Vom Wortgifte der Erhabenen

Es geht um eine nicht unbekannte, aber doch immer wieder einzelfallweis vergleichsweise interessante Form von Bosheit.

Stammlesern wird geläufig sein, dass ich mit zwei kleinen Kindern eine Frühverwitwung erfuhr, alle anderen wissen es jetzt.

Ja, da waren nicht wenige, die wussten an uns Dreien nicht schlecht ihr Mütchen zu kühlen; die üblichen lasse ich jetzt aber mal beiseit. Es geht mir gerade um eine besondere Sorte Herunterzieher. Nämlich um jene, die nicht nur ihr mindes Licht durch Grausamkeit, durch den Genuss des Drauftretens auf bereits Geschwächte, situativ fast Wehrlose, wenigstens für sich selber gefühlt, sei es nur für Augenblicke, ein wenig zu erhellen trachten: sondern denen es um etwas anderes geht.

Es geht ihnen, ohne dass sie (allermeist) einer dafür bezahlte oder eine konkrete Belohnung in Aussicht stünde, schlicht darum, denjenigen wenigstens zu hemmen, möglichst zu stoppen oder in Aberration zu treiben, dessen Potential das ihrige übersteigt. Zur wirklichen Selbsterhöhung.

Solche Menschen sind gefährlich. Denn sie sind nicht nur in gewisser Weise krank, sondern oft auch sehr listig. Es geht nämlich eigentlich um ihr Selbstbildnis.

Ihr Geld, ihr Erfolg, ihr gelungenes und gelingendes Leben: Sie setzen alles, einem zu zeigen, was für ein jämmerlicher Versager man sei.

Ich referiere hier darüber nicht, weil mir derlei Leute Bitternis auf die Seele vermocht hätten zu werfen; es ist ihnen nicht gelungen; ich schreibe davon, um andere vor diesem Typus zu warnen.

Manchmal arbeitet er langsam, stets bohrend, wie als ob förderlicher Freund, aber er kann auch, sehr genau im kritischen Momente, blitzschnell zuschlagen.

Man kann sich, wenn es die Lage zulässt, von solchen Menschen natürlich einfach abwenden, sobald man gemerkt, wes sie sich unterfangen. Ist der Lage aber nicht einfach zu entkommen, so sind sie auszumüden. Bosheit vermag keine dauerhafte Kraft aus sich selbst zu generieren. Sie bedarf des Erfolges viel mehr, als der, der schafft.

Manchmal kann man sie auch stellen. Vorsicht aber, denn da rasten sie leicht aus.

Und es kann einem auch einfach guttun, sie noch weiter in ihr Loch zu geleiten, wenn man das nicht einmal müsste. Solcherlei Rache kann in der Tat süß sein. Sie wissen aber nicht, was sie tun. Also auch Maß in der angesprochenen Rache.

Denn letztlich liegt ihrem Handeln, wenn es nicht doch bestellt, eine Profilneurose zugrunde.

Wer mit seinem Leben zufrieden, der hat keinerlei Grund, einen, dem es offenkundig schon nicht übermäßig gut geht, noch extra und vergnügungsweis tiefer in seine Not und in den Dreck zu treten. Ich bin kein studierter Psychlolog, aber das sollte einleuchten.

Selbstverständlich gibt es diese Sorte auch professionalisiert. Derlei Leute werden nicht selten noch dafür ausgesucht und ausgebildet. Da wäre nicht nur die Militärbranche zu nennen. Die Bänkerei zum Beispiele.

Man unterschätze deren Gewaltbereitschaft nie. Auf keiner Ebene.

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