Minnehalber Verstand geopfert

Wer eines Weibes Minne zuliebe seinen Verstand opfert, ist nicht einmal der gröbsten Klotzberta wert.

Man mag einer Umarmung, eines Kusses bereit sein zu sterben; obschon dies auch nicht eben klug und angemessen erscheinen mag: Wo aber ein Mann sein Denken an die Minne gibt, ist alles verloren.

Es wird ihm auch nie gut vergolten: Er fährt so nur geradewegs in die Hölle.

Nein, noch nicht einmal, so graus kann das Leben sein, geradewegs: In langem, qualvollem Mäandern rutscht er hinab in den stinkfeuerlichen Schwefel.

Er wird gar noch gerne in die Hölle wollen. Denn da unten, im qualmenden Pfuhle der Selbstverdammten, kann es nicht mehr schlimmer werden, denn hienieden oben.

Zehntausende Messer werden ihn täglich ritzen; nicht ein halbes Glas Bieres wird ihm mehr schmacken; jeder Balzgesang eines Vogels wird seiner schmerzhaft spotten; kein Fug, kein Grund wird seines Lebens mehr sein.

Kein schlimmer Schick, denn freiwillig Sklave.

Stets geduckt, krumm, geistesarthritisch, gichtig, grindig, schleichet er seiner schlickichten Maden- und Egelpfade.

Irgendwann weiß er lieber seines Namens nicht mehr. Es beschämte ihn zu sehr.

Er wird zum Kriechtiere. Zum Wechselwarmen. Also, dass er, wo die Sonne nicht gerade hin, ganz starr.

Schon weiß er Nebel nicht mehr von Nacht zu scheiden; selbst der Hals ist ihm verloren; sein Kopf direkt in den Brustkorb hineinverwachsen.

Ob er es jetzt noch merkt, dass das, was ehedem seine Beine, mitsamt Becken schon im Bauche steckt?

Er schrumpft unaufhaltsam. Er wird zu einem fleischklumpigen Sphäroid, das immer weniger äußere Reize wahrnimmt. Der Minne halber. Da er sich vergaß.

Der Minne sieht er aber nun schon lange nicht mehr. Er rollt sich nur noch in seinem sich sinnlos endabwatzenden Leibe. Dahin, wo er meint, dass wenigstens der Schwefel wachse.

Nein, der Minne ist nie und nimmer Mannes Verstand zu opfern. Eher noch gleich und gerade das Leben.

Nirgend aber auch nur eine gute, kluge Maid, die jenes oder auch dieses wollte.

Also bedarf es nichts von all dem.

 

 

 

 

 

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2 Antworten zu “Minnehalber Verstand geopfert”

  1. Suspect1 sagt:

    Das wäre ja schlimm, sollte es sowas nicht geben.
    Die habsüchtigen, besitzergreifenden, quäkenden und jammernden des Weibsvolks gibt es zur Genüge.
    Die hoffentlich existierende Gegenseite läuft für die wenig aufrechten rechtschaffenen Junker auch noch hier rum.

  2. Dude sagt:

    “Der Minne sieht er aber nun schon lange nicht mehr.”

    Der soll sich glücklich, privilegiert und gesegnet fühlen, dass er wenigstens noch zahlen darf….

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