Von den Reinkarnationslügen

Die Vorstellung, dass man irgendwie reinkarniere, hat etwas Verlockendes, das nicht näher erklärt werden muss.

Deshalb ist der Glaube daran auch so populär.

Alle mir bekannten dahingehenden Modelle aber sind, das ist das Üble daran, schuldbasiert.

Dahingehend, dass man eben nur zum Schein einen Neuanfang bekäme, da alle Vorleben ins neue bestimmend mitgebracht würden, zumal alle Schulden, die Schuld, das negative Karma, mag man es nennen, wie man will, mit.

Keine sehr verlockende Aussicht für mich. Da wird mir der geforderte Preis fürs Nochmallebendürfen zu hoch.

Zwar mag ich einigermaßen einschätzen können, wie viel “negatives Karma” ich in dieser Inkarnation auf mich geladen habe; von den vorherigen aber weiß ich nichts; und führte mich einer oder ich mich selbst dahin zurück, wie viele meinen, dass das möglich sei, so möchte das dorten Gesehene eben immer noch Projektion, Illusion sein.

Überdies: Ich sage es jetzt mal so salopp, wie es folgt. Ich habe mir in diesem Leben schon als Kind mächtig die Fresse verbrannt, wahrlich unschöne Folgen, und auch ansonsten, ich mag meine Frühverwitwung mit zwei kleinen Kindern noch erwähnen, ich wüsste noch mehr, ging ich auch nicht nur wie Hans im Glücke.

Gut; ich hätte nicht zündeln sollen; ich hätte mir nicht die Frau erwählen sollen, die mir allzufrüh wegstirbt; mag man so etwas sagen für dieses Leben; dass ich dieserlei Schläge aber als Quittung für meine Vorleben eingestrichen hätte, erscheint mir nun gar als unbilliger Hohn und Spott.

Es geschähe mir sozusagen recht, als Strafe für frühere Verfehlungen sozusagen.

Nein, liebe Leute, das gebe ich mir nicht.

Es mag angehen, dass ich mir diese Unbilden zurecht eingefangen hätte; dawider ist nichts zu sagen, zumal nicht zu klagen; dass ich sie mir aber aus einem früheren Leben heraus sozusagen “verdient” hätte, jetzt also dergestalt abzutragen, mich daran zu bessern, oder eben auch nicht, also späterhin weiter abzutragen, dazu noch das, was ich diesmal an Unfug angerichtet, nein, liebe Reinkarnateure, das Spiel mache ich nicht mit.

Jedenfalls nicht freiwillig.

Und wenn Ihr meint, dann müsse ich es halt beim nächsten und übernächsten und überübernächsten Male büßen: bitteschön, viel Vergnügen beim Zugucken.

Um es Euch, selbst wenn die Welt bislang so gebaut sein sollte, wie Ihr Euch das vorstellt, deutlich zu sagen: Wenn ich in meine nächste Inkarnation etwas mitnehmen will, dann meinen Widerstand gegen solch brutale, schuldhafte Grausamkeit. Rechnet also diesbezüglich lieber mal auch in Zukuft mit mir.

Was fällt Euch auch ein, schlimmer, genau betrachtet, als Abrahamiten, jene Schuldversessenen, gar, derlei schwarze Schatten über Menschenseelen zu werfen? Habt Ihr nichts Besseres zu tun? Seht Ihr nichts Schöneres in der Welt?

Denkt Ihr irgendwann auch einmal darüber nach, wie sehr Ihr das Leben beschmutzt und verleumdet? Braucht Ihr das? Wie mind, grindig, neidisch, klein seid Ihr?

Wisst Ihr das Wort Freiheit überhaupt auch nur zu buchstabieren? Wenigstens anzudenken, was Freiheit bedeuten könne?

Ihr seid jedenfalls grundsätzlich gefangen, und von daher schon grundsätzlich nicht frei.

Da lebe ich dann doch lieber mit Irrungen und Wirrungen, mit gelegentlicher oder auch längerer Qual und Trübsal, denn in Eurem vermeintlichen Schafswohlhag der Unterwerfung unter Vergangenheiten!

Muss ich mich, abgesehen von gelegentlichen philosophischen Wägungen, darum bekümmern, was nach diesem Leben kommt? Wieso? Wozu? – Etwa, damit ich mir dann vielleicht nicht noch einmal die Fresse verbrennen muss? Oder ein Molch werden? Oder Mönch?

Ich versuche ganz einfach hier das zu machen, was ich für richtig halte. Euer feiges, rückwärtsgewandtes, impotentes Geschwätz stört da nur.

Eure Schau gründet, gleich jener der Abrahamiten, letztlich auf der Feigheit.

Gut sein vor Gott, gut sein vor dem Karma. Erbärmlich.

Wenn einer etwas will, so zeige er es hier. Ansonsten bleibe er stille hinterm Ofen und belästige nicht die Schaffenden.

Und noch eins: Sollte an Eurer These etwas dransein, so werden noch eher die Schaffenden mit Macht zurückkehren, denn die Eckensteher der Vergangenheit!

Wäre nicht gerade die Loslösung aus vergangenen Inkarnationen, das sich hier so neu als möglich Entwerfen, das Mittel (für mich kein Mittel, denn daran habe ich keinen Zweck), aus jenen tausendfachen Vergangenheiten gültig herauszutreten?

Aber nein. An die Kraft des Einzelnen glaubt Ihr im Grunde ebensowenig wie die Abrahamiten. Immer seien es höherer Dinge Mächte, allerlei Verstrickungen, Gott, derer man nicht zu entkommen verurteilt sei.

Was ich Euch allerdings nicht verzeihe, ist, dass Ihr stets versucht, den Lebensmut von Menschen zu vergiften, auf dass sie Euch ähnelten, Ihr sie Eurem Programme zu unterwerfen vermögtet. Da hört der Spaß auf.

Und deshalb, eben nicht für mich, den Ihr schon lange nicht mehr erreicht, schreibe ich dies hin.

Ich weiß selbstverständlich, dass von Euch allenfalls wenige darüber nachdenken werden, was ich insgesamt vorgebracht; viele werden es noch zum Beweise meiner hilflosen Verzweiflung, als Zuckungen des Nichteinsehenwollenden einordnen, manche gar lächelnd.

Jene aber, die Euch anheimfallen könnten, Euren mentalen Versklavungslehren, möchten schon nochmal nachdenken, wenn sie dies lesen.

 

 

 

 

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