Konstantin doch in Knokke?

Konstantin scheint tatsächlich gen Österreich hinuntgeleichtert zu sein. Denn aus der Donau rechts isarauf, zu München, wäre er längst aufgefallen; dort auch nur mehr als einige Stunden zu hinterlassen, in der jetzigen Lage, hätte ihm, mit einiger Sicherheit, wohl nichts Gutes eingebracht; er wird den Münchenern schon noch kommen. Wahrscheinlich bei Isarhochwasser, aber von der anderen Seite her.

Ein bisschen was hat er immerhin erzählt.

Er halte, meint er, Wien für einfach, weil man da, wie er mehrfach glaubhaft berichtet bekommen habe, nur mit den richtigen Leuten Wein trinken müsse und etwas beredt sein.

Von beidem verstehe er was, und von daher sei ihm in Wien nicht bange.

Er äußerte lediglich die Befürchtung, dass er zum Zwecke seiner Beratungsgeschäfte im Sinne auch einer bezahlten Beherbergung, der Zeche zumal, mit den entsprechenden Wienern so viel Wein trinken müsse, dass die Sache mit dem stillstehenden Riesenrad erstmal zu vergessen.

Wo aber, meint er, der Wein erstmal zum Guten hinkreise, da könne das Größtsonstmögliche und -denkbare auch noch bequem ein Momentchen warten.

Schließlich ward er doch geschwätziger. (Ich vermute, inzwischen, er ist, jawohl! – : schon in Wien.)

So sagte er denn, selbst die gelahrten Leute in Wien wüssten eigentlich gar nicht, dass es Berlin gebe, jedenfalls wie, wo er ja grade, vor der notwendigen Kurzeremitage unter der Schwäbischen Alb, ebenda gesehen habe, dass dort so gut wie keiner mehr einen guten konstantinischen Spaß versteht.

Seine Rede werde gut angenommen. Es habe sogar schon wieder für gute neue Stiefel und nicht wenig Wiener kräftig Essen gereicht. Er fühle sich gut gestärket.

Ich vermute allerdings, dass Berlin Konstantins Treiben in Wien nicht lange untätig zuschauen wird; und Konstantin wird das wissen; es wird also wohl kein ewiger Wein in Wien werden.

Ob er rüber nach Südtirol macht, weil die Italiener dort eh keinen halbwegs deutschsprachigen Narren von einem anderen scheiden können, selber schon Schafsnarren sind, und zuwenigst die meisten angestammten Tiroler derartige Zuzügler nicht von vornherein verachten?

Naja. Ich könnte mir vorstellen, dass er nach Wien, dem ganzen Kalb- und Rindfleisch, jetzte noch einen Aufflug in gleichzeitig feinstwürstigste und -schinkendste alswie edelkäsigste Bergländer anzunehmen, wo des Weines auch nicht immer geschont und dessen ebenfalls genung vorhanden.

Immmerhin. Ich wünsche ihm mal Erholung. Es kann auch in Wallonien sein. Da kann man es sich mächtig gut sein lassen. Dort essen sogar die Frauen noch freiwillig und ordentlich. Wobei man es in Flandern schon so krachen lässt, zumal ein Faible für schräge Käuze hat, dass er sich auch dort seiner Regenereszenz widmen könnte.

Ich vermute fast, er ist doch in Knokke.

In Knokke ist man viersprachig.

Zwischen Flämisch, Französisch, Deutsch und Englisch wird mitunter selbst in der Bäckerei recht spielerisch und zum Spaße obendrein changiert und einherparliert.

Man kann, so war es jedenfalls, als ich vor einigen Jahren noch dort weilte, ohne weiteres zu einem tragbaren Preise einen guten Kaffee trinken, wunderbare Croissants, vielleicht die besten, die je aufgegabelt; doch es ist Geld in dieser kleinen Stadt, vielmehr es brandet unaufhaltsam da hinein, alswie ich das kaum je gesehen, was wenigstens nicht eben dawider spricht, Konstantin, polyglott, aber noch klamm, könne seine Beratungstätigkeit dort aufgenommen haben.

Ich jedenfalls hielte es in Knokke schon für Unterkunft und Verpflegung nicht schlecht eine ganze Weile aus, mich standesgemäß zu erholen.

Den richtigen Leuten zu ihrem eigenen allerbesten Wohle bescheids getan, von der Welt erzählt, dafür Atzung, neuen Wamses, mit etwas Reisegeld des Weges, ja: das wäre Konstantins Art. Zumal man sich, notweis, von dort selbst auf Schusters Rappen geschwind über die Genze gen Holland schlagen kann, mit der Fähre über die Westerschelde nach Vlissingen und von dort aus weiter verschwinden. Dann noch Licht und Luft der Nordsee…

Levanto? Rijeka?

 

 

 

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