Eine Philosophin ist schon da

Es ist hier nicht meins zu beurteilen, wie viel ich als Philosoph tauge. Ich maße mir aber an, sagen zu können, dass es im deutschen Sprachraume mindestens eine veritable Philosophin gibt. Denn es ist wenig wahrscheinlich, dass Leserin Lisa mich so lange genarrt hat und in Wirklichkeit doch ein Mann.

Ja, Lisa, damit musst Du nun leben, ich auch, wer weiß, wer mich darob auslacht, dass ich dies jetzt äußere. Ich schriebe es aber nicht hierhin, wäre ich mir nicht sehr sicher, dass Du das verkraftest. Und nicht als Schmeichelei nimmst. Es ist keine. Es geht um anderes. Auch nicht nur um das, was im nächsten Satze steht, die meisten einigermaßen leicht erfassen werden.

Für mich persönlich ist Dein Wirken eine Befreiung. Nicht nur, da meine Frau auch nicht eben die Dümmste war, nervte mich schon jahrelang das Geschwätz anderer Männer, Frauen seien zur Philosophie nicht tauglich, einfach nicht dafür angelegt. Ich vermochte nie einen vernünftigen, gar zwingenden Grund dafür zu erkennen.

Wieso sollte eine Frau nicht in die Tiefe denken können, wollen?

Und sei es selten (wie häufig ist das denn bei Männern?), warum nicht?

Das ist wie als ob man sagte, Männer hätten generell nicht viel für Kinder übrig.

Wer diese Seite kennt, weiß, dass ich jede Geschlechtergleichmacherei hart ablehne. Sie ist für mich menschenverachtend, gehört zum Letzten, das ich noch bekämpfen werde, solange ich stehe.

Die Liebe zur Weisheit aber als männlich zu definieren, überdies die Fähigkeit zum Ausdrucke derselben, das mag man mir als Halbwüchsigem vielleicht noch halbwegs einsingen haben können, so dass ich es nachplapperte: aber schon lange nicht mehr.

Und hier geht es mir, wohlgemerkt, nicht um “Medium”, “Heilerin”, “Hexe”, noch gar, was manche unter “Weise Frau” fassen; nein! – ich sage: Philosophin!

Muss ich den Unterschied noch erklären?

Wahrscheinlich. Also muss ich mich dem Definitionshandwerke doch noch etwas widmen.

Es geht um die ernsthafte geistige Beschäftigung mit grundlegenden Fragestellungen und sodann um die Ausbildung der Fähigkeit, dazu gewonnene Erkenntnisse intelligibel zu fassen und darzulegen. Sich dessen gerne, mit Herzblut wie mit Verstand, zu unterfangen. Einen wesentlichen Teil des eigenen erfüllten Lebens darin zu sehen. Sich selbst wie letztlich der Menschheit im Sinne der Erkenntnis weiterzuhelfen beharrlich zu trachten nicht als eitel zu erachten.

Ich erwähnte hier verschiedentlich der Sprachwissenschaft als der Königin der Wissenschaften. Die Philosophie aber ist die Leibesfrucht der Königin.

Ich war mit Lisa oft nicht einer Meinung. Und manchmal auch recht grundsätzlich. Sie hat aber immer wieder die Größe gezeigt, die man Frauen nicht selten zurecht abspricht, mir auch scharfe Widerrede nicht übelzunehmen. Nochmal ruhig zu insistieren, ihren Standpunkt verdeutlicht darzulegen. Kein Jahrmarkt der Eitelkeiten.

Manchmal nur kurze Sätze, ohne weitere Erklärung, zwar nicht in jedem Kontexte richtig, aber da, wozu geredet, auf den Punkt. Ein seltener Grad an Reflexion, an sprachlicher Präzision. Ja, so, dass ich mir derlei auch häufiger von Männern wünschte. Die aber allzuoft vom Mute und dem Beisichsein und damit dem Verstande und also auch dem klaren, treffenden Ausdrucke verlassen.

Genug der Rede.

Freude.

