Silke Burmester versucht “Sag’s auf Deutsch”

Da schreibt eine Spiegel-Kolumnistin eine mehr oder weniger antibajuwarische Satire, den Bayern unter anderem ihr erbärmliches Deutsch reinzureiben.

Ja, “ihr”, nicht deren.

Abgesehen davon, dass man den Stil der Dame als prosodisch schwach bezeichnen muss, ihren Witz als gezwungen, was jeweils noch Geschmackssache sein mag, fehlt da mal ein Wort, das dortstehen müsste, macht sie Grammatikfehler, verwechselt “das” und “dass”, und ihre Kommasetzung ist für eine Profi unter aller Kanone. (Sie weiß auch nicht, wann man nach Doppelpunkt nicht groß schreibt.)

Hätte ihr vielleicht gutgetan, hätte sie ein Gymnasium in Weiden oder Deggendorf besuchen dürfen, wo die Lehrer zumindest zu ihrer Zeit angesichts solcher Schwächen noch zu scharfen Sanktionen gegriffen hätten.

Man ist es von SPON ja ohne weiteres schon gewohnt, dass in den redaktionellen Texten jede Sorte Fehler zu finden sind, die das Rechtschreibprogramm nicht frisst, aber dass Frau Burmester ihren Text entweder nicht gründlich durchgelesen hat, oder es eben Stand ihrer Kenntnis ist, was sie abgeliefert, dass nicht wenigstens (es mag immer mal ein Fehler stehen bleiben, wenn man keinen Lektor hat, oder auch zwei, aber nicht so viele und solche) in diesem Falle, der vermeintlichen Hochsprache auftrumpfend, ein Lektor der Dame zur Seite gestellt, wohl kein Kollege es inzwischen gelesen, oder auch nix gemerkt, oder auch nix gesagt, oder, die Sache gerade erst recht nicht verbessert, entbehrt nun wirklich nicht der Komik. (Selbst ein paar gewöhnlichen SPON-Lesern fielen die vielen Fehler bereits auf. Jetzt kann man wohl nichts mehr machen. So tun, als ob nichts wäre. Durchhalten.)

Mal abgesehen davon, dass das sauberste Hochdeutsch einige Werst südlich bzw. südwestlich schon von Hannover gesprochen wird, wo man nicht einmal mehr ein richtiges endständiges “-er” oder “-en” kann (und das Deutsche strotzt nur so vor ebendiesen), worauf es Richtung Hamburch dann nochmal ein Stück bachab geht: Der normale Bayer weiß, dass er kein sauberes Hochdeutsch spricht. Deshalb legt er häufig großen Wert auf sein Schriftdeutsch.

Dabei, das ist doch anzufügen, hatte Frau Burmester durchaus einen guten Aufhänger aus dem Freistaat, weil die dortigen Voralpenbauernseppelmeister doch tatsächlich eine hohe Auszeichnung der Bayerischen Staatsregierung, den “Integrationsbrief”, für eine Blödsinnssendung namens “Sag’s auf Deutsch”, an einen Subprekariatssender mit dem seltsamen Kürzel RTL2 verliehen haben.

Ihre Kritik an der Preisverleihung ausgerechnet an den Schmuddelkanal ist ebenso berechtigt, wie dass es eine Hanseatin hier wie geschenkt und berechtigtermaßen verlockt haben mag, den Bayern genussvoll eine reinzusemmeln.

Da haben Sie sich in der Tat eine gute Gelegenheit entgehen lassen, Frau Burmester. Sagen sie doch durchaus auch Richtiges. Nur leider nicht richtig.

Mag auch sein, dass es bei SPON schon egal, wenn man sich blamiert. Merkt ja eh keiner. Und wenn’s doch mal einer merkt, merkt er sich’s nicht lange.

Dass der Spiegel noch nicht einmal einen Zwanni für einen arbeitslosen Journalisten übrig hat, dass er, wenn Sie es selbst nicht können (oder es ist Ihnen wurscht, was dem Verlag ebenso wurscht), mal über Ihren Text guckt, zeigt, soherum oder andersrum, wie sehr man Sie und Ihre Arbeit als Starkolumnistin schätzt.

Trotzdem, Frau Burmester: Schreiben Sie lieber keine Kolumnen übers Deutsche mehr, oder lesen Sie sie wenigstens gründlich durch, oder holen Sie sich einen anständigen Lektor.

