Wie der Bischof schwult

Die anglikanische Kirche hat das Verbot der Bischofsweihe für jene aufgehoben, die in einer gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaft leben.

Allerding müssen sie versprechen, sexuell enthaltsam zu bleiben.

Das heißt also die Schwulen (Frauen, also Lesben, sind zwar zur Priester- aber nicht zur Bischofsweihe zugelassen) dürfen zwar Tisch und Bett miteinander teilen, aber einer von beiden, der Bischof, darf mit dem anderen keinen Sex haben. (Bei zwei Bischöfen dürfen es logischerweise beide nicht.)

Nun, ich habe auch schonmal in einer Zweier-Männer-WG gelebt, und bei uns war es kein Problem, dass nicht nur ich mit dem anderen, sondern auch der mit mir keinen Sex hatte. Und keiner von beiden musste das irgendwem versprechen.

Allerdings war es auch keine gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft.

Man muss diesen modernen christlichen Kirchen wirklich Achtung dafür zollen, welch weise Regelungen sie ersinnen.

Man darf offen schwul sein, mit seinem schwulen Lebenspartner zusammenleben, nur Fummeln und dergleichen, das muss man (der geistigen oder physischen Reinheit halber, oder beides?) zu unterlassen versprechen.

Und da gibt es immer noch Leute, die für viel Geld ins Kabarett gehen oder Satirezeitschriften kaufen, wo man doch kostenlos in die Kirche kann und deren offizielle Mitteilungen ebenfalls gratis erhältlich.

Nur Schwule, die also bezüglich ihres Lebenswandels derart dummdreist rauslügen, dass ihnen garantiert keiner glaubt, der irgendwie von dieser Welt, dürfen Bischof werden. Und das ist Vorschrift der Heiligen Mutter Kirche. Satte.

Ich bin immer wieder entzückt, wenn derart wichtige blödstudierte Leute wie jene Oberschafzüchter meinen, eine besonders salomonische Lösung gefunden zu haben, offenkundig nicht merken, in welch kaum übertrefflicher Weise sie sich zum Gespött aller Leute machen, die noch von auch nur ein wenig Restverstand beseelt.

Nun gut; unter den Christenhirten hat orthodoxer paradoxer Unfug ja eine lange Tradition: Das Alte Testament gilt und gilt gleichzeitig nicht. Beziehungsweise es gilt immer noch, aber auch nicht mehr. Jede christliche Kirche stuft das lediglich etwas verschieden ab. Dies den Leuten einst als Priester sinnig erklären zu können, studiert man mit eifrig strebendem redlichem Bemühn das Fach der Theologie.

Vorhin, im Traume, sahe ich einen Gaul erstaunlich behende die Niagara-Fälle hinaufgaloppieren und sodann, oben, souverän ans rechte Ufer (wer zwischenzeitlich, ab oben, mal draufsaß, weiß ich nicht mehr so genau). Ich sagte mir zwar, da die Gesetze der Physik ansonsten nicht aufgehoben schienen, dass das nicht sein könne, hoffte der guten Ordnung halber gar ein wenig, das Viech möge doch ersaufen, sahe es aber trotzdem, erklärte mir schließlich: “Warum sollte ein Vierbeiner nicht ebenso trittsicher sein, wie es von einem Zweibeiner schon lange überliefert?”

Eine besonders hohe Intelligenz oder magische Fertigkeit jedenfalls, sagte ich mir noch, muss es damals nicht erfordert haben, über ein ruhiges Wasser zu gehen, wenn selbst dieser blöde Klepper es die Niagara-Fälle hinan recht locker schafft.

Nun, ich habe durchaus ein Faible für das Paranormale; der Vergleich des equinen (immerhin nicht asininen) Traumes damit, dass etwas noch gilt, das nicht mehr gilt, hinkt natürlich mächtig; nein, er lahmt; denn es gibt nirgend einen Beweis, dass kein Mensch und auch nicht noch eine alte Schindmähre es einmal per Pedes übers Wasser geschafft haben könne oder dereinst schaffen werde. Warum nicht?

Ob der Kerl, der zwischenzeitlich auf dem Gaule saß (aber, wie erwähnt, erst oben, wo es bereits vergleichsweise sicher schien), wohl ein schwuler anglikanischer Bischof war, in homosexueller Partnerschaft ohne Sex, der Gaul in Wirklichkeit sein ihn darin tragender Partner, die Wasserfälle eine Metapher für die Kirchenhierarchie, welche hinaufzureiten der Sinn der ganzen Übung? Oder umgekehrt?

Ich wusste allerdings im Schlafe von jener anglikanesischen Neuerung noch nichts; allerdings war sie schon verkündiget, so dass ich von ihr auf telepathischem Wege durchaus schon einen Wink ins Unterbewusstsein, den Traum inspirierend, bekommen haben konnte; außerdem gibt es Vorausträume; und überdies bin ich nunmal wirklich kein ausgewiesener, diplomierter oder gar promovierter Fachmann für Traumdeutung.

Wir werden es wohl nie wissen.

Damit müssen wir leben.

(Ob der Geist weiland wirklich über dem Wasser schwob? Ritt er vielleicht nicht eher drüber? Übersetzungsfehler? Verschwörung? Hat man uns mal wieder glatt belogen?)

 

 

 

 

 

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3 Antworten zu “Wie der Bischof schwult”

  1. Thomas sagt:

    Pimpern mit Tieren ist ja nun in D untersagt (auch wenn die Fiecher vielleicht zuerst anfangen sollten… die armen kleinen Kröten, die immer so niedlich ein Bein penetrieren werden von jetzt ab strafrechtlich verfolgt. Gibt sicher bald ne Kampf… äh, Pimperhundeliste). Vielleicht mit Außnahme bei schwulen Pfaffen? Wer weiß das schon…

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Thomas

    Soweit ich weiß, ist Sodomie noch nicht wieder generell strafbar.

    Wenn Dein Hund oder Dein Rind also nicht zum Anwalt geht und sagt, dass er/es gezwungen wurde und gar Schmerzen hatte, gibt es bislang kein Problem.

    Der Bundestag arbeitet noch an einer Novelle.

    http://www.focus.de/politik/deutschland/25-000-euro-bussgeld-fuer-sodomie-regierung-will-sex-mit-tieren-unter-strafe-stellen_aid_851201.html

  3. Kolibri sagt:

    Die derzeitigen Nachrichten sind einfach genial, die skurrilen Maßnahmen werden auf allen Ebenen konsequent noch ein Stück weiter in die Skurrilität getrieben.
    Aber, wenn schon Haloweenparty, dann bitte mit richtigen Monstern.

    http://www.suedtirolnews.it/d/artikel/2013/01/04/italien-untersagt-kartenzahlungen-im-vatikan-video.html
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/schuldengrenze-eine-billion-dollar-muenze-aus-platin-soll-usa-retten-a-875814.html
    http://www.focus.de/finanzen/versicherungen/krankenversicherung/transparenz-kodex-geplant-pharmafirmen-wollen-deals-mit-aerzten-offenlegen_aid_892118.html

    Aber wie schon bekannt, Not macht erfinderisch, es gibt für alles eine Lösung.
    Amüsant,alles zusammen!

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