Mit meinem Traume

Ich saß mit meinem Traume auf einer Anhöhe, rundum alles duster und schwer, und er grinste frech.

“Was grinsest du so freche?”, frug ich ihn, ungehalten.

“Freche?”, versetzte er, “ich lächle nur über deine Torheit.”

“Du lächelst meiner Torheit? Wer bist denn DU, meiner Torheit zu lächeln? Trägst du nicht diese schwangeren Wolken die Anhöhe hinan, versperrst damit die Sicht auf weite, fruchtbare Lande?  Wer bist du überhaupt?”

“Ich komme nur, das zu schaffen, was du sehen willst.”

“Rede dich nicht heraus! Du hast mich ein ums andere Mal betrogen!”

“Ich betrog dich nie”, meinte er ruhig und bestimmt.

“Doch! Du spottest hier meiner, wie als ob ich dein kleiner ungebärdiger Diener sei! Dabei: Du bist MEIN Spross! Was wärest du ohne mich?”, donnerte ich.

Der Traum verzog das Gesichte und seine Keckheit schwand. “Aber du brauchst mich!”

Derweil begann es zu tröpfeln. Wir schwiegen. Ein halbwarmer Regen, schließlich folgte ein lauer Guss. Die Erde um uns herum dampfte.

“Weißt du, Magnus”, sagte der Traum zu mir, “ich bliebe einfach nur gern bei dir. Es gefällt mir so gut bei dir. Bei dir wird es mir nie langweilig.”

Eine leichte Brise hub an. Die Luft roch nach frischen Kräutern, die Täler rundum fanden in gebrochenes, schließlich klares Sonnenlicht.

“Komm, Freund, lass dich umarmen”, sagte ich zum Traume, und wir hielten uns lange.

“Wieso, Freund, bist du nicht immer so gut zu mir? Weshalb immer wieder die grausen Schatten?”, frug ich ihn.

“Nähmest du mich ohne grause Schatten denn noch ernst und mit dir?”, antwortete der Traum mit Tränen in den Augen. “Schau, da unten, wiegende Kornfelder, schöne Frauen allenthalben, der Schenken Gärten unter Kastanien, blühende Wiesen, freundliche, lichte Haine, alles, auf dass Du mich im Stiche lassest.”

Ich hatte noch einen Trunk Weins dabei, und so tranken wir Brüderschaft.

Und wir versicherten uns, dass ich ihm meine Geheimnisse vom Wachen, er mir seine vom Schlafe anvertrauen werde.

Er wischte sich noch eine Träne aus dem Gesichte, lachte dann gleich einem neckischen Schulbuben, herzte mich noch einmal und sagte: “Wir sehen uns wieder. Jetzt geh hinaus in die Welt dort.”

Ehe ich noch Dankes zu erwidern vermochte, erwachte ich. Und ich hatte tatsächlich auf jener Anhöhe genächtigt. Ich machte mich fröhlich zu Tale.

 

 

 

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