Endlich glaube ich auch, dass ich glaube

Ich wundere mich immer wieder, wie selbstverständlich es immer noch ist, dass einer dem anderen den Vorwurf machen kann, er glaube ja an das und das nicht, glaube nicht genug, sei zu schwach im Glauben, glaube in Wirklichkeit doch, nämlich ans Nichtglauben, weswegen er löge, wenigstens sich belöge usw.

Neulich sagte mir einer, ich wisse ja gar nicht, an was ich alles glaubte, das ich nicht zu glauben vorgäbe, ich glaubte, siehe oben, eben doch, und zwar wie die Sau…

In der Tat halte ich Dinge, die ich bislang nicht eindeutig ermessen kann, für gegründeter, wahrscheinlicher, vernünftiger, sinnvoller, mir genehmer, besser als andere.

Der findige Glauboist leitet daraus dann gleich ab – siehst du!!! – : damit habe er recht, ich gäbe es ja selbst unfreiwillig zu.

In der Tat glaube ich daran – zweifelsfrei erwiesen ist es schließlich nicht – , dass es nicht jedem Menschen zwangsläufig schadet, wenn er etwas lernt.

Ich glaube auch an den Sinn des Schließens von Klotüren, der Heterosexualität und guten Weins. Manchmal glaube ich sogar an mich selber, nämlich dass ich was schaffen kann.

Ich glaube, spätestens, wenn ich sie selber rieche, an den Sinn des Sockenwechselns, ich glaube daran, dass Musik und Tanz erheiternd sein können, dass man sich in einem Mercedes in der Regel etwas sicherer fühlen darf, als in einem Fiat, ich glaube sogar daran, dass manche sich angelegentlich etwas dabei denken, wenn sie reden.

Überdies glaube ich daran, dass Schönheit und Kunst die menschliche Lebensqualität nicht unbedingt beeinträchtigen. Selbst dass es den Goldenen Schnitt geben könnte, glaube ich.

Und wenn ich ins Gebirge gehe, glaube ich lieber an vernünftige Bergstiefel, denn an Nike-Lummelschlappen. An meine Mütze und eine verlässliche Jacke.

Jaja, an was der Göller alles so glaubt.

Ich glaube an Damast- und Schweizermesser. Sogar daran, dass es noch tüchtige Frauen gibt, deren Liebreiz ich mir nicht nur erglaubt, eingebildet haben könnte.

Ohmannomann. Ja, ich glaube den ganzen Tag. Ohne Unterlass. In der Nacht noch meinem Traume (aber nicht immer, denn manchmal ist er so blöde, dass ich ihm nicht mehr glaube).

Von Gott sage ich jetzt lieber nicht viel. Den halte ich nur für ein Wort. Und zwar das wohl hilfloseste. Das begründe ich an dieser Stelle nicht. Zumal: Vielleicht glaube ich das ja auch nur.

Also, ich mache jetzt meinen Frieden mit Euch Gläubigen. Ihr habt offenkundig einen Proselyten (allerdings nicht zum Judentume, Christentume, Islame!) gewonnen.

Endlich glaube ich auch, dass ich glaube.

 

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3 Antworten zu “Endlich glaube ich auch, dass ich glaube”

  1. spiritformoney sagt:

    Hallo Göllner,

    nun hier wäre etwas zum Thema Glauben, auch wenn das Wissen eine ganz individuelle Angelgenheit ist.
    https://www.youtube.com/watch?v=-pRfGVHU_Qg

    Schreib was drüber, aber nur wenn Du´s ganz geschaut hast.

    Im Übrigen gefällt mir Dein trotzig elegantes Schreiben.

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ spiritformoney

    Eine etwas höflichere Ansprache als “Hallo Göllner” (übrigens auch noch ein “n” zuviel), gefolgt von einem Du, sodann einem Imperativ, dass ich was schreiben solle, aber erst wann, sollten Sie, Herr oder Frau “spiritformoney”, hier schon pflegen.

    So fällt nämlich erstmal das Du aus, und im Wiederholungsfalle antworte ich nicht mehr.

    Ich schreibe jetzt auch schon etwas, sei es vorläufig nur in diesem Kommentar zu dem Film, obschon ich erst 45.36 davon gesehen, mir das von Ihnen also nicht erlaubt, was mir aber egal ist.

    Nämlich, dass der bis dahin durchaus sehenswerte Streifen eine zum Thema der Unterdrückung Freier Energie auch ansonsten stetig wiederkehrende Fragwürdigkeit aufweist, die ich, zumindest in privaten Gesprächen, schon häufig moniert habe.

    Heute Nacht werde ich aber nicht mehr verraten, welche. Sie ist völlig offensichtlich, scheint aber merkwürdigerweise kaum einem, der an diese Unterdrückung glaubt, aufzufallen.

    Das Du nehme ich wieder an, wenn Sie es klariter unterlassen, mich wie ein übellauniger Chef behandeln zu wollen.

  3. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ spiritformoney

    So, Herr Spiritus Rector Pro Pecunia, ich habe jetzt Konkretes dazu geschrieben, allerdings nicht Ihrer Weisung gemäß den ganzen Film angeschaut. (Lediglich schiebend, stippweis, bis zum Ende.)

    Das entsprechend unvollständige Ergebnis meiner frechen Insubordination findet sich hier:

    http://unzensiert.zeitgeist-online.de/2013/02/16/freie-energie-alle-erfinder-zu-blod-dateien-zu-verschicken/

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