Wie man wieder wird, was man ist (II)

Wieder zu werden, was man ist, bedarf es, was wunder, da dies ja paradox, zweier gegenläufiger, sich normalerweise ausschließender Anstrengungen, genauer, einer gewaltigen Anstrengung und einer gewaltigen Nichtanstrengung.

Einerseits härteste Arbeit, Konzentration, bis dass das Hirn raucht, andererseits der Erwerb einer beinahe traumseligen Gelassenheit.

Kommt beides richtig zusammen, so wächst wieder echtes Selbstvertrauen. Also: Der Kern selbst beginnt, wieder zu gesunden.

Jetzt beginnt die Phase zweifelhafter Angebote. Geschäftlicher, sozialer, sexueller Natur. Leicht macht man jetzt die größten Fehler. Man wird noch einmal verführbar.

Zwischen echter, förderlicher fröhlicher Begeisterung und überzogener Euphorie zu scheiden, wird hier, es mögen ohnehin auch nochmal Ziehschatten sich zeigen, besonders gefährlich, in der Gegenreaktion, für das Gleichgewicht, zur Hauptaufgabe.

Es kommen, neben den Verführern, nicht selten auch als diese, jene, die einen jetzt, sozusagen gerade noch rechtzeitig, noch stoppen wollen. Manche kommen rein instinktiv, konditioniert, dessen, manche mögen auch ganz gezielt auf einen angesetzt sein (letzteres ist nicht also häufig, wie man meinen mag, es ist aber nicht ratsam, es aus dem Kalkül zu nehmen).

Da man, wenn man wieder wird, was man ist, nicht nur das ist, sondern noch mehr, verfügt man über erweiterte Erkenntniszugänge. Feineres Empfinden, eine vordem ohnkannte Unmittelbarkeit. Das mag auch sehr Hartgesottene überraschen, und manche, gerade von denen, werden darob unter Umständen sehr plötzlich sehr aggressiv. Genau hier liegt auch die Gefahr der bereits erwähnten überzogenen Euphorie.

Vor allem Leute mit im wesentlichen erschwindeltem Erfolg können sehr gefährlich werden. Man riecht sie noch leichter und feiner, lachend gar, und das mag ihnen gar nicht schmecken. Es geht um ihren Nimbus.

Gleichwohl sollte man gerade jetzt unter Menschen gehen, sein neues alte neue Sein wiederzuerlernen. Jetzt gilt es, Zukünfte anzulegen und aufzubilden.

Wohlwollende merken nämlich auch, dass da wieder etwas dorthinwächst, wo es von jeher hingehört. Wollen im besten Sinne an diesem Vorgang, den reifenden Früchten teilhaben, wirken befördernd, auch warnend, korrigierend, bringen Freude mit.

Schönes wird einem zuteil. Gute Ideen werden einem zugetragen. Da lacht dieser mit einem, dort streichelt einem jene das Gesicht.

Obschon, aber, sich täglich neue Räume, neue Möglichkeiten eröffnen, gilt es jetzt, wenigstens überwiegend, gleich dem Schuster zunächst noch bei seinen Leisten zu bleiben. An dem genau weiterschaffen, was man vordem schon gut konnte: und es mag Großes entstehen. Heil wird.

Man wird ganz.

 

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