Freundschaft (II)

Mit der Liebe (ob auf körperlicher oder geistiger Ebene) klappt es ja bekanntlich oft bei vielen lange nicht so recht. Darüber will ich jetzt auch nicht reden.

Ich frage mich, weshalb so viele es, wenn das nicht hinhaut, nicht wenigstens erstmal mehr mit der Freundschaft versuchen.

Stets soll es gleich die “Große Liebe” sein.

Ja, der Freund, mit dem man beim Biere sitzt und sinnt und Dinge wälzt und auch mal lacht, der mag einem die geliebte Frau im Arme nicht ersetzen können; und doch: Was ist das für eine tumbe, törichte Rechnung?

Liebt man etwa nicht auch einen echten Freund?

Mag der vielleicht nicht viel treuer sein, und immer noch da, wenn eine Frau schon verflossen?

Nicht wenige werfen eines Weibes wegen ihre Freunde weg gleich verfaulten Kartoffeln; oder sie jammern, wenn das Weib weg, bei ihren Freunden, wenn doch noch welche geblieben, nur noch darob, dass das Weib weg.

Oft genug soll sich das dann der Freund anhören, der, als das Weib noch da war, des Weibes halber nichts mehr galt, trotzdem treu blieb.

So erhält er zur erfahrenen Missachtung noch Unbilden extra. Gratis.

Viele denken noch nicht einmal so weit, in ihrem Wahne, dass ein Mann (ich rede jetzt mal nur soherum; Frauen mögen es analog aufnehmen), der immerhin Freundschaften pflegt, selbst wenn verlassen oder gar verwitwet, doch immer noch eine Art der erfüllten Liebe, wenn auch eine andere, pflegt und erfährt. Eben nicht bloß als selbstmitleidiger Trauerkloß nur noch seinen Schatten über alles legt.

Wir haben es dabei aber auch mit einem gesellschaftlich angelegten Grundproblem zu tun.

Eine alleinstehende Frau, die nicht völlig daneben und unattraktiv, gilt als eine, die es sich raussuchen kann, eben wählerisch wählt, nicht jeden ranlässt; ein Mann, der längere Zeit alleine, aber weder Libido noch den Wunsch nach Verbindung mit einer Frau aufgegeben, gilt (außer er behauptet, das interessiere ihn nicht mehr, was ihm aber schwerlich geglaubt wird, wenn er nicht gerade ganz misogyn auf den Putz haut) als einer, der halt keine mehr abkriegt, ein Versager.

Das ist natürlich ein gewaltiger Unfug, kann sehr belastend wirken.

“Ob der je nochmal eine findet?” – also tuschelt es sich hinter seinem Rücken, und er merkt das, so oder so. Was seine Stimmung auch nicht eben hebt.

Aber auch darüber zu jammern hilft nicht. So ist es eingerichtet. Noch.

Freundschaft!

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21 Antworten zu “Freundschaft (II)”

  1. Dude sagt:

    Lieber Magnus

    Du sprichst mir damit direkt aus dem Herzen!

    Es gab dahingehend schon haufenweise Selbsterfahrungen, und nur wenige begreifen wirklich, was Freundschaft tatsächlicherweise, und zu Ende gedacht – und vorallem GELEBT – bedeutet (aber auch das wird an den Verbildungsinstitutionen und in der Schafsmedienpropaganda systematisch in die verquerten Hirne geimpft!)…

    Der Artikel hätte von mir sein können!

    Ein Mann, ein Wort, genauso wie andere rechtschaffene, im natürlichen Gefüge der Liebe und Menschlichkeit selbstverständlichen, Dinge, sind heutzutage im neobabylonischen Teufelssystem mitsamt seiner Sklaven oftmals nur noch Schein.

    Es ist traurig… Himmeltraurig!

