Keine schöne Geschichte (Lieber nicht lesen!)

Von der regulär käuflichen, eben nicht käuflichen Liebe schrieb ich erst gestern:

http://unzensiert.zeitgeist-online.de/2013/03/17/nie-gehurt-glaubt-keine/

Jetzt geht es um eine andere Variante der Sache.

Überall hier in Stuttgart – es ist in Düdo, Minga, Hamburch, Leiptsch und Kölle dasselbe – sehe ich die beruflich erfolgreichen Heteros zwischen 25 und 40, wie sie umeinander herumschleichen. Die meisten von ihnen wissen zwar, wie ihre Geschlechtsorgane funktionieren, probieren sie wohl auch noch angelegentlich zweisam daraufhin aus, ob’s rein technisch noch geht, aber Kinder machen sie damit keine. Sie haben geradezu panische Angst davor, dass ihnen irgendwann so ein gesellschaftlich wie finanziell ruinöses Blag entgegenpurzeln könnte. Die schlimmstmögliche soziale und berufliche Katastrophe.

Leben sie paarweis zusammen, die 3-Zimmerwohnung kost’ unterm Strich ‘nen Tausi, jeder bringt 2 bis drei Tausis heim, so können sie sich Urlaube in Dailond, der Dürgei, auf Bali, ja selbst in Mali leisten, wenn dort nicht gerade die französische Fremdenlegion Sonderfreizeit macht. Man kann jederzeit Essen gehen, sich in schicken Bars vergnügen, es reicht für alles bequem, außer noch den Privathubschrauber und die Jacht in Portofino. So weit hat man es dann meist doch noch nicht geschafft.

Das ist zwar ein bisschen ungerecht, aber verkraftbar. So neidisch ist man nicht veranlagt. Man versichert sich gegenseitig im Brusttone der Überzeugung, dass man das nun wirklich nicht brauche. Manchmal stimmt das sogar.

Aber es nagt. Man schafft wie ein Dubbel, und irgendein Sparkassendirektor oder gar Steinbrück macht zehnmal so viel Asche, obwohl der auch nicht mehr kann, als man selber. So gegen Ende Dreißig merkt man, dass man vielleicht nie zu einem derartig souveränen Abschakalen aufsteigen wird. Jetzt fängt es an, richtig zu nerven. Was man aber unter keinen Umständen zugeben wird. Jetzt erst recht nicht.

Frau fängt langsam an, räudig zu werden. Sie will jetzt doch ein Kind. Er ist zwar widerwillig, möchte sie aber nicht verlieren, versucht sein also sein Bestes. Nur: Was früher fast panisch befürchtet, die nunmehr herbeigesehnte Katastrophe, sie bleibt aus, gnadenlos absent.

Nach einem Jahr und vielen Gesprächen mit Freundinnen und Freunden, Streits gab es schon mehr als genug, rafft man sich endlich zu Ärzten und Psychotherapeuten auf. Die Ärzte sagen, dass biologisch alles in Ordnung sei, man solle Geduld haben. Die Psychotherapeuten freuen sich, dass sie sich mit ihrem sinnlosen Geschwätz eine goldene Nase verdienen können, kennen also kein Grüß Gott, rechnen ab, was das Zeug hält. Inzwischen ist er 42, sie 38. Manchmal will er schon gar nicht mehr, kriegt er schon gar nicht mehr recht einen hoch. Sie wird immer giftiger. Sie denkt schon lange daran, fremdzugehen, tut es schließlich auch. Er wird nie erfahren, dass sie von einem anderen schwanger ist. Denn sie besorgt es ihm noch ab und zu; frau ist ja nicht blöd.

Endlich kommt der Kevin, Justin oder die Kimberley oder Siddhartina. Oder auch nicht. Kommt er oder sie, vielleicht nichtmal per Kaiserschnitt, so wird das kleine Menschel gleich in die beste Krippe, dann in den besten Hort der Stadt verbracht. Schließlich soll das Kind es bei den besten Spezialisten am besten haben. Es lernt schon Englisch, bevor es auch nur drei zusammenhängende Sätze Deutsch kann. Es soll ja mal was werden aus ihm. Man weiß genau, was für es richtig ist. Es wird ein gutes Abi machen, ohne Latein natürlich, denn das braucht kein Mensch mehr, und man spart schon für das MBA-Studium in England. Dort, wo die reichen Araber und Inder ihre Kinder hinschicken. Es soll ja auch die Partie stimmen.