(Haben Sie schon einmal daran gedacht, wie die bei der FAZ sich hochhausweis einen Ast lachen, gewahrend, was beim Spiegel mal wieder rauskommt, wenn er sich in Sachen Kultur ausgerechnet an der deutschen Sprache versucht? Da tut man beim Feuilleton schonmal einen Kognak in den Kaffee. Und abends, in Sachsenhausen, hat man am Stammtisch gut was abzulästern. Die bald arbeitslosen Redakteure von der Rundschau üben sich in beißendem Spott und bösartiger Zynik. Und was wohl die Bayern – es gibt solche – von der SZ und vom Focus sich zu München im Bräukeller oder in der angesagten Cocktailbar an Nettigkeiten zuraunen werden?)

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18 Antworten zu “Silke Burmester versucht “Sag’s auf Deutsch””

  1. Peter Penis sagt:

    Lustig, dass jemand eine angebliche Orthografieschwäche von Frau Burmester kritisiert, aber selbst wie ein Grundschüler schreibt. Der Text sprüht ja nur so vor Fehlern und einer leserunfreundlichen Rhethorik (ist es überhaupt noch eine?), dass man sich fragt, ob es Satire sein soll. Es heißt beispielsweise “für einen Profi”, nicht “für eine Profi”, auch wenn Frau Burmester offensichtlich weiblich ist. Ich möchte nun nicht alle Fehler hier anmerken, ich bin kein Lehrer, aber ich möchte einen Rat geben: Wer im Glahaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen. Und schon gar nicht mit Felsbrocken. Sehr peinlich.

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Peter Schniedel

    Man sagt durchaus auch “eine Profi”. Dass Sie das nicht wissen, muss Ihnen aber nirgend wehtun.

  3. Dude sagt:

    @Peter

    Stimmt, wer im Glashaus sitzt….

    Ortographie schreibt sich nämlich mit ph! ;-p

  4. Peter Penis sagt:

    Es wird ja immer besser. Sehr amüsant. Ich empfehle einen Schulbesuch oder zumindest den Duden, Aufl. 24, S. 752, Orthografie. Nach dem “t” ein “h” und nach aktueller Rechtschreibung mit “f” und nicht mit “ph”. Gibts auch online. Aber dazu muss man bei Google auch richtig schreiben können. Interpunktion scheint auch nicht ganz ihr Ding zu sein. Vor sogenannten Auslassungspunkten (in der Regel drei an der Zahl) wird ein Leerzeichen gesetzt. Auch Duden, Aufl. 24, S. 37.
    Und nein, es gibt nicht “eine Profi”. Zumindest nicht im deutschsprachigen Raum. Es ist “der Profi”, Maskulinum, auch Duden, Aufl. 24, S. 809.
    Im Glashaus können auch mehrere Menschen sitzen. Ich geh schon mal vor den Steinen und Scherben in Deckung. Ihr seid wirklich lustig! Ach so, ich bin übrigens Lektor und benötige keine Nachhilfe von infantilen Analphabeten. Aber durch euch hab ich wenigstens immer genug zu tun. Vielen Dank dafür!

  5. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Peter Schniedel

    An die reformierte Rechtschreibung halten sich, abgesehen von der “ss”-Regelung, zumal in Getrennt- und Zusammenschreibung, auch in der Interpunktion, nur Schwachmaten.

    “Gibts” gibt’s übrigens nicht.

    Dass man heute neben “Orthographie” auch “Orthografie” verwendet, ist allerdings richtig. Auch, dass vorn das “h” hingehört. Das war aber nicht mein Fehler.

    Viel Spass noch beim Lästern (das Spass ist schweizerisch und sogar offiziell zugelassen).

  6. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Peter Schniedel

    Da Sie Ihr bestes Stück auch im Nachnamen zu führen scheinen, zudem vorgeben, ein Profi zu sein (ja, die männlichen gibt’s auch), antworte ich Ihnen von jetzt an nur noch gegen ein angemessenes Honorar.

    Sollten Sie anfangen, sich zu benehmen, beginnend mit einem anständigen Decknamen, ein echtes Fachgespräch aufnehmen wollen, so überlege ich mir’s nochmal.

