Von der Wahrheit als Staat

Nachdem ich eben darüber sann, anlässlich des Papst-Rücktritts, jenes “Mitarbeiters der Wahrheit”, frage ich mich ernstlich, ob viele Leute die Wahrheit nicht tatsächlich für eine Art Staat halten. Oder eine Firma.

Bleiben wir aber zunächst mal bei der Vorstellung, die Wahrheit sei ein Staat.

Eher ein ziemlich moderner Staat natürlich. Also nicht irgensoein Mali oder Jemen.

Man zahlt brav seine Steuern, wird – in der Regel – nur eingesperrt, wenn man nicht an den Staat glaubt bzw. was der einem zu glauben vorgibt, zollt der Wahrheit also, was ihr gebührt: und davon baut sie Wahrheitsschulen und finanziert selbst noch die Polizei.

Der Staat Wahrheit entwickelt sich, gleich einem sonstigen Staate, in der Regel nur sehr unwillig und langsam; recht eigentlich will er nur stärker werden und mehr Kontrolle, denn er traut den Leuten natürlich zurecht nicht.

Die Leute haben nämlich, das ist so ihre Art, selbst im Staate Wahrheit, fast nur Unfug im Kopfe, jedenfalls, sobald sie mit dem Denken anfangen. Das eigenständige Denken ist daher der größte Feind des Wahrheitsstaates.

So bleibt dem Wahrheitsstaat, ob er will oder nicht, nichts anderes, als freies Denken selbst noch am Rosenmontage so gut und dabei diskret zu bekämpfen, wie er das kann. (Der Wahrheitsstaat ist lieber diskret, denn das ist effektiver. Siehe Mali und Jemen.)

Dummerweise kann der Wahrheitsstaat aber nicht immer ganz diskret bleiben. Er muss manchmal auffällig fragwürdige Wahrheitsgesetze erlassen, Krieg gehört leider, nach außen sowieso, ganz leider auch mal nach innen, zum Geschäfte des Wahrheitsstaates.

Zum Glücke aber hält sich der Wahrheitsstaat viele eifrige Nutznießer. Wovon die fröhlich in ihn zum Wahrheitsempfange Zugereisten wie auch einheimische Sozialhilfenehmer zu seiner Stützung zwar nicht unbeachtlich, aber doch nicht so not und nütze, alswie allerlei Kirchen, Verbände, Organisationen. Mit denen verscheißt er es sich daher noch ungerner als mit zumal einheimischen Sozialhilfenehmern.

Da der Wahrheitsstaat der Wahrheit zuvörderst verpflichtet, muss er diese auf allen Ebenen durchsetzen. Deshalb hält er gar nichts davon, dass Eltern ihre Kinder selber erziehen. Deshalb gibt er auch schon frühe Wahrheitsdrogen aus, wenn Kinder, zumal männliche, nicht richtig mittun. (Vor männlichen Kindern und Jugendlichen hat der Wahrheitsstaat, was er selbstverständlich, klugerweise, niemals zugeben wird, eine Mordsangst. Sie könnten ja an seiner Wahrheit vorbei erwachsen werden, ohne daran schwer zu erkranken. Wenn das passiert, dräut Feuer nicht nur unterm Dache.)

Der Wahrheitsstaat hat also, obschon er das kaschiert, so gut er kann, nicht eben wenig zu tun. Ständig läuft irgendwo einer aus der Wahrheit. Oft sind es gar Leute, die genau gelesen haben, was der Wahrheit überhaupt nicht förderlich. Wenn solche Leute überdies von zäher Natur, dann hat der Wahrheitsstaat ein ernstliches Problem. Denn es dürfte sie eigentlich gar nicht geben.

Man weiß, die Wahrheitswächter selber wissen selbstverständlich, dass zum Umsturze selbst eines Wahrheitsstaates einer genügt. Das führt nicht selten zu Hyperaktivität und schlechtem Schlafe. Irgendeiner da draußen, dessen Namen man womöglich gar nicht kennt, oder man hat ihn einfach unterschätzt, genügt, und der Wahrheitsstaat mag plötzlich nicht mehr zu halten sein. Ja, hier wird man leicht etwas paranoid.