    Ps. Ich weiss schon, weshalb Onkel Friedrich nie müde ward, vor den Weibsbildern zu warnen. Ja, es gibt der Göttinnen, die Welten zu bewegen im Stande, aber die Regel ist abgründiges und verachtenswertes, materiefixiertes und hirngewaschenes, komplett verblödetes Gesoxx!
    Pps. Mich störts – angesichts dessen – jedenfalls absolut nicht, dass ich schon Jahrzente keinen anständigen Fick mehr erlebt habe… Materiefixierter Bullshit in einem abgründigen System beherrscht von krankhaften Zentralistenpsychos!
    Ppps. Nutten empfand ich schon nach der ersten Erfahrung als reiner, vom wesentlichen, vom Leben ablenkenden Bullshit ;-)
    Pppps. Wer sich um Geplapper hinter dem Rücken – egal welcher Art – noch überhaupt tangieren lässt, hat etwas entscheidendes in diesem Irrsinnssystem des kosmischen Santatoriums im Quanentcomputer noch nicht gecheckt, und sollte tief in sich gehen.

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Dude

    Ich bin keineswegs “frauenfeindlich”.

    Sondern habe ich hier schon mehrfach die These vertreten, dass Frauen, und sie merken es meist nicht, durch den ganzen Genderdreck usw. durchschnittlich noch mehr ins Unglücke und von sich selbst weggeführt werden als gar Männer. Das ist ja das eigentlich “Teuflische” daran.

    Noch vorhin, ich leistete mir ein Bier in meiner Stammkneipe, kam es dazu, dass ich (von einem Manne, den ich schon gesehen hatte, seine Begleiterin kannte ich schon aus ein paar Wortwechseln) auf meine Weibslosigkeit angesprochen ward.

    Ich sagte, dass man als Alleinerziehender mit zwei Kindern eben nicht der Riesenrenner am Markte sei, die Frauen wollten meist allenfalls Knder mitbringen, sich aber keine fremde Brut einhandeln, wodurch sich das Angebot schonmal verschmälere, und außerdem hätte ich keinen Bock auf doofe Weiber.

    Letzteres sage ich inzwischen überall, manchmal sogar, wenn ich dazu nicht direkt gefordert bin. Noblesse oblige.

    Ich weiß immerhin, was ein nichtdoofes Weib ist.

    Damit scheine ich einen nicht zu unterschätzenden Wissensvorsprung gegenüber vielen Männern zu haben.

  3. Dude sagt:

    Es ging mir oben auch nicht im entferntesten darum, Dir frauenfeindlichkeit zu unterstellen – absolut nicht!

    Ich habe nicht umsonst die letzten wahren Göttinnen erwähnt, welche wahrlich Göttinnen sind, und nach denen jeder bewusste Mann FREIWILLIG tanzt, weil er eben weiss, dass sie nicht materifixierte Biatches sind, sondern wahre Göttinnen.

    Leider sind sie selten geworden…

    Ps. Fahr mir aus mit dem Patchwork-Familiy-Mist.
    Bioroboter, solche! ;-)
    Pps. “nicht-doof” ist eine ungeheurliche Beleidigung! Deine Wortschöfpungen und Bezeichnungen im Allgmeinen suchen ihres gleichen, aber hier hast Du ins Klo gegriffen!

  4. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Dude

    Das “nichtdoof” war nur schwäbische Untertreibung, zudem satirisch gesetzt.

    Meine Schreibhand riecht also nicht nach Klosett.

    Auch will ich hier nicht angeben wie zehen nackerte US-Panzerfahrer, wenn sie drei Bier getrunken.

  5. Dude sagt:

    Jaja, blend’ doch das grosse Lob aus und fixier auf den nebensächlichen Tadel *chchch* ;-)

    Frisch gebrauter, warmer und köstlichster Alpenkräutertee mit Honig, Rohrzucker und Rum passt auch. ;-)

  6. Dude sagt:

    Da fehlt noch was…

    …da wird jeder Panzer hinfällig. :-D

  7. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Dude

    Also gut. Setzen wir mal den Fall, dass ich mich mit “nichtdoof” vergaigelt hätte.

