Wie der Philosoph lernt

Als Philosoph sollte man zuvörderst seine eigenen Schwächen genau kennen.

Nur so kann man die eigenen Urteile beurteilen: egal, ob es Wein, Weib oder Gesang, oder, wie häufig, alle Dreie und noch ein Viertes und Fünftes.

Ein Hang zum Gesang kann dahin führen, dass man zu laut und zu falsch und zur falschen Zeit am falschen Orte singt; des Weines halber kann man ohne äußeres Zutun treppabfallen; des Weibes halber kann man seine Stimme verlieren und gleichzeitig noch die Bouteille.

Deshalb ist das Weib gefährlicher als selbst Trunk und Schwatz.

Aber gut, das ist seit Jahrtausenden bekannt; zur Sicherheit habe ich es aber nochmal erwähnt.

Jedenfalls gilt es, neben der Vor- und Umsicht bezüglich des Urteils, aus den jeweiligen Schwächen in dem Sinne Tugenden zu machen, dass man den sich ergebenden Spannungsbogen zwischen Dackelhaftigkeit und Verstand gezielt nutzt.

Selbst das lässt sich nämlich üben, immer besser erlernen.

WIESO, WIE war ich schon wieder so blöde?

WOMIT fing es an?

WELCHER war der dümmste, entlarvendste, lächerlichste Satz?

WAS, WANN löste den Kontrollverlust aus?

Wollte ich den Kontrollverlust gar, und, wenn ja, WARUM? WOHIN?

Es schadet natürlich auch nicht, sich Philosophien zu nähern, die einem, auch wenn man sie verwundert achtet, recht eigentlich kaum liegen.

Wohl deshalb chinese und japanere ich seit Jahren umeinander, dass ich mich manchmal wundere, weshalb ich noch keine Schlitzaugen bekommen.

Von der Ruhe nämlich, der inneren Harmonie, dem Gleichmute, verstehe ich mit bald fünnefzig Jahren immer noch nicht allzuviel.

Ich habe zwar die Konzepte wohl leidlich verstanden, halte sie aber noch nicht einmal im Schlafe länger als 5 Minuten durch.

Das ist zwar einerseits ärgerlich, andererseits aber auch heilsam.

Denn als Philosoph darf man kein Weichei sein; es gilt nämlich nicht nur, stetig das auszubauen, was man kann, sondern sich immer wieder, tausendmal, dem zu stellen, was einem, obschon man es irgendwie achtet, schräg kommt.

Gelingt es, Analogien zwischen dem herzustellen, was man einigermaßen beherrscht, und jenen Sphären, an denen man regelhaft scheitert, so hat man bereits einen nicht unbedeutenden Schritt getan.

So kommt man dem, was die Welt im Innersten zusammenhält, näher.

Im Idealfalle nimmt man das einem Fremde so auf, dass man es schließlich mit dem auflädt, was einem eigentlich.

Entscheidend vermitteln dabei kann was? Dumme Frage: die Kunst natürlich.

Will heißen, dass man sich, im Bilde gesagt, in jeder Teeschale versenkt.

Das ästhetische Empfinden ist einer der wichtigsten Schlüssel, wenn nicht der Passepartout.

Wo, wie ist deren Schönes beschaffen? Wie wird es geschaffen? Wer schuf es – innerlich wie? – zu welchem Behufe?

Alle Fragen fragen bis hin zu jener nach dem Tode.

Ich richte mich mit diesen Betrachtungen selbstverständlich zuvörderst an Germanen. Denn mit denen kenne ich mich immerhin ein bisschen aus.

Früge mich aber ein Japaner oder Chines’, wie er denn unserem Denken nähertreten könne, so wüsste ich ihm auch nicht viel anderes zu sagen, als es eben entsprechend, nur umgekehrt, zu versuchen.

Ich kannte eine mehrfach hochbegabte Japanerin (leider zu kurz), der dies meines Erachtens erstaunlich schnell und gut gelang. (Alsbald mochte sie auch unseren Wein. Das ist zwar keine große Kunst, aber…)

Selbstverständlich kommt man auch an den Begriffen, an deren Besatzung, nicht vorbei. (Außer, man will nie etwas sagen; dann aber ist man, wenigstens nach meinem Verständnis, kein Philosoph. Schweigen an sich ist keine Tugend, sondern lediglich ein Nichttun.)

Fassen wir schlicht zusammen: Man stelle sich einfach immerzu wie der sprichwörtliche Ochs vor den Berg und scharre.

Irgendwann sind zumindest die Vorderhufe wund, und wenn man es gut angestellt, hat man sogar eine Ahnung davon, warum.

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4 Antworten zu “Wie der Philosoph lernt”

  1. Dude sagt:

    Und was ist, wenn ich selber in einen Weibskörper inkarniert habe? ;-)

    *Glasheb*

    Ps. Eine gebührliche Antwort drüben geb ich morgen.

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Dude

    Wenn Du in einen Weibskörper inkarniert hast, will ich das wenigstens nicht selber genauer rausfinden. Missratene Weiber habe ich genug kennengelernt.

    Sie sind, nach meiner Erfahrung, nicht seltener, als dumme Männer.

  3. Dude sagt:

    *rofl*

    Nein, bin ich hier und jetzt natürlich nicht…

    Es war mehr ein Wink!

    Mit so einer Einleitung schliesst Du ungefähr die Hälfte aller potentieller Empfänger schon mal per se aus…

    …wenn wir’s schon von der Seltenheit haben.

    Die gibt’s beidseits!

    Die Rede der Russin in der Bar heute, und insbesondere das, was dahinterstand – in der Rede, ja, auch, aber hauptsächlich in Ihr -, hat es mir heut’ erneut bewiesen.

    Es fehlt die Ganzheitlichkeit in der ausgiebigen Einleitung.

    L&L

  4. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Dude

    Meine Halbganzheit ist eben nichts für Blöde.

    Lange keine Russin mehr näher kennengelernt.

    Meine letzte war eigentlich eine Polin, und sie schlug mir hart ins Gesichte.

    So kann es gehen.

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