  7. Peter und der Wolf sagt:

    Es ist hoffnungslos mit Ihnen. Es gibt durchaus “gibts” (auch Duden K14), mit Apostroph ist es eher umgangssprachlich und nicht zu empfehlen. Dass Sie die Verwendung des Begriffs “Schwachmaten” verwenden, halten Sie also für gutes Benehmen. Interessant. Und gelästert haben Sie nun mal zuerst, als Sie auf äußerst peinliche Art und Weise versucht haben Frau Burmesters Kolumne zu kritisieren. Man benutzt übrigens zum Trennen von Wörtern einen Trennungsstrich (kurz), nicht einen Gedankenstrich (lang). Aber nach einem kurzen Studium der Internetseite hier, scheinen Sie ja eh in anderen Welten zu schweben. Und auf ihr Honorar müssen Sie leider verzichten. In der Regel muss eigentlich der Schüler bezahlen, nichts andersrum. Schönen Abend noch und viel Spaß beim fantasieren!

  8. Peter und der Wolf sagt:

    Ich meinte natürlich “nicht andersrum”, entschuldigen Sie bitte, ein Tippfehler. Passiert auch Profis.

  9. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Peter und der Wolf

    …beim Fantasieren. Substantiviertes Verb. Tschüss, Meister.

    (Nach dem erweiterten zu-Infinitiv oben setzte ich übrigens immer noch ein Komma, betonungsmäßig richtig, auch verboten ist das noch nicht. “Nichts andersrum” ist daselbst auch nicht sehr passend, Herr Lehrer.)

    Tja, wo das Rechtschreibprogramm nicht hinguckt…

  10. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Peter und der Wolf

    Na denn. Passiert mir auch. (Hatte eben Ihre Meldung noch nicht.)

    Das mit dem “Fantasieren” war aber kein Tippfehler. Und das Komma, nun gut , da kann man drüber streiten, hätte m.E. auch hingehört.

    Ich erlaube mir hier, prinzipiell kein Rechtschreibprogramm zu benutzen.

    Ich schreibe hier aber auch freihändig, und nicht wenig, ohne Lektor, bekenne mich dazu, eigene Fehler auch mal zu übersehen. Als Profi sollten Sie wissen, dass das weitaus leichter passiert als bei fremden.

    Dass Frau Burmester sich jedoch als Starkolumnistin nicht einmal einen leistet, der ihren gelegentlichen Großtext durchliest, es dem Spiegel ebenso schietegal wie ihr: das ist der Skandal. (Ich habe absichtlich nach Doppelpunkt klein weitergeschrieben, obschon ein Hauptsatz folgte. Das gibt es auch. Und zwar richtig.)

    Zumal wenn man als Norddeutsche mal wieder meint, da unten, so ungefähr ab Göttingen, könne keiner mehr richtig Deutsch.

    Lesen Sie mal in dem, was ich in den letzten Jahren geschrieben habe. Da können Sie auch entlang dessen, was nicht im Duden steht, sicherlich mehr lernen als bei Frau Burmester. Auch syntaktisch und inhaltlich, ganz nebenbei.

    Textsemantik bzw. -binnenlogik mag Sie ja auch interessieren. Ich korrigiere das bei meinen Aufträgen jedenfalls immer gleich mit.

  11. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ PudW

    Das Spatium nach “nun gut” bekam ich programmbedingt leider nicht weg.

    Ich habe es versucht.

  12. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ PudW

    Im neuen Duden scheinen Sie sich besser auszukennen als ich.

    Wenn nun aber “gibt’s” eher nicht zu empfehlen, sagt man dann auch besser “da hats” und “wenn mans so macht” usw.?

    Zum Glück muss ich mich nicht an jeden Unfug halten, den die ausbrüten, denen solcherlei nicht schwerfällt, äh, schwer fällt.

    (Richtig: ein Starkton, also ersteres. Falsch hier: zwei Starktöne, kleine Sprechpause, zwei Wörter. Anders, dann richtig: Es ist dumm, wenn man schwer fällt. Alle guten Schreiber haben diesen Quatsch nicht übernommen, Herr Lehrer.)

  13. Thomas sagt:

    Neusprech?

  14. Dude sagt:

    “Auch, dass vorn das “h” hingehört. Das war aber nicht mein Fehler.”

