Wünsche und Warnungen

Manchmal wünschte ich mir, die Welt bestünde zunächst nur aus einem Apéritif und sechs bis acht guten Vorspeisen und einem von drei angebotenen Weißweinen.

Immerhin, wenn man es bis zum Hirschmedaillon mit Haselnussspätzle nicht schafft oder nicht geladen, was dasselbe, auch der gute Rote wohl nicht beikommen wird, kann man daselbst, wenn genug da, die Vorspeisen zur Vollspeise machen.

Ordentlich Brot dazu, vielleicht mal einen Extratropfen Olivenöls an- und Weins eingegossen, so mag schon binnen sein, was die Welt im Innersten zusammenhält.

Ich kann mir die Welt auch gut als einen gut ausgebackenen Hefefladen mit leckerer Auflage vorstellen. Pizza, Börek, Zwiebelkuchen, mag man’s nennen, wie man will: Die Erde ist eine Scheibe zum Anbeißen.

Oder unser Dasein, unsere unermüdliche Progeneration, manifestiert sich in einer Fisch-Eicreme, eben schon zur Vorspeise.

Auch gefällt die Welt, wenn ein Huhn gut über einen halben Tag lang sorgsam betreut in Knoblauch und Ingwer und dem Rest so lange eingerieben und hernach gebadet, dass selbst Söhne eine Viertelstunde andächtig Ruhe geben.

Irgendwann in diesem Leben werde ich wohl auch mal wieder an frische Rhön- oder flämische Deichlammkottelets herankommen, so es mein zweithöchster Lenker, mein Gaumen, will.

Wenn’s die von der Rhön sind, will ich sie wieder mit dem Bärlauch-Tomatenjus mit dem frischen Rhöner Wildthymian dabei tagesmariniert von der Holzkohle.

Sich die Welt als ein, so wie ich es mache, am Schlusse recht homogen (es bleibt immer eiweißlastige Substanz unten) blubberndes, auszugabelndes und auszubrotendes Käsfondue vorzustellen?

Mag sein, wenn ich’s mir wünschen darf und meine, es zu vertragen, dass ich an meinem letzten Tage ein Käsfondue essen werde; dann aber, nicht, wie immer nur nach Salat respektive Vorspeisen, sondern als an der richtgen Stelle plazierten Zwischengang: vor etwas Säuerlichem, das gereicht vor dem Braten.

Stünde ich letztentags vor der Wahl zwischen Fondue und Braten, so fiele die Wahl zwar schwer, aber leicht: Braten ist Braten.

Außerdem hieße das ja nicht, dass man später nach dem Braten nicht noch ein paar Käse reichen könnte.

Außer vielleicht einem Vintage Port und noch zwei oder drei Rotweinen habe ich noch nichts so gutes, sehr Dunkles getrunken wie eine gute Bratensoß’.

Da kann man nichts machen.

Mir erzählte mal einer larmoyant (ein Hüne, groß genug dafür), er habe sich, was seine Schwächen gegenüber der holden Weiblichkeit anlange, ja inzwischen schon ganz gut im Griff, aber bei großen blonden Frauen ab einsachtzig, da könne er nun leider noch immer nicht widerstehen.

So ähnlich ist das mit mir und der Bratensoß’.

Brühen braucht die Welt natürlich auch, aber Brühen sind keine Soß’.

Das ist nunmal kosmisches Gesetz.

Oh ja: delikate Salate!

BELGISCHE Pralinen!

HEILBUTT!!!

Wo seid Ihr geblieben, Heilige, ich huldige Euer mit aller verbliebenen Kraft!

Und doch seid Ihr meist nicht hier bei mir.

Manchmal zweifle ich schon an meinem Glauben.

Bin ich nicht Euer Jünger?

Bedarf ich nicht Eurer Fürsorge?

Wieso verstoßet Ihr mich?

Wann kommt denn mal ein ordentlicher Höhlenkäse einfach so ins Haus?

Oder ein paar gut marinerte Sardellen?

Auch wenigstens ordentliche Weißwürste, die ihren Namen verdient?

Ihr glaubt wohl, Ihr könnt mich verarschen?

Wisst Ihr, was Senf kostet?

Hefe?

Meersalz?

630er Dinkelmehl?

Zwiebel?

Öl?

Kümmel?

Der Billigkäs?

Euch huste ich was, wenn Ihr mich nur missbraucht.

Treibt es nicht auf die Spitze.

— Anzeigen —


Tags:

8 Antworten zu “Wünsche und Warnungen”

  1. Dude sagt:

    Ich möchte Dir ja nicht den guten Geschmack verderben, aber die meisten Menschen auf dieser Welt – vorausgesetzt sie gehören nicht zu den 1-3 Milliarden die gar nix, oder kaum was zu essen haben – fressen das da…

    http://www.youtube.com/watch?v=uNmdhEJxwcA

    Und mit dem Genschrott wird der Nahrung auch noch das Leben ausgetrieben…

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Dude

    Nein, ich lasse mir den Appetit nicht verderben.

    Dass ich mir ab und zu einen Riegel Manchego oder echten Schweizer Käse leiste und ab und zu eine bessere Flasche Wein, nein, für diesen meinen so ziemlich einzigen Luxus, wenn man es beim heutigen Reichtume als Luxus bezeichnen will, schäme ich mich nicht.

    Heutzutage fahren Autos mit Biosprit. Die brauchen auf 100 Kilometer mehr Kalorien als ich in einer Woche.

    Außerdem wachsen in der Mancha nunmal am besten Wein, Knoblauch und Schafe, und auf Euren Almen wachsen nur Kühe und Geißen. Weshalb soll ich nicht auchmal ein Stück von dem guten Käse abkriegen?