    In letzter Zeit hatten wir ja hier immer wieder Besuch von einer “Nichtdoofen”. (Zwei andere “Nichtdoofe” sind mittlerweile verschwunden.)

    Nicht nur, dass ich sie nicht gleich als “Göttin” anbeten wollte (was sie wohl auch nicht unbedingt schätzte), auch, dass ich ihr keineswegs nur zustimme, sondern auch, dass ich mich hier aus guten Gründen nicht einfach, nur noch mit einem großen Zehen senkrecht scharrend, in den Staub werfe.

    Jene, die Du “Göttinnen” nennst, müssen auch gewahren dürfen, dass man ihrer wirklich achtet.

    Auch edelste Frauen lieben ein gutes, ehrliches Lob; aber umschäumt und umschleimt werden, das wollen sie nicht. So jedenfalls kenne ich das.

    Sie sind nämlich selbst tüchtig; es muss ein Mehr sein; Anbetung, Hurra, irgendwelche Bezeugungen, Versprechungen: “Noch so ein Schlunz?”

    Sie suchen sich ohnehin den raus, den sie wollen. Damit kann man jedes klassische Werben sowieso vergessen.

    Mehr, als dass man sich ehrlich und dabei doch so gut als möglich zeigt, seine Kontur darin nicht verlierend, liegt eh nicht drin.

    Die undoofen Frauen merken alles.

    Denn zu ihrem Weibsinstinkte tritt ja auch noch ein klarer Blick und ein unbestechlicher Verstand.

    Sie wollen schließlich auch keinen, auf den sie zwangsläufig herabsehen müssen.

    Also sollte der Kerl schon – auch wenn ihm mal ein bisschen vom üblichen Theater gewährt werden mag – nicht gleich winselnd in sich zusammenbrechen.

    “Göttin”, das sollte man sich dafür aufsparen, wenn sie einem auch Göttin sein will.

    (Peinlicher Vortrag. Ich wollte ja grade – wenigstens zunächst – weg von den Weibern. So aber kommt es manchmal im Leben.)

  8. Dude sagt:

    “Zwei andere “Nichtdoofe” sind mittlerweile verschwunden.”

    Lesezeichen hast – oder haben wir ;-) – entweder einfach verschreckt, oder sie hat mit ihrem Buchprojekt tatsächlich so viel zu tun, dass jedwede Kommentaraktivität zeitlich nicht mehr drin liegt (was ich durchaus nachvollziehen könnte, und daher als das wahrscheinlich betrachte).

    Die Campo de Criptana-Geschichte – Phönix und Armin lassen grüssen ^^ – ist aber definitiv sehr schräg! Und das sag ich, obschon ich das Heu auf einer völlig anderen Bühne habe als Miss T.

    “Nicht nur, dass ich sie nicht gleich als “Göttin” anbeten wollte…”

    Wer spricht denn hier von ANBETEN??? Nein!

    Anerkennen, wertschätzen und ehren, aber dabei immer Selbst als Individuum völlig Selbst, offen, frei und ungebunden – unbedingt!

    Damit logischerweise auch nicht umschwärmen, umgarnen und arschkriechen, sondern lediglich entsprechend aufmerksam würdigen, danken und loben, so es geboten; was es bei den seltenen wahren Göttinnen eben meist ist! (Lustigerweise ist die Bardame in dem Laden, in den ich Armin entführte, genau so eine, und sie sagte mir heute, nichts konkret von mir wollend, dass sie nicht alle Gäste so freundlich behandle wie mich, absolut nicht… ;-) )

    Es sind aber definitiv Göttinnen (mit ihrem Wollen hat das nichts zu tun, denn so sie’s nicht will, ist es lediglich ein Zeichen von demütiger Hingabe an das Göttliche, womit die bezeichnung gleich noch treffender wird!), weil sie sich dessen, wenn womöglich auch nicht direkt auf der oberfläche, dann aber sicher tief innen drin, absolut bewusst. Sonst wären sie keine! Und das ist ja das Problem bei vielen Weibsbildern und auch den ganzen billigen Abklatschen von Möchtegernmännern…

    Konstrukte, Konstrukte – fahle Idelogien… Bun’em!