 

 

 

 

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7 Antworten zu “Eine Philosophin ist schon da”

  1. Dude sagt:

    Dem kann ich nur zustimmen, mal davon abgesehen, dass ich die spirituelle Philosophie als die Königin erachte, wobei indes die Sprachwissenschaft ihre stets wohlwollende rechte Hand ist.

    Denn die Sprachwissenschaft ist ‘nur’ das Transportmittel der Königin, ohne welches, selbige ziemich verloren dastünde innerhalb des multidimensionalen Quantencomputers. ;-)

    Lisa ist eine MeisterphilosophIN mit spirituellem Hintergrund auf höchsten Ebenen.

    Eine sich Selbst gebliebene Weise im klaren Bewusstsein um die Quintessenz des Seins und Lebens. :-)

    @Lisa

    Wird glaub’ mal Zeit, dass Du Dich bei Magnus meldest.

    ;-)

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Dude

    Ich sehe die Sprachwissenschaft (PhiloLOGIE) weiterhin als Königin der Wissenschaften.

    Dichtkunst heißt Dichtkunst und nicht Dichtwissenschaft, da sie keine Wissenschaft, sondern eine Kunst.

    Und die Philosophie, die Liebe der Weisheit, ist gleichfalls keine Wissenschaft, sondern eine Kunst.

    So ist denn “Also sprach Zarathustra”, das Werk, in dem diese beiden Künste eine Einheit bilden wie in keinem mir bekannten anderen, eben auch kein sprachwissenschaftliches.

    Was allerdings “spirituelle Philosophie” sei, außer einer fragwürdigen Tautologie, musst Du mir erstmal erklären.

    Wie sollte geistlose Philosophie denn Philosophie sein?

    Oder habe ich “spirituell” mit “geistig” falsch übersetzt?

    Das erläutere man mir dann bitte philologisch.

    (Ich weiß zwar, dass “spirituell” bei vielen Leuten mehr Eindruck macht als “geistig”; bei mir aber nicht; auch weiß ich nicht, weshalb ich doppelt so viele Silben auf ein Fremdwort verblasen müsste, wenn es für das zu Bezeichnende ein deutsches gibt. Allerdings, das ist einzugestehen, hat man es tatsächlich geschafft, dass “spirituell”, obschon oder gerade weil es im Deutschen kein vernünftiges Nomen dazu gibt – “Spiritus” ist Ethanol mit Gällstoff – , wie “Geist” zu “geistig”, für viele eine etwas andere Konnotation erlangt hat, eine erhabenere, heiligere als “geistig”. Das ist zwar ein Riesenunfug, aber deshalb schwirrt und schwurbelt das Wort überall herum. Es mag als Synonym durchaus zur Abwechslung mal seinen Platz haben; sehr häufig aber, wenn nicht meist, ist es ein Backenaufblaswort, besonders beliebt bei Esoterikern und Scharlatanen, die damit Eindruck zu schinden trachten, wenn nicht so schnell wie möglich an die Penunze, zu Deutsch, einsilbig, ans Geld der Leute.)

  3. Lisa sagt:

    Nein, kein Gelächter. Ich bin wirklich eine Frau. Aber ist es wirklich so selten, dass auch Frauen denken wollen? Vimala Thakar z.B. hat sehr interessante Dinge geschrieben, wie “Das Erwachen zur totalen Revolution”

    http://globalresonance.net/passage.cfm?psg=100149

    Ich würde mich nicht als Philosophin im klassischen Sinn bezeichnen. Dazu fehlt es mir an Gelehrtheit. Was ich will ist, das Esoterische mit dem Exoterischen verbinden und das nicht in irgendwelchen mystischen Begriffen, sondern in klaren Worten. Manchmal gelingt es mir, manchmal auch nicht…

  4. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Lisa

    “Ich würde mich nicht als Philosophin im klassischen Sinn bezeichnen. Dazu fehlt es mir an Gelehrtheit.”