    Wenn Leute wie Du und ich uns ob der Misere in weiten Teilen der Welt die elementare Lebnsfreude nehmen lassen, haben Monsanto & Co vollends über uns gesiegt.

    Ein guter Freund hat einmal gesagt, als es ums liebe knappe Geld ging: “Erst einmal esse ich gut, dann trinke ich gut, und dann kommt der Rest.”

    Eine Freundin, der ich’s erzählte, meinte dazu nur: “Das ist eine gesunde Einstellung.”

    Solltest Du Dich aber wegen Deines gelobten Pflümli und der alten Rumsorten und der roten Spanier im Keller zu sehr schämen, so kannst Du mir sie gerne zuschicken, den Versand bezahle ich, rückwärtig gleich viele Volumenprozente in Lidl-Ware, und ich garantiere für eine sachgerechte biologische Verwendung.

    Im übrigen wollte ich mit meiner kleinen Reise durchs Schlaraffenland lediglich signalisieren, auf was ich mich besonders gerne einladen lasse, wenn gutsituierte Leute wünschen, dass ich bei ihnen gaste.

    Und natürlich, was jeder mir gerne als freiwilligen Blogerhaltungsbeitrag in Naturalien übersenden darf.

  3. Dude sagt:

    @Magnus

    Ich wollte nicht sagen, dass man sich deshalb jetzt aller Sinnes-, Genuss-, und Gaumenfreuden entziehen solle, nur dass man oft nicht das bekommt, wonach es aussieht und/oder was drauf steht.

    Die meisten verstrahlen dann ihren denaturierten Frass – es muss ja schnell gehen – noch in der Mikrowelle und töten damit auch noch den letzten Funken Leben im Lebensmittel ab.

    Es ist also einerlei ob diese Subjekte dann Fleisch essen, oder nicht, denn Todesmittel sind sie nach der Vermikrowellung auch ohnedies…

    Ich geniesse auch gern was feines, das ich von nem Bauernhof (den ich vorher in Augenschein genommen hatte) gekauft habe… :-)

    “Erst einmal esse ich gut, dann trinke ich gut, und dann kommt der Rest.”

    Diese Einstellung teile ich. Ein bequemes warmes Bett kommt aber auch noch in die Aufzählung hinein… :-)

  4. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Dude

    Ich habe noch nie eine Mikrowelle besessen, ziehe aber seit bald drei Jahrzehnten je nach möglichem Umfang Kräuter (natürlich habe ich, als ich richtige Gärten hatte, auch allerlei anderes angebaut; ich habe Obststräucher und Bäume gesetzt und durchgebracht, Ziegen gehalten, Joghurt und Käse aus der Milch gemacht, wir hatten Hasen obendrein; ich sammle ebenso lange Wildkräuter, Hagebutten usw., wie ich eben dazu komme; mit diesen experimentiere ich im Sinne immer neuer Essenzen, sei es über Essig- oder alkoholischen Auszug usw.

    Eben habe ich angefangen, selber Senfe anzusetzen.

    Spannende Sache.

    Im Marinieren bin ich ein mittlerer Meister.

    Womit gesagt sein will: Man kann auch mit schmalem Beutel gut essen, wenn man sich etwas Mühe gibt.

    Achso, seit dem Tode meiner Frau – die das davor übernahm – backe ich regelmäßig selber Brot.

    Heute gibt es auch wieder mal so ein 630er-Dinkelweißbrot mit ordentlich Schwarzkümmel drauf.

    Vom Teig habe ich soviel abgezweigt, dass die Kinder nachher ein ganzes Blech Pizza (ich hatte noch eine gute selbstgekochte Tomatensoß’) mit hüben und drüben dem Belag ihrer Wahl bekommen.

    Früher, als ich noch den Holzofen hatte, buk ich schon in der Übergangszeit regelmäßig darin; jetzt, mit dem Gasherd, mache ich es auch eher von Oktober bis April, nach dem Motto, die Abwärme des Herds heizt die Bude.

    Es bedarf in der Tat wenig, zu so einem frischen Brot, eine Zwiebel, Tomate, etwas Butter oder Frischkäs und Hartkäs, vielleicht ein paar Oliven und ein bisschen Eingelegtes, um wohl zu speisen.

    P.S.: Mit dem bequemen Bett hast Du recht.

  5. Dude sagt:

    Wenn ich das so lese, ja, auch den Artikel selber, frage ich mich gerade, wenn Du wirklich mit Deinem Schaffen Geld verdienen möchtest, wäre dann nicht sinnvoller, natürliche Kochkurse gegen saftige Teilnahmegebüren anzubieten, anstatt Deine philosophischen Weisheiten und geopolitischen Analysen, ohne Hoffnung auf grosse damit erwirtschaftete Einnahmen, niederzuschreiben? ;-)

    Rein ökonomisch betrachtet, wäre das genial – aber mach’s bitte nicht, sonst würde mir was fehlen, selbst wenn ich wohl mal an einem Deiner Kochkurse teilnähme.. :-)

  6. Dude sagt:

    Ps. Sorry, für’s unterschlagen der philologischen Leerstücke.

  7. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Dude

    Danke für die – allerdings lange gehegte – Geschäftsidee.

    Da allzuwenige Leute am Denken interessiert sind…

  8. Thomas sagt:

    Hmm… Brot und Brötchen backen wir auch regelmäßig selber. Auch im Gärtnern strenge ich mich mehr und mehr an. Aber Tomaten einkochen, Essig- und Alkoholauszüge… ich weiß, man weiß dann, was man hat. Aber der Aufwand ist mir dann doch zu groß.

    Mir fehlt die Zeit zur Zeit. Nehmt mir mein textalisches Schweigen nicht allzu krumm.

Eine Antwort hinterlassen