    Werben ist für geldgeile kranke Idioten, nicht für Menschen. Der wahre Mensch zeigt, allein durch sein SEIN, dass er würdig ist.

    Ps. Ja, das Leben bringt manchmal eigenartiges hervor…
    Ich hab heut übrigens das erste mal einen Kommentar bei Deiner Zeitgeist-Kollegin Frau Beck geschrieben – welch Zufall.. *lol* :-)

  9. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Dude

    Ja, das mit Tanja gibt ebenso zu denken. Ich habe versucht nachzufassen, aber nicht konsequent genug. Mist. Hausaufgabe.

    Zum anderen.

    Eine Bardame also.

    Nett zum halb-nicht-mehr-im-Arsch-Dude.

    Bist Du Dir ganz sicher, dass sie nicht nur aus allgemeinem Mitleiden so nett zu Dir zu sein Dir ansagte, oder (und), weil Du so erbärmlich angedudelt warst?

    Ich ginge, wäre ich mir nicht ganz sicher, hätte sie mir gefallen, trotzdem nochmal in die Bar. Aber mit einem Sicherheitsabstand von wenigstens einigen Tagen.

    Wo sind denn jetzt die Freunde?

    Schon wieder nur Weiber?

  10. Dude sagt:

    So sicher, wie dass es in der Wüste Sand hat!
    Es war ja auch nicht die erste Begegnung…

    Da es eine der letzen übrig gebliebenen Bars ist, wo man in Züri-Downtown noch eine zum Drink rauchen darf, werd’ ich da mit Sicherheit wieder einkehren, und sie war bisher jedes mal dort… ;-)

    Sie gefällt mir. Aber ich möchte mich ihr nicht zumuten. :-D

    Weiber können eben auch Freunde sein… :-)

    Schlaf wohl – mich butzts grad nach dem zweiten Tee! ^^

  11. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Dude

    Mich schmeißt es jetzt auch.

    Einfach absahnen.

    Wenn man dazu sogar noch rauchen darf…

  12. Thomas sagt:

    Zum Thema Große Liebe anstatt Freudschaft: Du vergisst die Hormone, Magnus. Die Große Liebe ist von der Natur sinnvoll eingerichtet. Das auf ewig Zusammenbleiben… naja, wohl eher nicht.

    Freundschaft ist dagegen etwas anderes. Freundschaft definiert sich nicht durch Hormone (Feindschaft schon eher) sondern durch Schnittmengen, die groß genug sind. Dies zumindest ist meine Erfahrung. Ich habe Freunde verloren, weil ich irgendwann die Schnittmengen sehr stark verschoben habe. Manchmal trauere ich ihnen nach, halte die vergangene Zeit in Ehren und denke gerne daran zurück. Dennoch kann ich nicht mehr mit ihnen. Oder anders: Ich könnte mit meinem früheren Selbst nicht mehr.

    So ist der Lauf der Dinge. Ich denke oft, ich würde still stehen, hätte keine Entwicklung, kein Fortschreiten. Doch gerade diese verschobenen Schnittmengen und der einhergehende Verlust von Freunden, denen man sich nicht im Streite getrennt, belehren mich immer wieder eines Besseren.

  13. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Thomas

    Es kann natürlich auch der andere sein, der die Schnittmengen durch seine Entwicklung verkleinert.

    Es gibt ganz einfach auch Phasen, sei es, dass Weiber dabei eine Rolle spielen oder auch nicht.

    Gerüchte können Übles anrichten, Nachlässigkeit, das vermeintliche oder tatsächliche Glück des einen gemessen am anderen; auch der jeweilig erlangte gesellschaftliche Status.

    Für viele ist der alte Freund auch eine lebende Erinnerung an Zeiten, die sie abstreifen wollen. Also verdrängen sie ihn mit.

