besser positionierte Plattform hat, gemessen an dem, der viel schärfer, klarer, pointierter, besser schreibt, derart viel mehr Erfolg?

Ganz einfach: Er biedert sich an und gibt dem alternativen Pöbel (er gibt sich sehr alternativ), was der haben will. Ein bisschen Grandeur, dazu minde Grammatik und hinreichend Orthographie- und Interpunktionsfehler, so dass der sich in ihm wiedererkennt. Inzwischen denke ich, dass das sogar eine wohlkalkulierte Masche ist. Wahrscheinlich könnte er es nämlich mit nur geringer Mühe immerhin etwas besser. Er könnte sich, im Gegensatze zu jenem anderen, auch locker je Kurztext den Zehner für einen Billiglektoren leisten, der ihm wenigstens die dicksten Hunde rauszwickte. Das will er aber wohl gar nicht. Auf dass der Plebs ihm treu bleibe. Oder weshalb?

Deshalb traue ich dem keinen Meter über den Weg. Das mag für ihn irrelevant sein. Noch. (Ich hörte von ihm, er sei ein netter Kerl. Den anderen kenne ich, und ich weiß, so weit man das nur wissen kann, dass er echt ist.)

Wozu schreibt einer jeden Tag – unter Klarnamen! – ins Netz, wenn ihm doch zuwenigst in der Form offensichtlich herzlich egal, was er da reinverzapft?

Der ist kein Legastheniker. Damit kenne ich mich aus. Er ist bestenfalls ein Wursteniker. Aber keiner von der Sorte, der es egal ist, ob es an der Hauptschule nur eine Vier in Deutsch gibt. Die kenne ich auch.

Ich hörte von der “Verschwörungstheorie”, der Mann sei Freimaurer. Wundern täte mich das nicht. Er ist zwar, wie schon gesagt, nicht gerade ein Goethe, aber er gibt sich immerhin sehr tolerant. Moslems, die hier glasklar, für jeden, der nur einen Moment genau hinschaut, den Laden übernehmen wollen, gibt er gerne mal ein wohlwollendes, verständnisvolles Interview. (Er ist auch nicht jener Schweizer, der sich “Freeman” heißt.)

Es mag sein, dass er doch bloß ein bisschen dumm ist und das den Leuten so gefällt, weil sie sich darin erkennen. Es spricht aber allzuvieles dawider.

Ich werde seinen Namen auch zum Schlusse hin nicht nennen. Ich habe keine eindeutigen Beweise für ein bewusst böswilliges Vorgehen seinerseits. Wer ihn jedoch hieraus meint, identifizieren zu können, dem werde ich allerdings rein deskriptiv wohl keine schlechten Anhaltspunkte dafür geliefert haben.

Es geht mir hier auch nicht um diese eine Person; sie ist nur ein Beispiel; ein Beispiel dafür, wie im Netz gearbeitet wird, wie die Wahrnehmung und die Gewichte oft, wenn nicht meist, verteilt.

So; ich habe meinen Text jetzt nochmal durchgelesen; und so noch Fehler drin, so werde ich sie behalten, indem ich sie irgendwann später selber finde.

So ich will.

(Sehr wahrscheinlich, dass ich will.)

Nachtrag

Eben habe ich mir im Netz ein Interview mit dem Herrn angehört, in dem er in (vermutlich) freier Rede zehn Minuten beinahe fehlerlos einiges sehr Durchdachte sagte. (Merkwürdig, nicht?) Allerdings mit dem Ende, dass er aufgrund der Entwicklung der EU Deutschland den Rücken zu kehren längst vorbereitet und dies endgültig gen Übersee zu tun unter allen Umständen vorhabe. Geld dafür hat er masse. Auch dorten schon ein Grundstück. Nur noch keinen Einwanderungsschein. Pro Patria?

 

 

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