Von Kinskis und Gabriels

Pola Kinski entdeckt mit 60, dass ihr Vater ein inzestuöser Kinderschänder gewesen sei. Wenigstens erhebliche Teile der Schafspresse übernehmen ihre Aussagen glatt im Indikativ, ohne jede Unschuldsvermutung. Man wusste ja schon zu Lebzeiten Klaus Kinskis, das ist wahr, dass er ein egomanisches Arschloch und bekennendes Sexmonster war.

(Ich will hierzu wie im folgenden nicht auf weitergehende als die wichtigsten Implikationen eingehen.)

Nun Sigmar Gabriel: Zu seinem Vater, der Nationalsozialist bis zum Ende, was er erst als Bundeswehrsoldat gemerkt haben will, habe er sich, bei Gott, wie er, am Sarge dessen hinabblickend, gesagt, der Alte habe sein ganzes Leben vergeudet.

Das sagt er, als der gerade ein paar Monate unter der Erde, sich nicht einmal mehr als Greis wehren kann.

Damit hat er seinen Samen wohl auch an seinen Sohn vergeudet. Auch die Zeit, in der er ihn großzog. War dieser eine Vergeudung, ob nun Nationalsozialist oder leider Internationalsozialist. Ebenso, wäre er Monarchist oder Libertärer. In jedem Falle.

So weit aber scheint keiner mehr logisch zu denken (Gabriel  selbst hat diese Sache sicherlich sehr durchdacht, soweit er des Denkens mächtig, aufgegeigt), wenigstens, das wohl der unbewusste Trick, wenn nicht das kalte Kalkül, merke es keiner, und wenn, so wage es keiner zu sagen. Pfeifendeckel. Hier steht es.

In scheinbar kleinen, wie als ob nur so dahingesagten Dingen, stecken oft die größten Lügen. Mit dieser stilisiert sich Gabriel zum gar noch mit dem absolut Bösen mitfühlenden Opfer jenes total Bösen. Und das über dem Grab seines Vaters.

Den Rest seiner Narration will ich hier gar nicht mehr heranziehen, wägen, ob sie glaubwürdig sei, oder eher nicht. Das spielt auch keine wesentliche Rolle.

Schauen wir uns die Sache mal politsemantisch, im Sinne der erwünschten massenpsychologischen Wirkung, an.

Gabriel gibt als Grund seines fast überbordenden Gerchtigkeitsgefühles seinen (vorgeblich) nationalsozialistischen Vater an; damit ist er besser als andere, die bloß einen Stalinisten oder einen Konservativen oder Liberalen zum Vater hatten; er hat mehr gelernt; er überstand die härteste Prüfe;  sollte er Paps darob nicht dankbar sein?

So weit wird Gabriel wohl nicht gedacht haben, dass diese Implikation, so, wie er sich stilisiert, auf der Hand liegt. Hauptsache Opfer und darob auf ewig geläutert und edel.

Und: Zu Lebzeiten seines Vaters wagte er, selbst noch mit 50, kein klares Wort. Erst jetzt, da sein Erzeuger nichts mehr sagen kann, tritt er ihm ins Grab nach. Solche Leute nennt man gemeinhin Heuchler oder Feigling oder beides. Oder Schlimmeres. Hundsfötter oder dergleichen.

“Sehet her: Ich bin Spross eines Nazis, und was habe ich darunter gelitten, bis dass er endlich starb! Ich habe schon als Kind für Euch alle gelitten!”

Kinderschänder, Nationalsozialist: So lässt sich am besten Aufmerksamkeit heischen.

Frau Kinski wird ihr Buch gut verkaufen; das Kalkül dürfte aufgehen; ob Gabriel sich mit seiner – zumal auch unglaubwürdigen – Geschichte einen Gefallen getan hat, steht zu bezweifeln.

(Es könnte natürlich auch sein, dass Gabriel so doof, erst als junger Erwachsener, als Wehrsoldat, endlich zu merken, dass sein böser Papa tatsächlich ein verbohrter Nationalsozialist. Das spräche dann allerdings gegen seine Auffassungsgabe. Eher natürlich lügt er an mancherlei Eck und End infam.)

