Zur Entspannung: Ein kleiner Crowley-Lug

“For pure will, unassuaged of purpose, is every way perfect.”

Das Obige ist ein Gedächtniszitat aus jenem “Liber Al” jenes Aleister Crowley (oder seines Herunterkanalers), aber es dürfte stimmen.

Ich versuche mich mal an einer neuen Übersetzung: “Denn reiner Wille, unerweicht von Zweck, ist allwegs vollkommen.”

Was für ein also primitiver wie grandioser Lug!

Im Wollen selbst steckt ja immer ein Zweck, ein Ziel, ein Vorgenommenes, ein als erstrebenswert Hingestelltes, Erachtetes!

Wo soll denn ein derartiger “reiner Wille” sein?

Einfach so irgendwie Vorsichhinwollen?

Was ist denn das für ein Unfug?

Klingt fast so dumm, böse, schlimm, wie vieles in der Bibel.

Aber es ist wieder einmal ein attraktives Konzept.

Wäre ja ganz nett, könnte man einfach so durchdiegegendwollen, und das ergäbe sich auch noch als in jeder Richtung vollkommen.

Sowas lässt sich kein aufsässiges Kind zweimal sagen.

Man zerspreche derlei Lügen, wo man sie nur sieht und findet!

 

— Anzeigen —


Tags:

2 Antworten zu “Zur Entspannung: Ein kleiner Crowley-Lug”

  1. Lisa sagt:

    “Denn reiner Wille, unerweicht von Zweck, ist allwegs vollkommen.”

    Möglicherweise ist das gar nicht so falsch. Wenn man Wille und Intention als Einheit setzt – und gewöhnlich ist das so, dann ist es wichtig, die Absicht und den Zweck nach dem Postulieren gewissermaßen zu vergessen, um diesen “Willen” nicht durch kontraproduktive Gedanken, Zweifel, etc. zu zersetzen.

    Ich wollte bei “Korruption” einen Kommentar schreiben. Der Browser behauptet aber immer wieder, ich hätte ihn schon einmal abgeschickt. Er hat ja recht, aber er ist nicht erschienen. Könntest Du ihn dann an die richtige Stelle setzen. Danke schön.

    Du rennst offene Türen ein!
    Ich brauche keinen Frauenbonus!

    Aber zuerst einmal zu Beuys. Ich habe keine Meinung zu seinem Tun. Ich weiß nicht, ob das Kunst oder Klamauk ist. Das ranzige Fett oder die Schiefertafeln sind jedenfalls wenig attraktiv. Auch verstehe ich die Aussage nicht. Aber in der Kunstszene hat man mich belehrt, dass das unwichtig sei und nur Banausen danach suchen. Allerdings finde ich den Satz, dass “jeder ein Künstler ist” richtig und das habe ich auch begründet. Wie Beuys selber das gemeint hat weiß ich nicht.

    Ich war einige Zeit des Öfteren in der Kunstszene unterwegs. Ich habe selten so viele arrogante bis zynische Menschen auf einem Haufen getroffen. Mir scheint, dass dort alles Lug und Trug ist. Wer ein Künstler ist, wird von Ausstellungsmacherfuzzies, Museumsdirektoren und einigen Galeristen bestimmt. Das scheint mir ziemlich willkürlich zu sein und man muss abwarten, was die Zeit überdauert. Viel wird es wohl nicht sein. Der Gipfel der “Kunst” war einmal, dass ein ganz normaler Unterbaukühlschrank für damals 10.000 Mark als Kunst verkauft wurde, und er wurde gekauft, weil Vodkagläser in die Eierablage gestellt wurden und eine Flasche Vodka im Kühlschrank war. Das war die “Kunst” und sie erschließt sich mir bis heute nicht. Auch stimme ich der Aussage, “dass Kunst das sei, was ein Künstler als Kunst definiert” nicht zu, Da beißt sich ja die Katze in den Schwanz.

    Angeblich kann man nicht definieren, was Kunst sei. Ich, für mich, habe es definiert und – natürlich gilt das nur für mich – ist Kunst in jeder Form eine Aussage, welche über das schon Bekannte hinausweist, neue Aspekte des Menschen erkennt, beschreibt oder darstellt und in irgendeiner Form ausdrückt. So gesehen waren für mich die technischen Erfindungen die bedeutendste Kunst im 20. Jahrhundert. Aber Technik und Wissenschaft als Kunst sind natürlich auch umstritten.

    Man muss sich einfach langsam daran gewöhnen, dass man alles selber definieren muss. Diejenigen, welche irgendwelchen Autoritäten folgen wollen, muss man einfach ziehen lassen. Wichtig ist nur die eigene Einsicht. Wenn es jemand versteht, um so schöner. Die “Mühe” lohnt sich aber allemal…

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Lisa

    Danke Dir, zunächst, dass Du mir meine Abkotterei nicht persönlich übel genommen hast.

    Deinen Kommentar zu “Korruption” habe ich in der Tat nicht reinbekommen, oder der Spam-Filter hat ihn gefressen. Versuche es bitte nochmal.

