Mögliches Genie?

Gestern sprach ich mit einem jungen Manne, der schon herausbekommen, dass er nicht der Dümmste, über geistiges Potential, Wege dies zu erschließen, und gar die Möglichkeit des Genies.

Eine sehr heikle Sache. Einerseits ermutigen, andererseits höchsthängende Früchte nicht alswie vor der Nase plazieren.

Ich erzählte ein wenig von Mozart und Capablanca, die schon kindlich als Genies auffielen. Aber auch davon, dass dies sehr selten sei, manches Genie lange verkannt werde, gar an sich selbst verzweifle. Dass die meisten Genies erst durch sehr harte Arbeit zu ihrem Potential fänden. Davon, dass Cervantes erst in einem Alter, das damals ein Greisenalter war, den unvergleichlichen Quijote ersann.

Gleichzeitig fragte ich mich im Nebenhirne, wie viel man einem jungen Hochbegabten überhaupt davon erzählen dürfe, ihn in seiner Entwicklung nicht womöglich zu beschädigen. Es blieb, da das Thema einmal angeschnitten, nichts anderes, denn dazu mein Bauchhirn walten zu lassen. (Dessen Eiweiß- anstatt Fettanteil, wie ein guter Freund seit einiger Zeit spöttisch anmerkt, doch hoffentlich in letzter Zeit etwas angestiegen sei.)

Ich erklärte noch ein wenig von der Wortwurzel, davon, dass das Genie eben zu jener Leistung in der Lage sei, die vordem so nicht erahnt. Also recht Banales.

Ich merkte dabei aber, dass ich einen noch winzig kleinen Funken angefacht hatte. Ich weiß nicht, ob ich richtig daran tat. Ich wollte es, und ich wollte es nicht. Nicht wenige hat dieser, ins Lodern gebracht, verzehrt.

War es ein Fehler, so ist er gemacht. X wird ab jetzt sehr wahrscheinlich darüber nachdenken, ob er vielleicht doch das Potential zum Genie habe.

Dummerweise nämlich schloss ich das klariter zuwenigst nicht aus; und er hält mich recht wahrscheinlich nicht für dumm, für einen, der solches leichtfertig ausspricht.

Seine Auffassungsgabe ist in der Tat außergewöhnlich. Was hätte ich machen sollen, denn ihm gemäß ehrlicher Einschätzung zu sagen, dass er womöglich das Zeug zum Genie habe? Ihn anlügen, um ihn vor all den Unbilden, die meist mit der Entwicklung eines solchen einhergehen, zu schützen?  - Ich vermochte es nicht. Denn ich habe selten einen begabteren jungen Mann kennengelernt. Überdies allseits wissbegierig, freundlich, fröhlich und offen.

Ich warnte, mahnte zur Vorsicht. Man scheitere leicht, leichter als leicht sehr schwer; gleichwohl werde ich jenem Funken Luft zugeführt haben.

Es ist jetzt so. Man weiß in der Pädagogik allzuoft nicht, ob man es gerade richtig macht. Oft merkt man erst später, was man falsch gemacht, oder eben, auch wenn es zunächst nicht so aussah, eben doch richtig.

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