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5 Antworten zu “Von Kinskis und Gabriels”

  1. Anonymus sagt:

    Zitat: Man wusste ja schon zu Lebzeiten Klaus Kinskis, das ist wahr, dass er ein egomanisches Arschloch und bekennendes Sexmonster war.

    Woher wissen SIE das ? Kannten Sie Ihn persönlich ?
    Was wir wissen ist, dass er in diesem Ruf stand, verbreitet durch das, was hier die Schafspresse genannt wird. Wir wissen noch nicht einmal, ob diese Presse ihm diesem Ruf gegen seinen Willen oder mit seiner Unterstützung verschafft hat. Was daran eventuell wahr ist wissen wir noch viel weniger.

    Seine Tochter versucht nun aus seinem schlechten Ruf Geld zu machen, Ihm tut das nicht mehr weh und seiner Tochter nützt es vielleicht etwas. Ich weiss nicht, wie weit die Generation, der Er noch gegenwärtig ist, das Buch kaufen wird. Wahrscheinlich ist das Buch auch erst heute möglich geworden, weil viele Zeitzeugen aus der Generation von Klaus Kinski (die es besser wissen) nicht mehr unter den Lebenden sind

    Ich erinnere mich noch an ein Interview mit dem Regisseur Billy Wilder, der bekannte, er hätte oft mit Marlene Dietrich gemeinsam darüber gelacht wenn die Dietrich als „femme fatale“ dargestellt wurde, Sie hätte eher das Heimchen am Herd gegeben als die verruchte femme fatale und der Regisseur kannte Sie ! Oder denken Sie an das Abkommen unseres Ex-Ministers Karl-Theodor zu Guttenberg mit der BILD-Zeitung. Alles Quatsch ! Kinski wollte zu Lebzeiten Aufsehen erregen und er hat Aufsehen erregt, das ist das Einzige, was wir wirklich wissen.

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Anonymus

    Über Kinski gab es viele Aussagen des obigen Inhalts, die natürlich alle gelogen gewesen sein könnten. Insofern weiß ich in der Tat nicht, wie er war.

  3. Anonymus sagt:

    Inge Meysel wurde auch über Jahre zur „Fernsehmutti“ der Nation gemacht. Irgendwann hatte Sie es dann mit der Presse verdorben und dann wurde Sie als eine Kreuzung aus Ekel Alfred und J.R. Ewing dargestellt, um beim Fernsehen zu bleiben. Was ist nun richtig ? Wir wissen es nicht !

    Uschi Glas wurde auch von der Presse zum „Schätzchen“ der Nation gemacht. Ich gestehe es, bei mir hatte Sie auch Dank der ganzen Pressepropaganda einen guten Eindruck hinterlassen bis neuere Erkenntnisse Sie mit Ihren neun (!) Katzen doch als unbedarfte Schickeria-Mieze auswiesen.

  4. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Anonymus

    Sei’s drum. Ich habe Kinski nicht gekannt und war daher bei keinem seiner legendären Wurausbrüche dabei. Sexuell gab’s auch nichts. (Mal abgesehen davon, dass er wohl nicht auf Männer stand, so wie ich auch nicht.)

    Der Unterschied liegt darin, dass es zahllose Aussagen über Kinskis – sagen wir es mal vorsichtig – exzentrische Art gibt, im Falle der Sache mit seiner Tochter aber eben nur die seiner Tochter.

  5. Anonymus sagt:

    Lassen wir die Toten ruhen R.I.P.

    Interessanter sind da schon die Aussagen von Herrm Gabriel über seinen Vater, nicht das sich irgendwer für die politische Gesinnung von Herrn Gabriels Vater interessieren würde (Eltern haften für Ihre Kinder (steht auf Schildern), aber Kinder haften ganz sicher nicht für Ihre Eltern (es sei denn vor dem Fiskus, aber das gehört nicht hier her).

    Anyway, was Herr Gabriel wann über seinen Vater “auftischt” (egal ob wahr oder gelogen) beleuchtet seine eigene Persönlichkeit und Er will ja offenbar noch weiter politische Karriere machen und die Deutsche Nation an verantwortlicher Stelle Mit-Steuern.

    Wie war das Wort ? “Jeder blamiert sich selber, so gut er kann!”

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