Bedingungsloses Grundeinkommen: eine Illusion?

Von Samstag auf Sonntag erörterten wir – bei aller Dionysik – doch sehr ernsthaft die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens.

Von Vieren befürworteten diese Zweie durchaus; einer lehnte sie rundweg ab (klar auf die heutige Situation bezogen, nicht irgendeine denkbare Zukunft mit freier Energie etc.), ich war sehr skeptisch.

Selbst abgesehen davon, dass das bedingungslose Grundeinkommen laut allen gängigen Initiativen jedem gegeben werden soll, sich bislang keiner getraut hat zu sagen, dies solle nur Schweizern respektive Deutschen zukommen, eben nicht jedem Zugereisten, also, umgekehrt, selbst wenn dieser Fall gesetzt, konnte ich nicht umhin, die Argumente jenes als gewichtiger zu erachten, der die Sache ablehnend beurteilte. In gewisser Weise der schlagende Beweis für seine Sichtweise war, dass von allen Vieren in der Runde jeder erklärte, er werde sehr wohl weiterhin viel schaffen (alles, kann man sagen, fleißige Leute), wenn ihm das BGE gewährt, aber sicherlich nicht als Reifenmonteur, Kanalreiniger, Brunnenputzer, Autobahnbauer, Küchenhilfe, Gebäudereiniger usw.

Alle notwendigen Dienstleistungen und Dinge des täglichen Lebens würden somit unsäglich teuer, argumentierte der Eine, denn man müsste den Leuten viel, viel, immer mehr dafür bezahlen, derlei Tätigkeiten noch aufzunehmen, so dass das BGE bald nicht mehr hinreichte, immer weiter heraufzusetzen wäre, sollte es denn wirklich noch eines sein. Undsoweiter.

Da wussten die Befürworter, wie gesagt, keine fernsehglotzsofagrundfaulen Leute selbst, wahrlich nicht, jeder sich grundsätzlich auch für Drecksarbeit nicht zu schade, durchaus schon welche gemacht habend oder noch machend, ob ihrer eigenen Perspektive für den Fall, meines Erachtens nicht mehr viel einzuwenden. (Auch all die Kreativität, die freiwürde, ließe man die Leute einfach mal in Ruhe, wog das nicht auf.)

Es war einfach zu logisch, zu schlecht widerlegbar, zu gewichtig, was der Eine vorbrachte.

— Anzeigen —


Tags:

7 Antworten zu “Bedingungsloses Grundeinkommen: eine Illusion?”

  1. Privat sagt:

    Das BGE ist so lange bezahlbar wie eine Putzfrau nicht so viel verdient wie vor 42 jahren. (Brutogehalt 800DM Vollzeit laut Spiegel, Kaufkraft heute 5000€)

    Und auch dann wohl immer noch.

    Allerdings bekommt man heute eine ganze Menge für 5000€, da würd ich auch für weniger putzen gehen. zB für 50% des BGE für 10~ stunden Woche. (bin halt auch sehr ambitioniert in anderen Bereichen)

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Privat

    Außer darin, von ungefähr zehn Stunden Arbeit die Woche bestens leben zu können, weil der Ackermann schon auf knapper Rente, worin bist Du denn noch ähnlich ambitioniert?

  3. Privat sagt:

    Nachtrag: nach meiner Einschätzung ist BESONDERS die potenzielle Preis ABWÄRTS Spirale zu bedenken.

    Menschen wollen mehr Geld.
    Das bedeutet Marktanteile streitig machen, natürlich kann man da beim Kunden mit lokal ökologisch produzierter ware Punkten, aber wenn dann die Arbeit Spaß macht und man fühlt etwas sinnvolles zu tun, dann kann man auch mit dem Preiß für Arbeit in den Keller gehen. Weil BGE bezahlt schon das bodenständige Leben.

    Und dann bekommt man den Umsatz. Andere gehen leer aus.
    Bereitschaft zur Freiwilligkeit als Kostensenker in unserer Marktsituation.