    Wenn es kein entscheidendes Zerwürfnis gab, auch keine langsam zunehmende Entfremdung, ist das meist der Grund. Reine Angst.

    Ich hatte nach vielen Jahren zu einem gesellschaftlichen Anlass eine Wiederbegegnung mit einem, der sich, wie zu erwarten, glänzend durchgebissen hat und wahrscheinlich nach Steuern im Monat das verdient, wovon wir Dreie ein Jahr lang auskommen. Ich sah allen alten Bekannten an, dass er keinen Gegner mehr hatte. Nur ich kleine Wurst, der SAP gerademal buchstabieren kann und weiß, dass es klüger gewesen wäre, das zu lernen, als meine unnötigen Wörter und Wendungen, vor dem nahm er sich mächtig in acht. Er weiß noch so gut wie ich, wie er mir weiland von hinten zusetzte. Klug, wie er ist, ließ er es nicht auf ein Wortgefecht ankommen.

    Zwischenzeitlich traf ich zufällig einen anderen, der dort nicht zugegen war, aber die ganze alte Clique kennt, nicht weniger erfolgreich, zwar wohl nicht finanziell, aber statusmäßig sicherlich, der mir schließlich bekannte, beim Spätbiere, jenen für ein Arschloch zu halten. Und ich sah, dass die ihm zugefügten Verletzungen bis heute an seiner Seele zerren.

    Mich juckt, nach allem, was sonst in meinem Leben zwischenzeitlich passiert ist, der alte Verrat nicht mehr sonderlich; aber als ich das gewahrte, sagte ich mir nochmal und erst recht, dass der mir gegenüber nicht auch nur ein weiteres Mal frech wird, ohne eine Abrechnung zu erhalten. Am besten vor allen, die er sich offensichtlich mental unterworfen hat. Dabei übrigens sein damaliger Hauptkumpan wider mich.

    Er sah mich (wusste hinreichend darüber, wie es mir die letzten Jahre ergangen), aber nicht so zerstört, wie (das muss ich zumindest situativ, aber auch potentiell weiterreichend unterstellen) er sich das wohl gewünscht hatte.

    Für mich ist er nicht vom Freunde zum Feinde geworden; er aber wird jeden Ort meiden, wo er nur in meine Nähe kommen könnte. Mit gutem Grunde; denn sein Geld imponiert mir nicht, mir weiß er nicht das Ohr abzukauen.

    So kann es auch gehen.

  14. Thomas sagt:

    Nochmal zu den Schnittmengen. Ein Gedanke, der mir gerade kam; unausgegoren, provokativ:
    Wie kann ein Freund, der Freund nur durch die beiderseitigen Schnittmengen ist, garniert mit etwas “Unterschied” zum Streiten, geliebt werden? Ist der Freund dann nicht eher der Spiegel des eigenen Selbst? Vielleicht im Ideal mit ein paar Eigenschaften, die man sich selbst an sich wünscht? Wird ein Freund der Schnittmengen nicht dadurch zur geistigen Hure degradiert? Was ist ein Freund dann wert? Ist ein Freund der unbemerkte Ausdruck von Selbstverliebtheit, gar von blankem Egoismus? Ist das eigene Bild im Spiegel dann nicht der bessere Freund? Der Mensch im Spiegel ist zwar kein Freund der Widerrede, stimmt aber in Allem überein. Langweilig? Ja. Aber aus Sicht der Schnittmengentheorie dann doch der beste Freund, den es gibt.

    Macht also nur der Unterschied den Freund und nicht etwa die Schnittmengen? Wenn ja, wieviel Unterschied ist nötig, wieviel davon ist zuviel? In welcher Penetranz ist der Unterschied akzeptabel? Welche Qualität in welcher Quantität ist wichtig und erträglich? Macht auf einer Meinung oder Ansicht beharrender Freund die Freundschaft kaputt wenn ich das Gegenteil vertrete? Ab wann? Wie oft muss der Gegensatz zu Tage treten, bis es knallt? Muss es knallen? Wenn nicht, warum nicht? Was macht den Unterschied aus? Oder macht am Ende nur die (gemeinsame) Zeit das Gift?

