Frauenversteherversuch mit Geld

Ein kluger Mann sollte nicht allzuviel Geld haben und nicht allzugut aussehen. (Vielleicht sage ich das nur, weil ich beide Kriterien souverän erfülle.)

Das mit dem Gutaussehen ist gerade noch erträglich; das mit dem vielen Geld viel gefährlicher.

Wo einer bloß gut aussieht, da hat er eine gute Damenauswahl; daran kann man sich gewöhnen; wo einer viel Geld hat, kommen sie fast alle.

Und damit, dass sie fast alle kommen, steigt die Gefahr in jeder Richtung.

Einmal dahingehend, dass er sich die schmeichlerischste Kokotte erwählt.

Dann dahingehend, dass das Überangebot in einen Dünkel mündet, der ihn die vielleicht Unscheinbarere nicht mehr sehen lässt. Allzumal eine Frau, die dem Klugen wirklich taugen mag, sich sowieso nicht als Haremsdienerin bewerben wird.

Und, wenn er sie sich – wenigstens vermeintlich – doch auserspähet: Wie soll er um sie werben?

“Komm, wir fahren kurz mal nach Portofino in meine Villa, da zeige ich dir meine Briefmarkensammlung!” – ?

Oder: “Du, ich gebe dir höchstens einen Döner aus, denn sonst denkst du noch ich wollte mit meinem Gelde protzen!” – ?

Nun gut, falls hier ein Reicher mit derlei Problemen lesen sollte, was unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen, einen alten Trick wüsste ich doch.

Man bekocht die Alte, gescheit.

Nicht nur Spiegeleier, aber keine Wachteln, kein Hummer, relativ rustikal.

Das ist das mit den sogenannten inneren Werten.

Wenn sie rumzipft, rumstochert, obwohl man es zweifellos sehr gut hingekriegt hat, weiß man, mit wem nichts anzufangen ist; dann erträgt man es halt bis zum Ende oder exkulpiert sich selbst um halberder Zehne qua Unwohlsein.

Geht es aber nicht eben schlecht aus, mit dem gemeinsamen Mahle, so lässt man hernach sie einen selber bekochen.

Kriegt sie das auch hin, stellt sie einen anständigen, aber nicht überteuerten Wein hin, genug davon, so mag man langsam das Gefühle bekommen, es mit einer zu tun zu haben, die im Hausstande pässlich sein könnte.

Darnach darf man sie dann sogar mal zum Essen ausführen.

(Achtung: Nicht zum Italiener. Das macht jeder.)

Ist dieses Ordal auch noch erfolgreich überstanden, indem die Gespräche also ernst wie lustig wie züchtig vonstatten gingen, darf man zum ersten Male seinen Dackelblick aufsetzen. Irgendwann hilft es nichts mehr mit der Coolness.

Schilt sie einen dann ob Idiotie, lacht sie einen dafür aus, könnte es fast schon die Richtige sein.

Dann ein bisschen Winseln, aber nicht zuviel, und sie mag schon ein wenig anschmelzen.

Ab da darf man sogar mit dem gemäßigten Schwindeln anfangen, ab da wird das geschätzt.

Wohlgemerkt: mit dem gemäßigten Schwindeln.

Jetzt muss man schwach werden, aber eben nicht zu schwach.

Wer da nicht achtgibt, hat alles versiebt.

Wenn sie die Augen verdreht und mit einem Lachen sagt, man solle nicht so viel Unfug erzählen, man scharwenzele ja herum wie ein Blöd, ist sie schon halb weichgekocht.

In den guten alten Zeiten konnte man sich dann auf den Boden schmeißen, vor ihr knien, sich die Pistole an den Kopf halten, was sonst noch üblich.

Das geht leider nicht mehr.

Ihre schönen Augen zu loben hilft an dieser Stelle ebensowenig.

Wahrscheinlich ist es (je nachdem) am besten, wenn man jetzt einmal ehrfürchtig schweigt, heimlich darauf hoffend (wehe, wenn sie es merkt!), dass sie in ihren Redfluss kömmt.

Richtig angefangen, darf sie es sogar merken, dass man das wollte, wird sie sich sagen “Heilandsack, der Typ weiß doch ganz genau, wann er das Maul halten sollte: und das bei mir!” – und sie wird so schöne lächeln und liebreizvoll lachen, wie man das sich bislang nur erträumt.

Nach etwa zehn Minuten der Andacht mit verdrehten Augen und gelegentlichem Nicken gilt es aber, sich rechtzeitig wieder zu ertüchtigen; wenigstens ein Kognak, irgendwas, ist zu fordern; und sie will dann eine Geschichte hören, gut vorgetragen, eine, wenn auch vielleicht etwas tragikomische, eigene Heldengeschichte.

Jetzo (setzen wir den Fall, dass alles geglückt) ist sie so weit, naja, die Seite soll jugendfrei bleiben.

All dies war natürlich nur ein grobes Hausrezept; ich habe keine Ahnung, ob man so tatsächlich reüssieren kann, wenn der Fluch des Geldes über einem schwebt; und ansonsten auch nicht; ich bin eh kein Frauenversteher; der Text ist eigentlich ein mittlerer Schrott.

Aber nur ein mittlerer. Man hätte es noch schlechter hinschreiben können.

Davon bin ich aufgrund meiner Lebenserfahrung fest überzeugt.

 

 

 

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