Augstein ein globaler Oberantisemit?

Das Simon Wiesenthal Center rechnet – auf Empfehlung Henryk M. Broders – den Journalisten Jakob Augstein unter die weltweit zehn schlimmsten Antisemiten (als einziger Deutscher auf der Liste!).

Interessant die Facebook-Antwort Augsteins auf diese Art der “Auszeichnung”:

“Das SWC ist eine wichtige, international anerkannte Einrichtung. Fuer die Auseinandersetzung mit dem und den Kampf gegen den Antisemitismus hat das SWC meinen ganzen Respekt. Um so betrueblicher ist es, wenn dieser Kampf geschwaecht wird. Das ist zwangslaeufig der Fall, wenn kritischer Journalismus als rassistisch oder antisemitisch diffamiert wird.”

Der Laden also, von dem er derart – Broder vergleicht ihn mit Julius Streicher – nazifiziert wird, hat seinen “ganzen Respekt”.

Das meint er doch nicht etwa ironisch? Was faselt der da?

Einzig, dass das SWC seinen Kampf durch eine derartige Wahl schwäche, ist seine Sorge, vorgeblich.

Andererseits sieht er kritischen Journalismus (seinen) als rassistisch bzw. antisemitisch diffamiert.

Wie kann eine Organisation, die kritischen Journalismus (in seinem Falle ganz konkret einen kritischen Journalisten) diffamiert, Augsteins ganzen Respekt haben? Hat der einen Sprung in der Schüssel?

Man sieht jedenfalls, dass Augstein, der über diese Riposte von gerade mal vier Sätzen wohl sehr genau nachgedacht haben dürfte, sich in sich völlig widersprüchlich äußert.

Schadenfreude gegenüber Augstein liegt mir allerdings fern. Er ist zwar auch sonst manchmal etwas naiv, seine politischen Ansichten entsprechen auf vielen Gebieten nicht den meinigen, aber er ist wohl im Ganzen ein recht honoriger Mann mit lauteren Absichten.

Dass er jetzt nicht nur von Broder national, sondern vom SWC weltweit als Oberantisemit eingestuft wurde, der linke Gutmensch, weil er Israels Politik zu kritisieren wagte, ist natürlich ein mächtiges Signal an alle deutschen Redaktionsstuben.

Denn wenn man bereit ist, selbst auf den leiblichen Sohn Martin Walsers, den Ziehsohn des Spiegel-Gründers Rudolf Augstein, Inhaber des linken Freitag, mit derlei schwerer Haubitze zu feuern, dann ist keiner mehr sicher, dann kann es jeden treffen, der nicht zweihunderttausend Prozent projüdisch und proisraelisch.

Dieses Signal dürfte deutlich und unmissverständlich angekommen sein.

(Übrigens ebenfalls interessant, wenn man sich Kommentare zur Sache anschaut, dass sehr häufig ähnlich argumentiert wird, wie Augstein das tut. Das einst so scharfe Schwert des Antisemitismusvorwurfs werde so, leider leider, immer stumpfer. Als ob es nicht genug echte Antisemiten gäbe, die gejagt gehörten. Die man geradezu verharmlose, sich ins Fäustchen lachen könnten, wenn man jetzt schon einen so braven Mann wie den Augstein auf die Liste setze. Auf Platz eins stehen übrigens ägyptische Moslembrüder: Semiten sind also die absoluten Oberantisemiten.)

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