Und so kann es durchaus passieren, dass der Wahrheitsstaat mit der Wahrheit so grob umgeht, obschon noch kaum ein wirklich gefährlicher Wahrheitsgefährder unterwegs, dass er damit seinen Kredit auf die Wahrheit leichtfertig verspielt.

Da, so ungefähr, sind wir jetzt.

 

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8 Antworten zu “Von der Wahrheit als Staat”

  1. Dude sagt:

    Ps. Noch böser ist indes Selbstverwaltung und Selbstbestimmung, die ja direkt im Freiheitsstreben eines bewussten, klaren und wachen Bürgers keimen!

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Dude

    Wir schaffen das schon noch, mit dem Stuttgarter Libertärsozialistischen Manifest.

    Thomas und Du wenn daran freiwillig-solidarisch mittun…

  3. Dude sagt:

    @Magnus

    Momentan fehlt mir gerade die Zeit dazu, da ich in einigen anderen Projekten festhänge. Link und Stichworte dazu hab ich gestern geliefert. (Die Post folgt)
    _____________

    Zu was anderem (hier, da ich kein gescheites Resultat auf NWO hier in deiner Suchpfunze erhielt):

    Blühende Horrorphantasie, oder doch eine sehr plausible Prognose hinsichtlich der Entwicklung auf Erden in den nächsten ~30 Jahren?

    http://www.youtube.com/watch?v=H5G-bx9gRv8

    Als Text: http://stopesm.blogspot.de/2013/02/der-fahrplan-in-den-untergang-sage.html

    Wenn die Menschen nicht grossflächig erwachen, also die entscheidensten Punkte am Schluss des Clips wirklich beherzigen, und sich vorallem tatkräftig und engagiert für eine neue Welt der Liebe und des Lichts, des Respekts, der Menschlichkeit, für Gleichberechtigung und Gleichwertigkeit aller Individuen auf Erden einsetzen, hin zu einer harmonischen Symbiose mit der Natur, erachte ich diese Prognose leider (im grossen und ganzen gesehen) für überaus plausibel.

    Momentan stehen wir an einem Scheideweg. Noch steht uns alles offen. Es liegt an uns Selbst.

    Wohin geht also die Reise?

    In die endgültige Hölle oder ins neue Paradies?

    Ps. http://www.mysticalforum.ch/viewtopic.php?f=25&t=21748

  4. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Dude

    Es ist nicht so einfach wie bei Herkules. Noch nicht einmal die Liederlichkeit zeigt sich offen: Und wo ist die Tugend?

  5. Thomas sagt:

    Dude, betrachte die Geschichte: Jedes Mal, wenn irgendwer versucht hat, die Menschen zu knechten, sind diese früher oder später aufgestanden und haben alle zum Teufel gejagt. Jedes Mal, wenn dies passierte, wurde die Menschheit ein Stück freier. Eventuell, da dies heute global und fast gleichzeitig geschieht, könnte beim jetzigen Befreiungsschlag (welcher aber noch Jahrzehnte auf sich warten lassen könnte) die endgültige Freiheit der Menschen hervorgehen.
    Dennoch, aus Unterdrückung folgte immer wieder ein Stück mehr Freiheit als zuvor da war.

  6. Dude sagt:

    @Thomas

    Das seh ich anders. Die heutige Menschheit (im Gesamten betrachtet) war wohl noch nie so unfrei wie heute.

    Entweder Ausgebeutete oder dann willfährige Sklaven.

    Ausnahmen bestätigen – Gottlob! – die Regel.

  7. Thomas sagt:

    Ich sehe es etwas differenzierter: Die Techniken zur Manipulation waren noch nie so ausgefeilt wie heute, auch die Überwachungsmöglichkeiten sind heute enorm. Aber eben auch die Verfügbarkeit aller erdenklichen Informationen für fast alle Menschen ist heute gegeben. Einzig und allein dem technischen Fortschritt (der, welch Wunder, nur durch Marktwirtschaft, also Kapitalismus überhaupt erst entstehen konnte) ist es zu verdanken, dass heute noch alle so still daheim sitzen. Aber auch das wird sich ändern. Eine Frage der Zeit. Die Planwirtschaftler reißen schon noch alles in den Abgrund.

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