Da inzwischen jedes Kind aufs Gymnasium darf, wenn die Eltern das wollen, klappt es erstmal mit der Oberschule. In der Sechsten aber gerät alles auf die schiefe Bahn. Justin ist jetzt fast Zwölf, und ADHS wird diagnostizert. Dass er vielleicht nicht gymnasialtauglich sein könne, nicht einmal an einem heutigen Halbgymnasium, ist natürlich auszuschließen. Er bekommt also tonnenweise Ritalin, und dreimal die Woche Nachhilfe. Er muss trotzdem wiederholen, nichts bessert sich. Mama hat inzwischen einen Suizidversuch simuliert und ist ebenfalls dauerhaft in Behandlung. Er hat angefangen, heimlich zu trinken, was sie selbstverständlich merkt, aber sie sagt lieber nichts dazu. Sex hat man noch alle drei Wochen, denn Familie muss ja irgendwie gelebt werden.

Den tragischen Schluss der Geschichte erzähle ich jetzt nicht. Das verbietet mir meine schwäbische Pietät. Immerhin ist Justins Papa kein Jäger, so dass Justin nicht an Schusswaffen herankommt. Die Sache endet also nicht in einem Massaker, bei dem zuerst Justins Klassenlehrer draufgeht, dann Sandra, Aische und Pjotr.

 

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9 Antworten zu “Keine schöne Geschichte (Lieber nicht lesen!)”

  1. Anonymus sagt:

    Sia haben noch einen Aspekt vergessen Herr Göller, man muss ja schliesslich den Nachbarn zeigen, dass Abitur “kleine Fische” ist, obwohl beide Eltern keines haben!

    Ich glaube, und das ist jetzt ein Glaubenssatz, wenn ich auf dem Finanzamt, Abteilung Lohn- und Einkommensteuer arbeiten würde, könnte ich wahrscheinlich berichten, dass von den obersten 10 %, die das meiste Geld bekommen (ich schreibe absichtlich nicht verdienen) noch nicht die Hälfte Abitur hat und irgend etwas studiert hat.

    Ich habe hier in der Schweiz mal so eine tolle Geschichte gehört, zwei Ehepaare betreiben einen Kiosk an zugegebener Massen erstklassiger Geschäftslage und machen einen Jahresumsatz von 2 Mio Franken ! Zugegeben, die waren fleissig, aber dafür muss man nicht mehr als Lesen und Schreiben und das kleine Einmaleins gelernt haben.

  2. Thomas sagt:

    (Lieber auch nicht lesen)
    Naja… ein Brotmesser macht auch Einiges her. Ein knapper Meter Seil bringt auch schon was. Im bewegten KFZ steckt auch jede Menge kinetischer Wumms… Einwegflaschen sind billig, Benzin in den benötigten Mengen auch…

    Wer auch nur halbwegs kreativ ist und WILL, der findet immer einen Weg -auch um Viele zu erwischen.

    Wer bringt der Masse mal wieder Vernunft und Verantwortung bei? Und wie? Oder besser: Warum macht das keiner?

  3. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Thomas

    Ja, Thomas, zum Glück haben die meisten gewöhnlichen Irren ebensowenig Verstand wie Phantasie. Selbst mit mehreren modernen Kurzwummen mt 32-Schuss-Magazinen ausgerüstet, schafft es von den Idioten seltenst einer über 20 Tote.
    In der Tat habe ich den obigen Text nicht zum Vergnügen geschrieben; weder zu meinem, noch zu jenem derer, die ihn trotz Warnung lesen.
    “Wer bringt der Masse mal wieder Vernunft und Verantwortung bei? Und wie? Oder besser: Warum macht das keiner?”
    Ich versuche es immerhin. Zu dem Behufe verfasse ich auch mal so wenig Erbauliches. Das mag mir nicht viele Sympathien einbringen. Manche begreifen aber erst etwas, wenn sie sich in einer Geschichte wenigstens teilweise wiedererkennen. Sowas mag nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein. Aber immerhin. Eis sprengt Steine. Auch durch Wasser gequollenes Holz. Ich habe schon 10-Tonnen-Brocken (ja, die Bohrlöcher mit dem Kompressor angelegt; da hätte es vor dreitausend Jahren etwas länger gedauert; es funktionierte aber auch damals schon) mittels Keilen und lediglich einem gut geführten Fäustel sauber gespalten. Der Mensch weiß einfach nicht mehr, was alles geht, wenn man es richtig anfängt.

