LSR (LRS?): Leistungsschutz und Schafspresse

“Arabischer Frühling”: Das journalistische Unsachlachwort der westlichen Geopolitik der letzten Jahre.

Es entsprach der Sache nicht und war von Anfang an lächerlich.

Man jubelte, guckt jetzt ein bisschen dumm auf Ägypten, während man wohlweislich nicht mehr viel aus Libyen berichtet, man bei dem dreckigen Spiel in Syrien wiederum auf radikalislamische Kräfte setzt: Das ist die deutsche Schafspresse.

Sie hat sich bedenkenlos-sklavisch vor den Karren einer mit den islamistischen Golfölmonarchien abgestimmten Agenda des Westens zum Sturze der relativ säkularsten arabischen Regime spannen lassen; und: Schon leben im Irak kaum noch Christen, in Ägypten und Syrien, wo sie noch bedeutende Minderheiten bilden, spitzt es sich gewaltig zu. Wo werden die wohl hinrennen?

Es scheint die Schafspresse aber nicht sonderlich zu stören, wie sie sich mal wieder blamiert hat. Ich denke, das ist denen inzwischen, wenn sie es überhaupt wahrnehmen, egal.

Wahrscheinlich hofft man jetzt auf das neue Leistungsschutzrecht, dass man so wieder in die Vorhand käme und es Manna vom Himmel regne.

Wenn die Sache erbärmlich schiefgeht, was vorauszusehen, wird es so dann wieder keiner gewollt haben.

Es mag auch hier zum Kriege kommen, zum Netzkriege.

Was, wenn einzelne “Presseverlage” oder solche, die zu einem gehören könnten, einer sein könnten (schon die zeitgeist-Blogplattform kann, wenn regelmäßig betreut, was sie ist, als solche gelten), sich mittels einer einfachen Kennung zur grundsätzlichen, nichtabmahnfähigen Freigabe von auch automatisiert eingespielten Textanfängen oder Lockschnipseln (“Snippets”) zu ihren korrekt verlinkten Texten bekennten, auf nun Potentielles oder auch zu Realisierendes einfach verzichtend?

Wollten dann etwa “seriöse” Presseverlage auf unlauteren Wettbewerb klagen?

Die Folge könnte jedenfalls sehr schnell sein, dass, wer sich dieser Freigabe nicht anschließt, bei weitem nicht nur beim Google auf hinteren Rängen oder gar nicht landet; denn es gibt eine Menge Aggregatoren von Nachrichten, die “suchmaschinenähnlich” arbeiten, was immer das dann im Einzelfall bedeuten oder wie vor Gericht darüber befunden werden mag.

Es wird Rabatz geben in der deutschsprachigen Netzlandschaft. Das ist, wenn das Ding nicht ganz wesentlich abgebogen wird, unzweifelhaft. Vielleicht ist das ja gar zu begrüßen, zeitigt aber nicht das vom Urheber gewünschte Ergebnis.

Schon jetzt haben die großen Presseverlage nicht nur durch ihr Ansinnen (sie wären die Hauptprofiteuere, könnten ihre Interessen privilegiert durchsetzen), sondern zumal durch ihre einseitige journalistische Behandlung des Themas viele Leute gegen sich aufgebracht, denen es ohnehin schon stinkt, was die da – siehe “Arabischer Frühling” etc. – seit Jahren abziehen: die Kiosk-Verkäufe einiger Nilpferde sollen gerade massiv eingebrochen sein.

Die haben ja auch ein ziemliches Rad ab; gucken wir mal vom Google und den anderen reinen Suchmaschinen weg: Die wollen überall gelistet werden, gegen max Penunze, und kommen nicht auf die Idee, dass das zu einem massiven Listungsverlust führen kann. Überall.

Je länger ich darüber nachdenke, desto sicherer komme ich zu dem Schluss, dass da einige Leute schon wissen, was sie für sich gerne hätten, aber nicht, was sie tun.

Gerade Deutschland wird sich in derlei Dingen nicht leicht eine Art Spezialnetz leisten können; wir sind nicht Nordkorea.

Ja, vielleicht soll es so sein, dass das ausgefochten wird.

Es geht um Netzfreiheit, es geht um das Zitierrecht, es geht um Autorenrechte, es geht nicht zuletzt um Rechtssicherheit und Funktionsfähigkeit.

Es mag aber auch um die Zukunft der Schafspresse gehen.