    Nun, inalsoweit ich mich selbst als Philosoph sehe, dann, ob mangelnder Gelehrtheit, auch nicht als einer im klassischen Sinne. So habe ich weder Aristoteles noch Kant noch Hegel eingehend studiert, verschiedene andere “Große” auch nicht. Geschweige denn die sogenannte Frankfurter Schule…

    Unter “Fachleuten” wäre ich also bald als ein Möchtergern, ein Schwätzer, entlarvt, der viele der wichtigsten Werke nicht gelesen hat.

    Das juckt mich aber nicht die Bohne. Denn, ohne mich hier in Vergleich setzen zu wollen: Konfuzius hatte die Werke der drei Genannten mit Sicherheit auch nicht gelesen, und es fiel ihm trotzdem einiges Brauchbare ein.

    Ein Freund, der an der wohl renommiertesten Philosophie-Fakultät Deutschlands studiert hatte, erklärte mir mal, dort sei Nietzsche – dem man ja nun mangelnde Gelehrtheit wahrlich nicht vorwerfen kann – gar nicht als ein richtiger Philosoph anerkannt gewesen, so, wie etwa A. und K. und H.

    Wieso? – Weil Nietzsche zwar alles Mögliche losge- , aber kein systematisch geschlossenes Werk hinterlassen habe.

    Geht’s noch dümmer?

    Da war mir nochmal umso klarer, dass ich gut daran getan hatte, Sprach- und Literaturwissenschaft zu studieren, anstatt mich mit derlei impotenten Eierköpfen herumzuschlagen, deren meiste es in ihrem ganzen Leben noch nicht einmal auf eine handvoll guter eigener Aphorismen bringen. Mit denen hätte es nur Ärger gegeben, bis dass sie mich rausgeschmissen hätten oder ich freiwillig Leine gezogen. (Nietzsche meinte einmal, er misstraue grundsätzlich allen Systematikern, hehe.)

    Mit Deinem Konzept, möglichst einfache, klare Worte zu benutzen, wärest Du denen sicherlich auch nicht günstig aufgefallen. Bei einem Verweis darauf – nehmen wir nochmal das Beispiel, wenigstens den kenne ich etwas genauer – Konfuzius habe sich auch nicht sonderlich kompliziert ausgedrückt, stets größtmögliche Einfachheit und Klarheit gesucht, wäre Dir etwa entgegengeschollen: “Oh, Madame Konfuzia halten sich anscheinend für Hermesina Trismegista!”

    Kurze Ergänzung noch. Ich schreibe hier ja auch gelegentlich über sprachwissenschaftliche Themen. Und zwar, denke ich, so, dass auch ein interessierter Laie mit mittlerer Schulbildung verstehen kann, was ich sage, allenfalls hie und da mal ein Fremdwort nachschlagen muss. Deshalb sind die entsprechenden Texte keineswegs unbedingt gehaltlos bzw. irrelevant. (Gelingt natürlich auch mal besser, mal weniger gut; mal ist der Inhalt gewichtiger, mal weniger.)

    Immerhin, meine ich, hast Du Dich nicht dummstudiert, lieber eigenständiges Denken gelernt; und ich maße mir an, dies auch auch von mir zu behaupten.

    Dabei gehe ich – dreht es sich nicht um Aphorismen oder Gleichnisse – in aller Regel “verkopfter”, theoretischer an die Dinge heran, als Du. (Habe ich vielleicht, ach, doch zuviel studiert?)

    So oder so: Jeder muss den Stil entwickeln, der zu seinem Wesen, seinen Sichtweisen und ihm wichtigen Inhalten passt, zu dem, was er rüberbringen will.

  5. [...] Begriff “dummstudiert” kam heute anlässlich eines Kommentares wieder auf, nachdem er in diesem Artikel schon recht grundlegend gewesen [...]

  6. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Lisa

    Ich importiere mal beispielhaft hierher, was Du vorhin zu “Von der Weisheit” einstelltest:

    ‘Ich gehe davon aus, dass ein “Weiser” seine Gedanken und Gefühle beherrscht. Ohne diese Beherrschung wäre er nicht weise. Auch ist die “Weitergabe” sekundär. Er (oder sie natürlich) kann ein (leuchtendes) Beispiel sein und wer will, kann das übernehmen oder davon inspiriert werden. Mehr kann man eigentlich nicht tun.

