Justin nimmt doch ein glückliches Ende

Justin, den wir gestern kennenlernen durften, wie er mangels Gelegenheit, trotz Sattelschleppern voll Ritalin und ihn auch ansonsten perfekt vorbereitet habender Eltern und Psychiater, weder Lehrer noch diverse Mitschüler erschoss, erwarb schließlich in einem Spezialinternat das Einjährige. Seine Erzeuger waren zum ersten Mal, seit er von der Flasche war (abstillen hatte man ihn glücklicherweise nie müssen), richtig stolz auf ihn.

So sollte er denn, da es mit der Elite-Uni in England erstmal doch noch nichts ward, Versicherungskaufmann lernen. Also immerhin etwas Anständiges.

Sein Großonkel mütterlicherseits schaffte es, ihn aufgrund noch funktionierender alter Kontakte (er war Freimaurer in München; wo auch sonst?), ihn bei der Allianz unterzubringen. Zunächst schien alles gutzugehen. Bis dass die Sambatänzerin kam.

Die wollte eigentlich nur ihren Stringtanga versichern und nebenher noch ihren schwulen Freund gegen Arbeitsunfälle auf den Streetdays. Natürlich verliebte sich Justin unmäßig in sie. Er verfiel ihr regelrecht, schenkte ihr schon nach vier Wochen den BMW, den er zum Einundzwanzigsten bekommen hatte. (Den schwulen Freund, der so sehr in Not, hatte sie selbstverständlich nur erfunden. Der brasilianische Pass aber war immerhin echt. Manche Grazien verstehen ihr Handwerk diligent.)

Rein äußerlich schien Justin zu der Zeit so stabil wie nie. Er vertrug wegen all der Medikamente zum Glück keinen Alkohol, und er verachtete Drogen und alle, die welche nahmen. Die Adventistensekte, in der er sozial vor allem verkehrte, tat ihm sichtlich gut. Dann aber flog er wegen Mirandolinha endlich doch bei der Allianz raus, und sein Leben nahm zunächst einen ungünstigeren Verlauf.

Indes nicht lange. Nachdem Mirandolinha ihn abgeräumt hatte (manchmal sprach er davon, wie sie ihn auf den Olymp der Lust geführt habe, was ihm jeder zu glauben vorgab), stabilisierte sich Justin wieder in geraden Bahnen. Ein halbes Jahr Spezialklinik in Oberursel, lediglich übliche Dosen Haldol, und er war fast schon wieder ein ganzer Kerl.

Arbeitsfähig war er zwar noch nicht, aber der Großonkel hatte inzwischen einiges hinterlassen, so, dass er deshalb nicht aufs Hartzamt musste. Eine unbeschwerte Zeit begann. Mit Jesus unterhielt er sich inzwischen persönlich; Priester brauchte er nicht mehr dafür. Er nannte diese Zunft nur noch “die Christusaussauger”.

Mama und Papa kamen derweil in einem Autounfall um. Das schadete ihm ebensowenig wie die seinethalben arbeitslosen Pfaffen. Denn die Eltern hatten schließlich immer noch für England gespart. Auf der Beerdigung las er aus seinem ersten Gedichtband vor, jetzt schon stramme 24, des Titels “Lösungen”. Die kleine Trauergemeinde war gerührt, weil Justin sich nur selten versprach und insgesamt sehr gefasst zeigte. Alle hatten den Eindruck, dass der junge Mann sich endlich gefangen habe.

Doch bewarb er sich, denn sein Geltungsbedürfnis war nicht gering, auch wollte er aus seinem Leben endlich wirklich etwas machen, schon wenige Monate später bei der französischen Fremdenlegion. Dafür aber war er – keine Fürsprache der noch lebenden Freunde seines verblichenen Großonkels half desfalls – selbst körperlich nicht gerüstet. Man nahm ihn schlicht nicht. Die nächste kleinere Lebenskrise folgte also.

Da er sich auf seinen Eintritt in die Legion sehr akribisch vorbereitet hatte, begann er nun, seine Frustration war verständlich, privat Bomben zu bauen. Er wollte, nach dieser fiesen Schmach, Ahmadinedschad und Putin auf eigene Faust umlegen, es damit allen zeigen. Seine Beschaffungsaktivitäten blieben indes vom deutschen Verfassungsschutz nicht unbemerkt. Denn etwas naiv war Justin doch; nicht nur, dass er sich die Anleitungen über seinen privaten Rechner im Netz besorgt hatte; er zog auch den Kunstdünger in allzuwenig klandestiner Weise bei.

So standen denn eines Tages die Herren mit den Trenchcoats nicht nur vor der Türe, sondern gleich in der Bude.

Justin hatte aber, Geld war ja noch da, einen guten Anwalt. Der paukte ihn, eine schwierige Kindheit war unschwer nachzuweisen, beherzt, statt in den regulären Knast, in eine Geschlossene. Dort gewöhnte man ihn so gut ein, dass er sich daselbst heute noch wohlfühlt.

Justin ist jetzt endlich glücklich.

 

 

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3 Antworten zu “Justin nimmt doch ein glückliches Ende”

  1. Dude sagt:

    “Der paukte ihn, eine schwierige Kindheit war unschwer nachzuweisen, beherzt, statt in den regulären Knast, in eine Geschlossene. Dort gewöhnte man ihn so gut ein, dass er sich daselbst heute noch wohlfühlt.

    Justin ist jetzt endlich glücklich.”

    Und ich dachte, er verachtete Drogen?

    Was jetzt? ;-)

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Dude

    Er bekommt genug davon. Täglich. Immerzu. Von studierten Profis exakt dosiert. Man hat ihn bald endlich richtig fertig. Und das ist gut so. Im September wird er grüner, halblesbischer BundestagsabgeordneterIn, AusschussvorsitzenderIn für Familienpolitik, mit Dunstwagen. Wetten?

  3. Dude sagt:

    Na, ob er, wenn er noch wüsste, dass er ja eigentlich vehementer Drogenverächter, noch immer so glücklich wär?

    Jemand sollte es ihm flüstern. ;-)

    “grüner, halblesbischer BundestagsabgeordneterIn, AusschussvorsitzenderIn für Familienpolitik, mit Dunstwagen.”

    Der Lacher des Tages bis jetzt, danke! :-)

    Aber ich halte nur Wetten, bei denen ich auch Gewinnchancen habe, also sorry. ;-)

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