James Bond entlassen

Ich bin nicht James Bond, und zumal, der wäre, wenn deutsch und ich, ein viel Schrecklicherer.

James Bond nämlich, wie man es dreht und wendet, ist letztlich ein Sklave.

Egal, was seine verruchte Regierung anrichtet: Letztlich knallt und bumst und führt er nur aus. Nur ab und zu streift ein sinnvoller Gedanke sein Großhirn.

Inzwischen, so hat der Zeitgeist das dem Kinobesucher angepasst, ist er nicht mehr stets arrogant, sondern heruntergekommen und dreckig, ziemlich fertig.

Wie lächerlich überheblich müsste man mich wohl machen, damit ich als bestellter deutscher Bösewicht noch einem abgefackten James Bond unterläge?

Dass ich ihm fünf Chancen zum Entkommen gäbe, seinen Heroismus vor der Weltgemeinde zu feiern, nachdem er schon auf fünf Fragen keine sinnige Antwort mehr hatte?

Ja, so einen ließe ich laufen.

“Melden Sie sich in Syrien freiwillig an die Front, Bond? Sie sind doch ein Ehrenmann im Dienste Ihrer Majestät, Bond, was?”

“Mister Göller, ich unterliege nur einem Befehl.”

“Ja, Bond, das ist mir klar. Ich stelle nur ein paar Fragen. Wenn Sie sich anständig benehmen – Sie können doch soviel Deutsch, oder muss ich das übersetzen? – ok: If you behave, Mr Bond, listening for five more minutes, I shall let you go.”

“Wieso wollen Sie das tun?”

“Ich will Sie ganz bewusst zurück in Ihre angelsächsische Wüste schicken. Jeder soll weiterhin sehen können, bis zu Ihrem Ende, was für ein Trottel Sie sind.”

“Was haben Sie davon? Und woher wissen Sie, dass ich Sie nachher nicht umbringe?”

“Bond, es scheint, ich habe Ihren Intellekt überschätzt. Oder Sie versuchen ein Spiel mit mir. Egal. Ich weiß natürlich nicht, ob Sie mich nachher nicht umbringen werden. Aber was spielt das für eine Rolle?”

“Na immerhin hätte ich Sie erledigt.”

“Sehen Sie, Bond, genau da liegt Ihre Schwäche; immerhin einen lästigen Kraut erledigt: So weit reicht Ihr englisches Denken. Es reicht noch nicht einmal bis zur Macht der Gedanken. Ich dachte, es hört sich auch so an, Sie hätten Deutsch gelernt?”

“Deutsch war eines meiner Lieblingsfächer. Man sagt alles so umständlich, dass es stets zum Lachen ist.”

“Grüße Ihren Humor, Mr Bond. Man pflegt in der Tat, mitunter heute noch, auf Deutsch alles so zu sagen, dass die Umstände mitberücksichtigt und klar sind. Das Englische schafft Klarheit, ja, im Sinne sinnloser Leute wie Ihnen, aber eben ohne Hintergrund. Haben Sie mal darüber nachgedacht, weshalb Britannien zum Dackel Amerikas wurde? Keinen Krieg verloren, und doch, abgesehen von ein paar Ihnen sicherlich bekannten Klauseln und dem Besatztheitsstatus, noch mehr Teckel als das unterworfene Deutschland? Mal überlegt, für welch aufgeblasene, dekadente Waschlappen Sie arbeiten? Mit Queen-Nimbus, dem ganzen verstaubten Rule-Britannia-Gutannia-Scheiß hintdran? Sehen Sie nicht selbst, was für ein ausgewalkter Jammerlappen Sie eigentlich sind? Stolz? Worauf? Auf Dünkirchen etwa? Bond, Sie sind ein potentiell lernfähiger Engländer. Denken Sie deshalb aber nicht eine Sekunde daran, dass ich diesbezüglich an Sie glaube. Wenn ich Sie jetzt laufen lasse, ist das lediglich ein soziobiologisches Experiment.”

“Und, nochmal, was verspricht du dir davon, Fritz?”

“Geistige Entwicklung, Tod inbegriffen.”

“Sie sind ein klassischer deutscher Psycho. Man hat mich selbst vor den Lehren der deutschen Juden gewarnt. Zur Hölle!”

“Sehr gute Antwort, Mr Bond. Genau dahin werde ich Sie jetzt entlassen.”

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