Konstantin doch schon in München

Wien war Konstantin doch zu langweilig.

Allzuleicht sei dorten jeder Hofrat, Magister, Doktor, Minister: Doch zu wenig Reiz habe die Stadt ihm diesbezüglich gespendet.

Zwar reizten ihn das nahe Pressburg, auch Budapest gar; seinen Leichter hatte er noch gut vertäut; flussab ist nicht schwer, hatte er sich gesagt; aber, so sehr er sich’s gerne mal wohl ergehen lässt, so sehr juckt es ihn doch immer wieder, auf die dicksten Bierbäuche zu klopfen.

Da es heutzutage keine Treidelpferde mehr gibt, die Konstantins Leichter die Donau und schließlich die Isar hinangezogen hätten, das Hinaufpaddeln nicht immer seins, die dummen Wiener ihm Reisegelds genung spendiert, reiste er bequem mit der Eisenbahn.

Wo er nun erwartet hatte, massenweise gemütliche, bierbäuchichte, selbstzufriedene altmünchener Ochsenseppl und Gschaftlhuber vorzufinden, ergab sich doch weithin ein ganz anderes Bild: Fast die ganze Stadt schwurr und schwirrte von jungen, schlanken, gut angezogenen Marketendern und deren ebenso schmucken Hilfsmägden; kein Eck, an dem, bei hochwichtigen Verkaufsgesprächen, nicht des Italiäners Kaffee und Tresterbrand gereicht, nicht Scharen adretter Nießbraucher Volkes Arbeit säßen.

“Ja”, sagte er sich, “in dieser Stadt gibt es auch brave Leute. Aber im Grunde ist diese Stadt ein einziges Hurenhaus. Schlimmer noch, als gar Berlin.”

Er beschloss also, den eitelsten Gecken auszufinden, jenem einen Streich zu spielen.

In der Nähe des Marienplatzes fand er ihn in einer entsprechenden “Bar”. Er ist 34 und hat eine PR-Agentur.

Nach einigem Geplänkel, indem Konstantin den “Profi” (das Wort führt der Herr stets im Munde) durch einige Wendungen und Volten auf sich aufmerksam gemacht, meinte jener, dass er “kreative Köpfe” immer brauchen könne, gab Konstantin gönnerisch seine Karte: er könne sich ja mal melden.

Bei dem werde er sich schon noch melden, meinte Konstantin zu mir; er sänne aber noch daran, wie er es diesem Laffen recht ordentlich öffentlich besorgen werde, auch seinethalben, auf dass die Münchener sich alle merkten, wer dagewesen. Er habe gerade bei einem süßen Viktualienmarketendermägdelein Unterkunft und allerlei Atzung gefunden, so, dass es ihm mit seinen dahingehenden Planen nicht unmittelbar eile.

Auch, meint er, sei es sonsten klüger, einen Derartigen nicht zu schnelle, zu eilfertig anzugehen, ihn gründlich zu narren.

Ich hoffe, bald wieder von Konstantin zu hören.

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Eine Antwort zu “Konstantin doch schon in München”

  1. [...] wir aus vorangegangener Meldung wissen, weilte Konstantin zuletzt in München. Nun, was allda, nachdem der Geck ihn in seine [...]

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