Die Intelligenztheorie von Max E. Davenport

Grade las ich was von einer ziemlich primitiven Intelligenztheorie, die im wesentlichen “fluide” von “kristalliner” Intelligenz unterscheidet, wobei ich die Unterscheidung nicht recht begreifen konnte, woraufhin mich wenig verwunderte, dass beide Formen noch nie getrennt von einander gemessen wurden. Man hat aber, sagenhaft, herausgefunden, dass sich die liquide Intelligenz durch Üben steigern lässt, man gleichwohl desbezüglich grundsätzlich ab etwa Mitte zwanzig immer beknackter wird.

Ich frage mich jetzt, was für eine Intelligenztheorie man (ich) noch in den Markt drücken könnte, wenn man sich ein angelsächsisches Pseudonym zulegte und die Kerntheoreme sowie die zugehörige elementare Scholastik gleich auf Englisch formulierte. (Das ist sehr ratsam. Wenn es sich nachher, ins Deutsche übersetzt, etwas schwurbelig anhört, macht das nichts; das liegt dann allenfalls an den Schwächen der deutschen Sprache.)

Was brauchen wir also?

Zunächst eine bestimmte Menge an Grundkategorien.

Wir sichten also die vorhandenen Modelle und entscheiden uns für eine Zahl.

Ich nähme, aus dem Bauch heraus (nicht nur), die Fünf.

Nun ist darauf zu achten, dass das Basismodell konzeptionell wie begrifflich keinem bereits bekannten zu sehr ähnelt; wo es doch unvermeidbare Ähnlichkeiten gibt, gesteht man dies unumwunden ein, weiß es aber einfach besser.

Alternativ wählte ich ein Achtermodell. (Auch wegen des chinesischen Marktes.)

Sinnreich sicherlich, beim Fünfermodell den Einsatz von einem bis zwei, beim Achtermodell zwei bis drei Kunstwörtern zu erwägen, die man selbst definiert, will man sich nicht auf das Wagnis einlassen, vorhandene Begriffe wesentlich neuzuinterpretieren.

Da eine echte Trennschärfe der Grundkategorien nicht erreichbar ist, hat man zwei Möglichkeiten.

Entweder man behauptet eine weitgehende Trennschärfe als gegeben, setzt die Grundkategorien eben doch so ziemlich wie Bauklötzchen hin, oder man schwatzt was von Interdependenz und diversen typischen und untypischen Wechselwirkungen, Beeinflussung der jeweiligen Schwingungsverhältnisse, psychischen Blockaden, edukativen Bedingungen, ambivalenten Faktoren usw.

In einem Punkte muss man glücklicherweise nicht schwindeln oder Worte biegen: Nämlich, dass der Mensch was lernen kann.

So einfach sollte man das natürlich, der gestellten Aufgabe gemäß, intelligenterweise nicht sagen, sondern auf die Banalität abheben (allerdings nicht als Banalität!), dass gezieltes Training die individuelle Intelligenz grundsätzlich zu fördern vermag. Man will ja ernstgenommen werden und die Bücher und die Kurse gescheit verkaufen.

Stellt sich noch die Frage, ob man dem Modell einen Hauch eines esoterischen Anstrichs mitgeben sollte, einen Schauderfaktor sozusagen. So eine Art Portion Gott.

Das kann man allerdings noch entscheiden, wenn man das Modell entwickelt. Es kann darauf hinauslaufen, dass man ohne nicht auskommt, oder dass man irgend Numinoses lieber weglässt.

Trotzdem, leider, hat die ganze schöne Sache einen gewaltigen Haken.

Man sollte eben doch Professor an einer angelsächsischen Universität sein; sonst wird die ganze Chose höchstwahrscheinlich nicht funktionieren.

Man wird, wenn man die Theorie überhaupt wahrnimmt und beachtet, immer sagen, dass sich das irgendein Max E. Davenport ohne klare akademische Reputation aus den Fingern gesogen habe.

Man (ich) könnte es nur noch damit versuchen, dass sich hinter Max E. Davenport eine bedeutende literarische und Person des öffentlichen Lebens verberge (was ja nicht direkt gelogen wäre), die der Fachwelt die in vielen Jahren entwickelte Theorie deshalb zunächst nur unter Pseudonym zugänglich mache, das Urteilsvermögen der Masse, aber auch der Fachwelt, nicht in ungebührlichem Maße zu beeinflussen, anstatt des Ansehens der Person vielmehr den Wert der Theorie selbst ins Zentrum der Diskussion zu rücken.

Das wäre zwar einen uralten Trick angewandt, aber der funktioniert immer wieder. Zumal bei Intelligenzforschern könnte er gut anschlagen.

“Hmmm. Hmmm. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass Davenports Theorie einige interessante Aspekte aufweist. Wir sind dabei, diese sorgfältig zu evaluieren…”

Wenn man es schafft, dass derlei Geschwätz ausbricht, hat man schon halb gewonnen.

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