    Mir fehlt zu diesem Thema die Literatur und ich nahm mir nicht die Zeit, den Gedanken zuende reifen zu lassen, deshalb verzeiht die wirre Fragerei.

  15. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Thomas

    Mannomann.

    Du stellst Fragen.

    Dein wohl zumindest beruflich vom technisch-logischen her bestimmtes Denken greift auch hier richtigerweise den Umkehrschluss zum Thema Schnittmengen auf. Bzw. die Gegenfragen.

    Deine Fragerei ist in keiner Weise wirr. Im Gegenteil. Sie leistet konsequent aufgebaut das, was viele gefeierte Bücher voller vorgeblicher Antworten nicht leisten.

    Man wird sie empirisch-statistisch erhoben wohl kaum beantworten können.

    Sie gehen von der Motivation für eine Freundschaft über das Bestehen bis zum Ende einer solchen.

    Das sind Fragen zum Insichtragen.

    Jedenfalls kann ich, für so wichtig wie ich sie halte zumal, und wohl nicht nur, weil bei mir aufgrund nächtlicher Wanderungen gerade erst gefühlter Vormittag, keine einzige davon einfach so eingermaßen gültig beantworten.

    Ich probiere es mal so teilweise, wie ich’s grade vermag.

    Was Du Schnittmenge nennst, ich sagte mal auch das Gemeinsame, wo Interessen, nicht notwendig, aber doch häufig auch bestimmend Meinungen, wo nicht konform, so doch in eine ähnliche, mindestens verwandte Richtung gehen, bedarf wohl eben der Würze des Unterschieds; sonst, wie Du’s schon mit dem Spiegelbilde zeigtest, redete man nur mit dem Spiegelbilde als bestem Freunde, also sich selbst (und das mache zumindest ich fast den ganzen Tag).

    Ich denke, dass hier, wo wir die Hormone, die bei einer Liebesbeziehung wirkweis nun eben nicht zu vernachlässigen, eher beiseite lassen können, in gewisser Weise sich noch mehr von der geistigen Verfasstheit eines Menschen ausdrückt, als bei einer jener; das allerdings gilt auch nicht generell, denn es gibt auch Liebesbeziehungen mit starker sexueller, auch heftig dahingehend ausgelebter Komponente, die eigentlich wesentlich von geistiger Gemeinsamkeit und dem entsprechenden Reiz, dem hinaufweisenden Unterschiede geprägt. Ich sage es mal so platt: Es soll noch Paare geben, die nicht nur miteinander essen und schnackseln können, sondern sich auch verbal und nonverbal, Freunden gleich, aneinander reiben, entzünden, geistig weiterentwickeln.

    An letzterem liegt es wohl im Kerne. Sagt der Freund mir nur (noch), was ich schon weiß? Habe ich ihm nichts Neues mehr zu sagen? Bin ich für ihn, er für mich, nur noch Gewohnheit, eine Monstranz gar?

    Ganz hinten liegt natürlich auch die allzumenschliche Frage: “Hülfe er mir noch in der Not?”

    Denn abgesehen von Geselligkeit und geistiger Entwicklung bietet Freundschaft ja auch Geborgenheit; und das mag auch mal eine Nothilfe ausgreifenderer Art sein, fängt aber schon damit an, dass man sowohl belastende als auch Dinge erwähnen und prüfen lassen kann, die vor einem stehen, die so wenig sonsten mitteilbar alswie einen gerade begeisternd sind.

    Insofern ist ein guter Freund immer Spiegel der eigenen Seele.

