Verbreiterte Theorie

“Wagner!”

“Ja, Herr Professor?”

“Wir bekommen immer noch nicht die gewünschten Messergebnisse.”

“Aber wir haben doch alle Parameter genau so eingestellt, dass es endlich hätte klappen müssen. Sollen wir…”

“Nein, Wagner. Wir stehen jetzt vor der Wahl.”

“Was meinen Sie, Herr Professor?”

“Entweder wir stellen die Theorie auf eine verbreiterte Grundlage, die erklärt, weshalb wir nie die richtigen Ergebnisse bekommen und feiern unsere Ergebnisse als Durchbruch der Wissenschaft in dem Sinne, dass sie uns zu der erweiterten Erkenntnis brachten, dass sie SO ja falsch sein MUSSTEN, unsere Versuche also einen entscheidenden Baustein zur Entdeckung der Allgemeinen Transkriptionsphasentheorie darstellten.”

“Oder?”

“Wir beerdigen die Theorie so still und leise wie möglich und denken uns schnell eine neue aus. Was schlagen Sie vor?”

“Äh, ähem, das kommt, ehrlich gesagt, ein bisschen plötzlich, die Frage, Herr Professor.”

“Die entscheidende Frage, Wagner!”

“Äh, ja, achso: Was bringt am leichtesten neue Fördermittel?”

“Sehen Sie, Wagner. Aus Ihnen wird vielleicht doch noch ein bedeutender Wissenschaftler. Also, was halten Sie für besser?”

“Ich denke, die Lösung mit der verbreiterten Theorie ist die elegantere und bessere.”

“Gründe?”

“Wir haben alles richtig gemacht und herausgefunden, dass das Forschungsgebiet noch viel umfangreicher ist und deshalb einer mehrfachen Anstrengung sowie entsprechender Mittel bedarf.”

“Gut, Wagner. Sehr gut. Dann wissen Sie ja, was Sie übers Wochenende zu tun haben. Bringen Sie Ideen, wie man die Theorie kompatibel erweitern und das dem Forschungsrat verkaufen könnte. Wir sehen uns am Montag. Machen Sie hinne. Wir haben Feuer unterm Dach.”

“Ja, Herr Professor, ich werde tun, was ich kann.” (Und ab.)

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