Alles Schöne umfängt die Welt

Ich habe mir aus gegebenem Anlasse – allerdings erst heute, also da er wie immer ausgefallen war – mal überlegt, was ich an einem Weltuntergangstage täte, wäre ich überzeugt, der wäre es jetzt doch.

Klar, dass ich mit der richtigen Frau nochmal richtig zu juckeln suchte. Dazu einen wirklich gescheiten Wein beigetrieben. Nein, Fehler, mehrererste derer. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Außerdem ginge ich in die Markthalle. So sicher, wie dass das Nashorn keinen langen Rüssel hat.

Dorten 200 oder 500 Euro zum Ende der Dinge hin verbratzt, den alten Ibérico-Schinken und den Italienern Würste und Käse rausgelassen, Meeresfrüchtesalat, Kirschtomaten, und was man sonst noch so zum anständigen Vorsterben braucht, zwischendrein, während die Wachteln schmurgeln, noch einen letzten lesbaren Text geschrieben: und nichts mehr vermöchte mir den Schlusstag zu trüben.

Vielleicht hielte ich sogar eine Art Andacht. Fünf Minuten sollten dafür reichen. Einfach nochmal an die Deichlammkoteletten denken, die ich weiland in Belgien aß. An den Alpenbergsee bei Vollmond. An den rosa Frosch mit grüner Gasmaske, den ich in Schottland sah. An die Kobolde unter der aus dem Felse gewachsenen Eberesche dort. An die schönsten Augenblicke der Liebe.

Ja, und, egal wie schlecht, singen und trommeln täte ich auch nochmal.

Meine Lieblingsmesser nochmal abziehen, auf dass sie wenigstens nicht halb stumpf verglühen müssen möchten, womöglich auch meine besten Stiefel ein letztes Mal liebevoll fetten und nachbürsten. Könnte ja sein, dass man auch im Jenseits auf langen Wegen lieber festes Schuhwerk anhat.

Ja, einen alten Malzwhisky tränke ich wohl auch. Oder auch zwei.

Meinen Kindern erzählte ich, wofern sie ebenfalls meinten, dass das Ende nah, wenigstens noch eine selbsterfundene Geschichte. Eine Art Rittergeschichte, ähnlich, wie ich das machte, als sie noch ganz klein waren, nur dem Alter angepasst. Eine, die ihnen verhieße, dort drüben auf Sleipniren weiterzureiten.

Vor allem außer dem aber übte ich mich noch einmal im Lachen.

Im Sauterneslachen und im Spätburgunderlachen. Nebenher einen gut Gerollten rauchend.

Das liebe Weib umarmet mich dabei, gerade mal ein süßes Tränchen verdrückend, alles stehet stille, alles Schöne umfängt die Welt.

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