“Peinliche Romantik” (meine Schreibe)

Vor einigen Tagen hagelte es – lachende – Kritik von einem guten Freunde, der weit entfernt wohnt, so dass ich ihn selten sehe, am Telefon.

Er habe sich mal wieder meine Seite angeschaut, und, ganz abgesehen von der Themenauswahl, die ihn nun wirklich nicht sonderlich anspreche, ätzte er über meinen Sprachstil.

Der sei ja heillos romantisch; alles lese sich so, wie als ob ich zweihundert Jahre zurückwolle; das sei schon etwas lächerlich; ob ich mich denn etwa wirklich in eine Zeit zurücksehne, in der man in irgendwelchen engen Katen, wofern man überhaupt Heizmaterial hatte, also nicht erfror, am Qualm erstickte, wenn man nicht, ganz normal, schon verhungert, an irgendwelchen üblen Krankheiten leidend, verschimmelnd, Lebenserwartung dreißig. Bloß, weil das mit dem Kutschefahren so idyllisch sei, an hellen rauschenden Bächlein durch Wiesengründe an Narziss und Goldmund und Taugenichtsen vorbei. (Er ist ein begnadeter Spötter; ich habe nur ein bisschen dazugedichtet.)

Das sei doch total Scheiße gewesen damals; er kenne mich ja ansonsten als einen, der nicht nur spinne, normalerweise einigermaßen bei Trost sei: was das denn solle?

Ich sagte ihm, dass ich selbstverständlich nicht dahin zurückwolle, wo ich wahrscheinlich bald schon zwanzig Jahre tot wäre, widersprach ihm allerdings dahingehend nicht – das wäre auch töricht gewesen – , dass meine Prosa zwar nicht ausschließlich, doch häufig etwas altmodisch, an der deutschen Klassik orientiert, daherkomme; und zwar ganz absichtlich und bewusst; – “Was willst du denn damit, was hat dich denn gebissen?” – : endlich kam ich dazu, meine Motivation hierfür zu erklären.

Es gehe mir um sprachliche Ästhetik, darum, die Möglichkeiten der deutschen Sprache auszuschöpfen, zu zeigen, dass diese älteren Schichten durchaus auch heute noch Sinn und Berechtigung haben können, gerade dann, wenn es um den Ausdruck von Gefühl, um die Beschreibung von Schönem gehe, aber beileibe nicht nur dann.

Ich meine, dass derlei unter anderem auch in Geschichten und Satiren nicht abträglich sein muss, was nachzuschieben aber zu vertagen war, da ich wegen eines zu behebenden Rechnerproblems an meinen Großen in die Nachpostmoderne abgeben musste.

Immerhin: Jetzt ist es hier mal grob erklärt, weshalb ich mitunter so unerträglich aus der Zeit gefallen schwärme und schwurbele.

 

 

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