R. und sein Weib

R. ist echt eine Marke. Ein Zotenreißer, wie ich nicht viele getroffen.

Gestern berichtete er davon, wie ihn einer anlaberte, er habe Sozialwissenschaften studiert.

Er entgegnete jenem, ja, Sozialwissenschaften habe er auch sechs Silvester lang studiert. Und gackerte, indem er das berichtete, übers verdutzte Gesichte jenes Infanten, der, dann doch etwas ungläubig, rätselte, wie nur R. gackern kann.

Im Herbste beschrieb er, wie es mit den Maßen auf dem Cannstatter Wasen, unserem Großbierzeltsauffeste, sei. Bei Dreien sei der schlimmste Durst weg; bei Vieren merke man, dass man doch schon etwas getrunken habe; bei Fünfen verziehe sich alles ein wenig; bei Sechsen suche man nach der Straßenbahn; bei Siebenen finde man sie höchstwahrscheinlich nicht mehr. (Natürlich ging das im Original so: “Wennda drei dronga hosch, noh…”)

Der lässt auch wirklich nichts anbrennen.

Manchmal bechert sein Weib mit. (Die lässt da auch nichts anbrennen, was im folgenden deutlich werden wird.) Mir ward absolut glaubhaft berichtet, dass R. und sein Weib es mal wieder ein wenig krachen gelassen hatten, auf ebenjenen Barhockern, wo sie das zu tun pflegen.

Dabei ging Madame irgendwann von der Sitzgelegenheit thekab zu Boden.

R. registrierte, zeitab, dass seine Gattin nicht mehr traut neben ihm saß, sah sich um, schließlich auch nach unten, und meinte nur: “Wa machsch noh du do onda?”

Madame kam wieder hoch, sie ist zäh wie ein R.

Etwa eine Viertelstunde später folgte der Zweitabsturz.

Aufs neue wunderte sich R. irgendwann, wo sein Weib geblieben sei.

Sie wiederum entdeckt habend versetzte er nur, keinen Finger rührend: “Ja wia, liegsch du emmer noh do onda?”

Das sind über vierzig Jahre Ehe, so zeigt sich blindes Vertrauen, wahre bewährte Liebe.

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