Leistungsschutzrecht und Lockschnipsel

Hier kann man zum morgen im Reichstag in die erste Lesung gehenden geplanten neuen Leistungsschutzrecht Offiziöses lesen: http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/114/1711470.pdf

Ich will hier nicht nochmal zu allen Zweifelhaftigkeiten und Unklarheiten bezüglich der Sache, die auch vom Hauptwidersacher Google dazu nicht wirklich ins Visier genommen werden, natürlich schon gar nicht von der Systempresse selbst, lange Stellung nehmen.

Wer ein privilegierter “Presseverleger” sei und wer nicht, wer mit den Suchmaschinen vergleichbar, jene, “die Inhalte entsprechend einer Suchmaschine aufbereiten, da deren Geschäftsmodell in besonderer Weise darauf ausgerichtet ist, für die eigene Wertschöpfung auch auf die verlegerische Leistung zuzugreifen.” – Wer ist das?

Dass die eigentlichen Urheber nochmal keine Rolle spielen und eben doch das Zitierrecht auf der Kippe steht … Sollte es sich allerdings herausstellen, dass nicht auch schon Linklisten mit Titeln, handbearbeitet, mit kommentierten Zitaten, unters Beil fallen, so ergäbe das womöglich für die sich als “Presseverlage” im Sinne des Gesetzes fühlen oder dann eben über Präzendenzurteile durchsetzen, am Ende ein Waterloo.

Was, wenn ich in meinem Impressum deutlich sage, dass jeder meiner Texte auch automatisch von jedem Netzanbieter mit bis zu 500 Zeichen “Snippet” verlinkt angezeigt werden darf, ohne dass dafür Gebühren erhoben würden? Wäre das etwa illegal? Nee. wohl kaum. Ich darf verschenken, was ich will.

Und schlössen sich dem viele an, so könnten die Großen bald alle ohne Lockschnipsel dastehen, die Kleinen aber alle mit.

Und der Google kann seine Suchergebnisse sortieren (solange man ihm die Listung nicht untersagt, was er jederzeit auf einfachstem Wege ohne Rechtshändel akzeptiert), wie er will. Hält der Google stern.de und spiegel.de und faz.net eben nicht mehr für so relevant, wird man beim Suchen auch weniger auf diese Seiten stoßen. Wenn das dem durchschnittlichen Google-Nutzer nicht allzuviel ausmacht, sind die Großverlage, spielt der Google nicht mit, schnell die Gelackmeierten.

Es scheint natürlich auch mal wieder keinerlei Modell eines praktikablen Bezahlsystems zu geben, zumal man eh nicht weiß, wer alles für was alles bezahlen soll.

Es sieht so aus, als wäre mal wieder ein richtiges Chaosgesetz in der Mache.

Als Bundesregierung wöge ich das im Vorwahljahr schon ab.

Erstmal sind die großen Verlage froh, und ab Frühjahr, wenn die ersten Auswirkungen sichtbar, dann virulent werden, hat man ein undurchdachtes Gesetz an der Backe, das vielleicht selbst die eher schon unter Wracken hausenden Piraten gerade zum falschen Zeitpunkt wieder seetüchtig machen kann.

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