    Bei mir sieht es gerade so aus, wie als ob ich einen ganz alten verlöre. Ich habe nur eine vage Ahnung, weshalb. Es gab kein Zerwürfnis, es scheint lediglich von der anderen Seite her eine Art Verödung stattzufinden. Ich frage mich jetzt, ob ich das forsch ansprechen solle, womit ich es gerade verkehrt anstellen könnte, oder ob ich abwarten solle, womit ich es auch gerade verkehrt anstellen könnte. (Abschreiben werde ich ihn, begeht er nicht wirklich Arges wider mich, ohnehin nie.)

    Die Schnittmengen sind hier sicherlich nicht verlorengegangen; auch nicht die fruchtbaren Unterschiede; es gibt eben auch noch die genannten dritten Faktoren, inhibierend, alsda Status, Umfeld, oft das Weib.

    Manchmal muss auch einer nur mittelprächtig auf die Fresse fliegen, und schon erinnert er sich seines Freundes. Und zwar nicht nur der Not halber, weil er Hilfe heischt, sondern ganz eigentlich, weil er sich und ihn wiedererkennt. Das gibt es selbstverständlich auch in Liebesbeziehungen.

    Gut. Jetzt habe ich ein wenig geschwafelt. Deine Fragen waren jedenfalls besser als meine versuchten Antworten.

  16. Thomas sagt:

    Ist eine nichtbeantwortbare Frage besser als ein unklar bleibender Versuch einer Antwort?
    Ich denke nicht.
    Danke für deine Antwort.

  17. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Thomas

    Ich habe nicht gesagt, dass Deine Fragen nicht beantwortbar seien.

    Lediglich, dass es keine eindeutigen, statistisch belegbaren Antworten darauf geben könne.

    Solche Fragen können, wenn eben doch sinnvoll, was hier meines Erachtens zweifellos vorliegt, mit die wertvollsten und gewichtigsten sein.

    Friedrich Nietzsche, nicht der plattesten Flachköpfe einer, stellte viele solche Fragen. Das Senkblei ins Unergründliche sehr tief hinablotend.

    Nehmen wir die Ergänzung, die Schwester des Lotes: die (Wasser-)Waage.

    Hier geht es um Tiefe wie um Gleichgewicht. Ums Wägen in die Tiefe.

    Das mag vieler Menschen Ding nicht sein.

    Aber, um mit Nietzsche zu sprechen: “Was schiert mich das!”

    Derlei Fragen, auf den Punkt gebracht, bewegen den Geist und damit die Welt. Stelle Dein Licht nicht unter den Scheffel.

    Hier jedenfalls sind derlei Fragen willkommen. Und sei es nur bei mir. Das reicht.

    LG gen Ünnerfronge

  18. Thomas sagt:

    Den Fritz hab ich noch immer nicht angelesen, eventuell bringt der mir mehr Licht in das Dunkel der Fragen.
    Und ich hab auch nicht gesagt, dass meine Fragen nicht beantwortbar wären. ;)

    LG ins unnerfrängische Ausland!

  19. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Thomas

    Ich empföhle Dir “Zur Genealogie der Moral” und/oder “Jenseits von Gut und Böse” bzw. die “Götzendämmerung” und anschließend oder auch gleich den Zarathustra.

    Du bist reif genug und aus einem Holze gschnitzt, dass es auch von vorn nach hinten fußen dürfte.

  20. Thomas sagt:

    Den Zara hab ich schon da, den Rest werde ich mir herbeikarren lassen. Einzig die Zeit zum Lesen fehlt… ich hab mittlerweile mehrere Dutzend Bücher da, die ich noch lesen will… Und der Streik hat ganz schön aufgehalten. Jetzt ist erstmal Roland Baader dran: Kreide für den Wolf

  21. Dude sagt:

    Jenseits von gut und böse folgt als nächstes, um mich danach an Ecce Homo zu machen…

    http://www.gutenberg.org/ebooks/authors/search/?query=nietzsche ;-)

    Die E-Leser sind schon nützlicher Technoschrott, zumal man ganze Bibliotheken mit sich schleppen kann, mit kaum 200 Gramm Gewicht…. ….und vieles Lesenswerte unterliegt noch nicht mal dem ätzenden Copyrightmist! :-)

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