Vom “you know” als Verwandtem des “Äh”

Ich hörte gerade eine auf Youtube eingespielte Radiosendung (vielleicht zwanzig Minuten von knapp eineinhalb Stunden), und es war in der Tat nicht so, dass der sehr beredte Befragte nie “ehm” gesagt hätte, aber was weitaus häufiger, als sinnloses Füllsel, allzuhäufig, auffällig, in seine Rede fuhr, meist mitten im Satze, war “you know”.

Das Phänomen ist schon lange bekannt, und bei irgendwelchen meist etwas aufgeblasenen sprachlich weniger Bemittelten muss man es, trotz seiner suggestiv angelegten Scheinsemantik (“ehm” bzw. “äh” bedeutet, außer wenn bewusst betont gesetzt, lediglich, dass der Redende grade noch nicht weiß, was er weiterhin sagen, aber keine Pause machen, nicht unterbrochen werden will), eben wenigstens zunächst als Schwäche, angewöhnte Unart, abhaken.

Ist der Vortragende nun aber einer, der ansonsten wirkt, wie als ob er wüsste, was er sagt, offensichtlich ansonsten, frei (in vorgefertigten Reden habe ich noch nie so viele “you knows” gehört, allenfalls mal eins als echtes Stilmittel oder eben eines zwecks Überzeugung) redend, sprachbewusst, genau formulierend, so sagte ich dem das als klaren Kritikpunkt. (Wofern ich vermutete, dass er es denn hören wollte. Vielleicht auch, wenn sehr wahrscheinlich nicht.)

Man darf sich durchaus fragen, ob einer mit seinen “you knows”, die ihm ständig in die Rede springen (man merkt genau, dass die zuwenigst meistens unwillkürlich kommen), womöglich unbewusst noch mehr sich selbst vom Gesagten zu überzeugen trachtet, denn gar den anderen, das Publikum.

Von dieser Ebene her betrachtet, kommen an der Kompetenz des Redners noch ganz andere Zweifel auf als jene bei einem offenkundigen Schwätzer, einem Möchtegern, einem Dampfsabbler.

Positiv betrachtet, könnte man natürlich sagen, dass der ansonsten geübte Redner halt seine “you knows” brauche, sich etwas Zeit zu verschaffen, seine eigene Rede zu hinterfragen, dabei irgendwie stabil zu halten. Andererseits ist ein “you know” keine Frage, schon gar nicht, wenigstens formal, an sich selbst. (Man hört bei diesen “you knows” tonal auch nie ein Fragezeichen dahinter. Sie kommen als Miniaussagesätze, gleichzeitig eigentlich Abtönungspartikeln.)

Also bin ich geneigt, einem, der diese “you knows” offenkundig nicht wirklich unter Kontrolle hat, wohl gar nicht mehr bemerkt (auch nicht, anscheinend, jedenfalls, wofern er sich sein eigenes Interview, seinen eigenen Vortrag, später noch einmal anhört; denn sonst änderte er ja eher mal etwas daran, schüfe diese Unsitte ab, dämmte sie wenigstens ein; na gut; es soll auch Leute geben, die ihre Texte grundsätzlich nicht noch einmal mehr als vielleicht einmal durchlesen, zu prüfen, auch mit etwas Abstand, was sie da abgesondert haben), auch was den Inhalt seiner Rede anlangt, misstrauischer zuzuhören, denn wenn er ohne diese auskäme.

Das Phänomen des “you know” mal genauer zu untersuchen, bei wem, wann, in welchen Kontexten es besonders prägnant und wie auftritt, wäre ohne weiteres eine sprachwissenschaftliche Magisterarbeit für einen ambitionierten jungen Anglisten wert.

Vielleicht gar eine Doktorarbeit oder eine Habilitationsschrift.

(Letzterenfalls bedürfte es natürlich nicht nur eines mutigen Professors, dem es egal ist, ob ihn ein paar Angelsachsen nicht lieben.)

— Anzeigen —


Tags: , , ,

Eine Antwort hinterlassen