    Auch gehe ich davon aus, dass Alles subjektiv ist. Nur wird ein weiser Mensch “all inclusive” sein – er ist das Ganze. Er schließt alles ein, ohne Verurteilung (sozusagen der Beobachter), wird aber nur das wählen, was ihm gefällt. Kinder sind, bevor sie “sozialisiert” werden, sehr weise…

    Erleuchtung wäre dann vielleicht ein Zustand, in dem nichts mehr “getan” werden muss, da alles geklärt ist, eben er-leuchtet. Man ist.’

    Ja, eine Philosophin ist schon da.

    Darin habe ich mich nicht getäuscht.

    Manches von Dir erschien mir, des radikalen Subjektivismus’ halber, zunächst bis hin zu einer vermeintlichen Kälte abgeklärt. Das ging einmal so weit, dass ich Dich gar recht ranzig fragte, ob denn Kinder in Deinem Kosmos überhaupt vorkämen.

    Inzwischen versuche ich nicht nur gedanklich, sondern auch sprachlich von Dir zu lernen.

    Ich schwatze, expliziere manchmal zu viel. Jedenfalls, wenn es um so grundlegende geistige Dinge geht. Das ist nicht weise.

    Vielleicht ein Stück weit ein Lehrer-Syndrom.

    Allerdings versuche ich – von den Wenigen, die hier vergleichsweise lesen – nachvollziehbarermaßen möglichst viele zu erreichen. Zudem liegt es mit Kommentaren etwas anders, denn wenn man einen eigenständigen Artikel verfasst.

    Trotzdem überdenke ich meine Vorgehensweise. Denn es mag nicht selten “weiser” sein, dem Leser von vornherein mehr Freiraum zum eigenständigen Denken zu lassen. Einfach und richtig reden, ohne Drum und Dran. Ohne Gedöns. (Das “ohne Gedöns” war jetzt vielleicht schon wieder zu viel. Ich lasse es aber mal stehen. Redundanzprinzip. Lehrer halt. Alles dreimal sagen.)

    Gut oder schlecht: Ich bin dahingehend noch gespalten. Unschlüssig. Immerhin aber ist das Problembewusstsein bereits nochmals geschärft.

    Es ist grundsätzlich kein Fehler, Dinge, Sichtweisen zu erklären. Doch wann, wem, wie, wozu?

    Es geht um das Maß. Darum, was man will.

    Und doch: Es geht mir auch um das Mitnehmen. Noch auch ähnlich wie bisher.

    Mit Sicherheit werde ich aber meine Art zu schreiben wenigstens teilweise verändern.

  7. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Lisa

    (Nachtrag)

    Ich habe soeben gemerkt, in der Nachreflexion, dass ich selber auch immer noch in der Frauen-können-keine-Philosophie-Denke verhaftet (war).

    Denn ich wunderte mich, zunächst unbewusst, was das bedeute, wie denn eine Frau eine derartige Wirkung auf mein Denken haben könne, die ich noch nicht einmal persönlich kenne. (So, dass sie mir vielleicht mit anderen als nur sprachlichen Mitteln den Kopf verdreht hätte.)

    Was für ein Unfug. Bei einem Manne hätte ich mir einfach gesagt, dass ich halt zu meinem Glücke und meiner Inspiration mal wieder auf einen gestoßen sei, der mir manches mitzuteilen habe, was ich so noch nicht erfasst.

    Vermaledeit aber auch!

    Das verdammte Vorurteil sitzt tief. Jetzt langt es mir aber. Das wird mir nicht mehr so leicht passieren.

    Und es passierte mir doch, obzwar ich mit der Mutter meiner Kinder wahrlich nicht nur über Kochrezepte geredet hatte.

    Die Angst des Mannes vor der gescheiten Frau. Erbärmlich.

    So ein Erzstuss.

    Der gehört gründlich abgeschafft.

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