Von der Dritten Art im Weltnetz

Im Weltnetz gibt es grob drei Arten Schreibende.

Die erste bleibt einfach anonym.

Die zweite zeigt Name und Gesicht, verrät aber kein oder kaum wirklich Inneres.

Die dritte zeigt sich ohne Visier.

Alle drei haben ihre Berechtigung, ihre Gründe.

Zweifellos stellt sich die dritte Art ins größte Risiko. Die ganze Welt kann jederzeit aufrufen, wie es um jenen bestellt. Er ist zunächst, auf den ersten Blick, schutzlos.

Können jene der ersten Art noch mit Fug darauf rechnen, dass nur CIA, Mossad, BKA usw. leichthin um ihre jeweilige Einzelidentität zu wissen vermögen, jene der zweiten, dass sie nur ein äußeres Leben preisgeben, so folgt die dritte dem nietzscheanischen Prinzip.

Sieh da, ein Mensch!

Ich meine, dass wir mehr der dritten Art bedürfen. Und zwar nicht, schäbigerweise, weil ich zu dieser gehöre.

Abgehört und überwacht, in seinen Aktivitäten gespeichert, wird im Weltnetz ohnehin jeder.

Betrachten wir nun einmal die morphogenetische, massenpsychologische Wirkung der drei Arten Schreibender.

Erstere sind Irgendwers. Ein sinistrer Geruch, einer der Feigheit, Unzuordenbares haftet ihnen und ihren Aussagen stets an.

Zweitere bauen, zwar nicht immer, aber oft, eine Art Kult um sich auf; jedenfalls, wenn sie es ansonsten wagen, des weniger bis ganz Unerwünschten etwas zu sagen. Man traut ihnen aus gutem Grunde heraus auch nicht recht.

Drittere machen sich zunächst lächerlich, zu Simpeln, Träumern, Idioten. Andererseits aber sind sie jederzeit überprüfbar echt. Verschwörungstheorien wider sie zu spinnen, fällt zumindest nicht leicht. Sie zeigen, dass es noch Mut gibt. Ich. Dass nicht über allen die Angst herrscht.

Sie bilden also die Avantgarde.

Was nützt all das gelegentliche Demonstrieren – “Occupy”: War da was? – , wenn kaum ein Mensch es mehr wagt, allein, selbst, offen Mensch zu sein? Wer ist da noch echt?

Die Echtheit, Offenheit, Ehrlichkeit ist der Schlüssel, das entscheidende Mittel wider das Obskurantentum der Geldabschakale und Terroristen- und Kriegszüchter.

Die wissen das ganz genau. Deshalb machen sie jedem Angst davor. So effektiv, bislang, dass kaum einer hören will, was ich sage.

Ecce homo!

Davor fürchten sie sich am meisten, jene Abluminaten.

Wovor auch sonst.

Und lachen mich von sechshundertsechsundsechzig Milliarden Menschen alle dreihundertdreiunddreißigmal dafür aus: Ich weiß das.

Klarer als die Sonne.

 

 

 

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6 Antworten zu “Von der Dritten Art im Weltnetz”

  1. Thomas sagt:

    Schön geschrieben. Und wahr. Weitermachen.

  2. Dude sagt:

    Du hast noch eine Kategorie vergessen.

    Der vierte ist tunlichst Bedacht auf Anonymität, damit er sich, ohne dabei allzuviele sinnlose Risiken einzugehen, offen und transparent hinstellen kann, um Interessierten zu zeigen wer er ist, was er tut, was nicht, und weshalb.

  3. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Dude

    Es gibt diese vierte von Dir beschriebene Kategorie nicht. Du magst sie postulieren. Sie ist aber eine Illusion. Sie gehört zur ersten.

  4. Dude sagt:

    @Magnus

    Ich Selbst bin der lebendige BEWEIS, dass es sie gibt. Da kannst Du noch so lange das Gegenteil behaupten. ;-)

  5. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Dude

    Nein. Du bist nur eine etwas beachtlichere Variante der ersten Kategorie. Das mag Dir nicht schmecken, aber es ist so. Unbekannten traut man nicht. Das ist menschlich, und es ist auch richtig so.

  6. Dude sagt:

    Magnus, glaub mir, Du täuschst Dich hierbei. Es gibt diese vierte Kategorie, und auch wenn sie sehr sehr selten ist, bin ich wohl dennoch nicht der einzige Beweis, obwohl ich neben mir niemanden sonst kenne, der ihr angehört.

    Ich hüte mich aber davor, Dir genaue Erklärungen dazu Online mitzuteilen, und warte, bis ich’s dann Aug in Aug übermitteln kann. Ist ja nicht mehr allzu lang.

    Einer der vielen Gründe geht aber: Nur weil man unter Pseudonym auftritt, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass man anonym ist!

    Es ist aber insgesamt noch viel komplexer.

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