    Meiner auch nicht! Die dumme, alte und verbrauchte Tastatur hat das blöde h nicht gefressen. Vielleicht sollte ich’s ihr spritzen? ;-)

    Aber ja, war definitiv mein Fehler, mal wieder nicht korrekturgelesen zu haben vor dem Abschicken. *pfeiffel*

    Ps. Ein Tip noch zum Tipfehler an den vermeintlich P-p-p-p-phrofi: Tip schreibt man mit einem p ;-p
    Jaja, auch absichtliches schriftliches Stottern will gelernt sein. ;op

    Pps. Und jetzt lasst doch die leidige Korinthenkackerei mal sein, sonst langweilt ihr noch eure Mitleser… ;-)

    P

  15. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Dude

    Er lässt es ja schon. Ich habe lediglich gezeigt, dass ich mich von keinem Penis hernehmen lasse. Gut, wenn das auch Mitleser sehen.

  16. egal sagt:

    Sorry, erst eben durch Zufall gefunden … und herrlich geschmunzelt über Text und Kommentare. Ja, der Text oben ist wie Burmesters Texte eine halbe Katastrophe oder Katastrofe. Kernsatz: “fehlt da mal ein Wort, das dortstehen müsste, macht sie Grammatikfehler, verwechselt “das” und “dass”, und ihre Kommasetzung ist für eine Profi unter aller Kanone.” Kritik also an fehlenden Wörtern und an Kommasetzung? Na, dann schauen wir ´mal – und jetzt der Text oben:

    “aber dass Frau Burmester ihren Text entweder nicht gründlich durchgelesen hat, [Warum Komma zwischen zwei Nebensätzen?] oder es eben Stand ihrer Kenntnis ist, was sie abgeliefert [hat], dass nicht wenigstens (es mag immer mal ein Fehler stehen bleiben, wenn man keinen Lektor hat, oder auch zwei, aber nicht so viele und solche) in diesem Falle, der vermeintlichen Hochsprache auftrumpfend, ein Lektor der Dame zur Seite gestellt [wurde], wohl kein Kollege es inzwischen gelesen,[Warum Komma? Wann kommt das 'hat'?] oder auch nix gemerkt,[Warum Komma? Wann kommt das 'hat'?] oder auch nix gesagt,[Warum Komma? Wann kommt das 'hat'?] oder,[Warum Komma?] die Sache gerade erst recht nicht verbessert [Wann kommt das 'hat'? ..."

    "das sauberste Hochdeutsch" - hm, mehr als sauber? 'sauber' ist wie 'tot' der Endzustand, also braucht man über Steigerung nicht zu diskutieren.

    "Sagen sie doch durchaus auch Richtiges." 'Sagen Sie ...'

    "Mag auch sein, dass es bei SPON schon egal [ist], wenn man sich blamiert.”

    “(oder es ist Ihnen wurscht, was dem Verlag ebenso wurscht) [ist]”

    “Da tut man beim Feuilleton schonmal” – ‘schonmal’?

    Nichts für ungut. Die Kritik am SPIEGEL und an den grotesk schlecht schreibenden Möchtegern-Journalisten ist berechtigt und ein Dauerärgernis. Aber in der Tat ist der Arbeitgeber nicht interessiert daran, sein Niveau zu heben. Schade, aber nicht zu ändern.

  17. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ egal

    Quod licet…

  18. Armin sagt:

    Ja, wirklich, angebrachte Kritik an einem grottenschlecht geschriebenen SPON Text (wie so viele) und dann unterhaltsame Kommentare mit weiterer Kritik an weiteren Texten hier.

    Also, ich getraue mich hier gar nicht viel hinzuschreiben. Je mehr Wörter, je mehr Fehler schleichen sich da ein.

    Mal ganz ehrlich, wenn ich einen Artikel schreibe, dann finde ich auch eine Stunde später meist noch den einen oder anderen Fehler – und finde wohl nie wirklich alle. Ich gebe mir Mühe, sowohl vom Stil als auch von der Rechtschreibung her gut zu schreiben, aber eben, ich mache auch Fehler und mit der Neuen Deutschen Rechtschreibung (oh Graus…) kenne ich mich echt überhaupt nicht richtig aus.

    Mag auch gar nicht irgendwie all das umlernen, was ich wohl müsste, um modern richtig zu Schreiben in dieser Supersprache Deutsch…

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