    Zu Crowley: Ich verstehe schon, was Du meinst. Am Anfang aber steht immer auch ein Zweck, und wenigstens unterbewusst schwingt er immer mit.

    Zur Kunst bzw. Kunstszene: Dass es da so zugeht, wie Du es beschreibst, ist ja gerade ein Ausfluss der Beuysschen Einstellung.

    Es gewinnt, wer am meisten die Backen aufbläst und aus welchen Gründen auch immer Protektion und Förderung erfährt.

    Natürlich ist es nicht generell so. Vor kurzem war ich auf einer sehr ansprechenden Vernissage. Der Künstler, den ich gut kenne, kann zweifellos etwas, und so waren auch die Leute durchaus erträglich.

    Das folgende gefällt mir sehr gut:

    “Angeblich kann man nicht definieren, was Kunst sei. Ich, für mich, habe es definiert und – natürlich gilt das nur für mich – ist Kunst in jeder Form eine Aussage, welche über das schon Bekannte hinausweist, neue Aspekte des Menschen erkennt, beschreibt oder darstellt und in irgendeiner Form ausdrückt. So gesehen waren für mich die technischen Erfindungen die bedeutendste Kunst im 20. Jahrhundert. Aber Technik und Wissenschaft als Kunst sind natürlich auch umstritten.”

    Nochmal der Kern:

    “…ist Kunst in jeder Form eine Aussage, welche über das schon Bekannte hinausweist, neue Aspekte des Menschen erkennt, beschreibt oder darstellt und in irgendeiner Form ausdrückt.”

    Da fällt mir jedenfalls jetzt, spontan, nichts mehr ein.

    Perfekt. So sehe ich das (zu verbessern sehe ich bislang lediglich das mit der gedoppelten Form).

    Und eben genau deshalb ist nicht jeder ein Künstler.

    Ich war vierzehn und durfte in New York ins Guggenheim-Museum. Da sah ich unter anderem Monets “Seerosen” und war überwältigt.

    Gleich um die Ecke aber, damals wohl eine Million wert, hing “Ce n’est pas une pipe”, ein durchgängig dunkelblaues Bild mit einer kleinen Pfeife drauf, wie ich sie mit etwas Mühe wohl auch hätte malen können, und dem obigen Spruch drunter. Da wurde mir klar, dass man auch in ein Eck pinkeln kann und das als hohe Kunst ausrufen. Mit dem einzigen Nachteil, dass man Urin nicht aufhängen kann.

    Was glaubst Du, weshalb so viele von denen so zynisch und arrogant sind. Das müssen sie sein, damit man sie ernstnimmt. Es gibt in der Tat kaum ein unerträglicheres Geschmeiß.

    Du sprichst auch noch Technik und Wissenschaft an. Hierzu ist sich natürlich oft nicht leicht entscheiden. Leider muss ich Deiner Einschätzung zustimmen, dass wir gemessen daran in den letzten fast hundert Jahren wenig bedeutende Kunst im klassischen Sinne gesehen haben. Ich habe dies hier auch schon einmal thematisiert und finde das Phänomen erschreckend. Ich habe zwar ein paar Ideen, woran das liegt, aber…

    Auch wichtig (Dein Kommentar strotzt nur so davon) diese Deine Aussage:

    “Man muss sich einfach langsam daran gewöhnen, dass man alles selber definieren muss.”

    Wenn wir das Wörtchen “alles” nicht zu wörtlich nehmen: So geht es mir.

    Ein nicht geringer Teil meiner Arbeit hier erwächst aus dieser Notwendigkeit.

    Immerhin mache ich immer wieder die freudige Erfahrung, dass es zwar nicht unbedingt viele sind, die sich dafür interessieren (ich kann da natürlich nur vermutend von den Zugriffen, bestimmter von Kommentaren ausgehen), aber wenigstens ein paar Leute, die mir durch Widerspruch, Ergänzung, Modifikation, Präzisierung usw. zur Seite stehen und mich auf neue Pfade weisen.

    Dass die Masse – auch jene beschriebenen Arrogantofanten – eher nur das Gähnen überfallen dürfte, wenn eine Lisa und ein Magnus sich mal wieder über den richtigen Ausdruck anpfitzeln, liegt auf der Hand; immerhin aber quatschen uns derlei Leute kaum einmal dumm herein.

    Mit Deinem sehr eigenen Kopfe (zumal auch Deinen berüchtigten “Glaubenssätzen”, die in meinem herumschwirren gleich Raubwespen) forderst Du mich bis an meine Grenzen und manchmal auch darüber hinaus.

    Das macht Spaß.

    Nachdem ich nun beuyshalber so übel abgelästert habe, werde ich Deine obige, positive Kunstdefinition nochmal genau überdenken, sie auf jeden Fall in einem Hauptartikel aufnehmen, damit sie deutlicher sichtbar wird als irgendwo hier hinten.

Eine Antwort hinterlassen