  4. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Anonymus

    Mit 10% Umsatzrendite macht das Ehepaar, wahrscheinlich schuftend wie irr, grade mal 200 000 Fränkli, also jeder 100 000 im Jahr. Dafür muss unser Möchtegern-Oberkavallerist Steinbrück grade mal ein paar Stunden sinnlose Scheiße herauslabern. Da sieht man die Relationen. (Was hat dieser andere Bilderberger, einer von Euren, dieser Vasella, eingesackt? Daran gemessen wird dann auch wieder der Peer zu einem Wicht am leeren Meer.)

  5. Dude sagt:

    @Magnus

    Wann kommt das Drehbuch als Tatort-Folge raus?
    Wär mal ne Premiere, dass der Dude Tatort schaut! ;-)

    72 Millionen glaub @Vasella, aber alles in allem gesehen, also seit er der Dämonengilde des Drecks-Novartis-Konzerns vorstand, warens bestimmt schon hunderte…

    Aber jetzt haut er ja angeblich ab. Hab neulich ne Schlagzeile gesehen.

    @Thomas

    “Wer bringt der Masse mal wieder Vernunft und Verantwortung bei? Und wie? Oder besser: Warum macht das keiner?”

    Die Masse interessiert sich, systematisch bedingt, leider noch allzu selten für Vernunft und Verantwortung, aber womöglich ändert sich da ja mal noch…

    Es gibt aber einige die versuchen das zu ändern, und auch ich gebe mein Bestes mit dem Beibringen; hier z.B.: https://dudeweblog.wordpress.com/

  6. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Dude

    Scheint zunächst mal keine schlechte Idee, da ein Krimi-Drehbuch draus zu machen. Das verfilmte Ergebnis wollte sich aber wohl niemand anschauen. Die Geschichte wäre sowohl zu alltäglich als auch zu traurig. So viel Realismus mag man in unserem Zwangsbezahlfernsehen zudem nicht haben.

  7. [...] den wir gestern kennenlernen durften, wie er mangels Gelegenheit, trotz Sattelschleppern voll Ritalin und ihn auch ansonsten [...]

  8. dä pief sagt:

    liebe leser und schreiber,
    ich versteh weder die geschichte des autoren hr. göller, noch die kommentare. gilt der mensch ohne abitur weniger? haben die erwähnten kioskbetreiber (die angeblich bestimmt kein abitur haben, nicht mal lesen und schreiben können) das geld unredlich verdient. ist die heutige generation endgültig versaut und verantwortungs- sowie respektlos.

    “die jugend liebt heutzutage den luxus. sie hat schlechte manieren, verachtet die autorität, hat keinen respekt vor älteren leuten und schwatzt, wo sie arbeiten sollte. die jungen stehen nicht mehr auf, wenn ältere das zimmer betreten. sie wiederdprechen ihren eltern, schwadronieren in ihrer gesellschaft, verschlingen bei tisch die süßspeisen, legen die beine übereinander und tyrannisieren ihre lehrer.”

    das wird einem gewissen sokrates zugesprochen (lebte um 469 – 399 v. chr.)
    ich sehe nur neid und missgunst im artikel des autoren und den kommentaren, keine spur eigener verantwortung für die gesellschaft und abneigung gegen und ausgrenzung der “unterschicht”.
    weiterhin werden gleichzeitig die superreichen erwähnt. keine spur neid gegenüber einem ackermann oder rockefeller oder so hege ich, denn eines versteh ich an deren lebensentwurf nicht:

    am ende des schachspiels kommen doch bauer und könig wieder in die selbe kiste.

  9. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ dä pief

    Ich verstehe, obschon ich, wenn auch widerwillig, durchgängige Kleinschreibung zu lesen in der Lage, Ihren Beitrag im Zusammenhang nicht.

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