    Nicht kürzbare Kosten wären in Boden/Produktionsmittel/Rohstoffe/etc

    Aber wenn das Branchenübergreifend eintreten würde, würden wir Schrittweise zu einer kostenlos gesellschaft “verkommen” (verkommen, denn das Geld verschwindet ja nicht, das ist eine brisante Thematik!)

    Wobei das vielleicht erst in 50+ jahren nach BGE Einführung überhaupt relevant werden würde. Ja, die Tendenz ist so brisant dass ich nicht begreife dass sie heutzutage noch nicht einmal wargenommen wird. Vielleicht weil wir wegen des Zinseszin Effektes heute schon ein ähnliches Problem haben, allerdings ohne jedem eine Lebensperspektive zu bieten?

    Und auch schon Heute ist die Freiwilligkeit am um sich greifen:
    Einen Großteil meiner Zeit verbringe ich mit Produkten die entweder kostenlos oder freiwillig zur Verfügung gestellt werden oder deren Herstellungsprozess extrem automatisiert wurde.
    -”Free to Play” Videospiele
    -Neue “Nachrichten”medien sofern man Blogs und dezentralisierte Meinungsbildung so nennen möchte. (twitter trends/etc)
    -Kostenlos verbreitete Unterhaltungsmedien (Youtube und dann wären da auch noch die “fragwürden” Quellen)
    -Denken ist auch noch kostenlos!

    Teils gehen so hoch qualifizierte Übersetzer leer aus weil sich der Aufwand nicht lohnt eine “offizielle” Übersetzung anzufertigen bei der Konkurenz. (die es umsonst macht) Also macht man es zum “hobby” auch umsonst, plus gratis download, downloads anbieten kosten ja nichts mehr. Natürlich in der jetzigen Rechtssituation verboten. Aber dass hintert so manch einen nicht, sollange man das Dach über dem Kopf hat.

    Daneben gibt es neuerdings auch legale Videoportale die eben kostenlos neuste Serien mit Untertitel anbieten. Finanziert durch bezahlte Premium Videoqualität und schnellere Verfügbarkeit als im kostenlosen Service.
    Rechtssicherheit und konstante Servicequalität sind Plusspunkte.

    Im “etablierten” Bereich Youtube und Free 2 Play Games wird teils mehr Gewinn erzielt als wenn das Grundprodukt gekauft werden muss. (da leute mit Geld auch gerne 3 bis 4 stellige Summen im “cash shop” lassen, für bunte digitale items; gibt Studien dazu wie toll es sich rechnen soll)

    Zusammenfassung: Das BGE eröffnent Chancen für jedermann (als Unternehmer) und stellt alle Marktteilnehmer vor neue Herrausforderungen. Marktanteil is king. Angebot und Nachfrage berücksichtigen.
    Quellen: Lebenswirklichkeit.

    PS: Ich sehe eine “Zukunft”. Immerhin!

  4. Privat sagt:

    @Magnus Wolf Göller:
    Unterhaltungsindustrie im weiteren und engeren Sinne.

  5. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Privat

    Immerhin davon, dass gute Übersetzer meist schlechter bezahlt werden als selbst schlechte Putzfrauen, weiß ich etwas.

    Ich übersetze sehr gerne, nicht langsam, wohl auch nicht schlecht, nähme das durchaus nicht ungerne zum Lebensunterhalte, zumal, da es auch noch stets bildet.

    Ich übersetze aber nur noch einfach so, freiwillig, wenn ich es für wichtig halte, oder zum Spaß. Wenigstens 12 oder 15 Euro die Stunde sollte man dafür doch schon bekommen. Ein bisschen was an Lernen und Ausbildung steckt ja auch noch dahinter. Arbeitet man jedoch nur halbwegs ernsthaft, so gibt es nichtmal dieserlei Lohn.

    Da gehe ich lieber auf den Bau.

    Was Du ansonsten zum BGE wirklich sagen wolltest, erschließt sich mir indes noch immer nicht.

  6. Dude sagt:

    http://www.mysticalforum.ch/viewtopic.php?f=25&t=18026&p=207801#p207801

    Ps. Wie ich freudig sehen darf, geht Dir die Arbeit auch nicht aus, Magnus. :-)

    Beharrlichkeit führt zum Ziel!

    Genau!

Eine Antwort hinterlassen