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3 Antworten zu “LSR (LRS?): Leistungsschutz und Schafspresse”

  1. Thomas sagt:

    Es ist mal wieder der alte Hut: Diejenigen, die durch eine gute Idee und saubere Konzepte, gepaart mit Arbeit, viel Geld verdienen, sollen bezahlen für diejenigen, die einfach unfähig sind, zumindest ihren status quo durch gute Ideen, Konzepte und letztlich eben auch durch Arbeit, zu halten. So werden die Unfähigen zu Plünderern im Namen des Rechts, dass sie sich selbst schaffen. Am Ende, wenn auch noch die Psychologie ihre Wirkung gezeigt hat, ist es bewundernswert wenn jemand mit sozial gerechter eigener Unfähigkeit prahlt und die Leistungsträger verteufelt, die ihm ja niemals eine Chance gelassen haben, selbst Leistungsträger zu werden. Als Konsequenz, der Gerechtigkeit willen, darf niemand mehr ungestraft Leistung bringen. Sobald dies die Masse akzeptiert, gibt es keinen Wohlstand mehr.

    Dabei ist es mit den Medien doch so einfach, ein revolutionäres Konzept vergangener Tage wieder einzuführen: Die Wahrheit berichten. Und die Leute würden es kaufen. Sieht man doch an Zeitgeist, Doriangrey, EF und Compact. Geht alles, vor allem ehrlich dem Leser gegenüber.

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Thomas

    Ich denke inzwischen, dass die das Gesetz vielleicht doch nicht durchjubeln, wie vorgehabt.

    So langsam haben den Abgeordneten doch ein paar Leute geflüstert w i e unabsehbar die Konsequenzen sind. (Dass diese nicht abzuschätzen seien, gab man im Entwurf immerhin zu.)

    Die FAZ, lange stramm auf Kurs, hat jetzt Herrn Rieger vom CCC zu Wort kommen lassen, der klar dafür plädiert, den Unfug erstmal zu beerdigen.

    Bisher befinden wir uns in einer Debatte, die nur wenige wahrnehmen, kommt es aber zum Schwur, so werden schnell alle etwas davon merken.

    Vielleicht klingelt es sogar – ich sprach es schon an – bei der schwarzgelben Koalition, dass die anderen, die es, bis auf die Piraten vielleicht, wahrscheinlich selber genauso oder ähnlich gemacht hätten, nicht wirklich etwas dawider unternahmen, dann wohlfeil dagegen stimmen, um einem hinterher im Wahljahr die völlige Nulldurchblickerschaft reinzureiben.

    Das Entscheidende ist ja, dass keiner durchblickt und keiner weiß, welches Chaos nach Verabschiedung eines wie auch immer dem ähnlichen Gesetzes, was durch die erste Lesung, dann entstehen wird; die Lage könnte sich über neue Kompromisse recht schnell beruhigen, aber auch gewaltig eskalieren.

    Jeder gegen jeden im deutschsprachigen Netz. Über Nacht. Das mag ein heftiges Hauen und Stechen geben.

    Vielleicht braucht es das auch; vielleicht sollte man sie in diesen Irrsinn hineinrennen lassen.

    Google, andererseits, ist natürlich mächtig nervös, weil es den deutschsprachigen Markt auch nicht so einfach in unkalkulierbarer Weise fahren lassen will, wo man schonmal auf Zeit spielen könnte, wäre da nicht womöglich ein gefährlicher Präzendenzfall im Schwange, dass den deutschen Presseverlagen (wer immer das sei) Zugeständnisse gemacht werden, die gleich danach in Frankreich und Weißderdeibelwo ähnlich eingefordert werden könnten, sich auf jene beiden vorgepreschten, im Weltkonzerte immer noch als halbwegs respektabel geltenden westlichen sogenannten Demokratien berufend.

    Der Gedanke mag selbst einem sehr sonnenverwöhnten Googler (ich nenne jetzt mal die Mitarbeiter so) im Dezember den Schweiß auf die Stirne treiben: Wenn wir es in Deutschland, so aufgeheizt, wie alles ist, jetzt in die Scheiße reiten, kann das nicht nur sehr teuer, sondern sogar richtig gefährlich werden.

    Der Google hat natürlich kein Interesse an einem offenen Netzkrieg; aber, verdammt, er darf, ohne dass dahinter ein antigermanisches Ressentiment anzusetzen wäre, diese Scheißkrauts damit nicht durchkommen lassen.

    Deshalb droht er ja – mehr oder weniger – unterschwellig schon mit dem, was Herr Rieger (ich finde das etwas unpassend, aber sei’s drum) “die nukleare Option” nennt (Gedächtniszitat), nämlich dass Google, freies Unternehmen, einfach mal kräftig ausmistet – auslistet.

    Und, wenn das Spiel an Bosheit noch zunimmt, eine eigene Nachrichtenseite einrichtet, wo jene zum Zuge kommen, die nichts Unbilliges fordern. Linke. Rechte. Alle.

    Nun, warten wir’s ab.

  3. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Thomas

    Dank auch für das publizistische Lob!

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