Vom sinnvollen Sichaufregen

Ich habe noch nie etwas davon gehalten, dass man sich nicht aufregen solle.

Man kann das Sichaufregen irgendwann sogar kultivieren.

Dergestalt, dass man nach einem ordentlichen Sichaufregen wieder ruhiger wird, abgeklärter; die Wut ist raus, man denkt und handelt wieder mit Maß und Mitte.

Außerdem die morphischen Felder (tut mir leid, so viel Esokram muss an dieser Stelle sein).

Wundersam nämlich, was ein anständiges Sichaufgeregthaben, zumindest nicht selten, merkwürdigerweise bewirkt.

Egal, ob es an einem selber liegen mag, den oder die andere doch von Ferne erfasst haben: Nicht selten geht alles plötzlich besser.

Der einen im Gespräche zuvor noch wie einen minderbemittelten Nacktmull behandelt, horcht auf einmal hin, heuchelt nicht nur Verständnis: nein, es ist echt.

Ich weiß natürlich, dass dies nicht eben gediegene fernöstliche Philosophie ist; so sehr ich aber von Chinesen und Japanern gerne lerne, streife ich doch mein Germanentum nicht ab. Und dazu gehört die Wut.

Abregen kann sich nur der, der sich aufgeregt hat.

Ich weiß nicht, wie es sein wird, wenn ich einmal sterben will.

Ich kann mir aber gut vorstellen, dass ich Lust dazu haben werde, mich vor dem friedlichen Endabregen wenigstens noch einmal so richtig gründlich aufzuregen.

Womöglich einfach so.

Ich werde aber wohl keine Aufregschule aufmachen, keine Aufregsekte gründen.

Oder doch?

Lustig wär’s ja.

Ich meine aber, ich bin nunmal ein Gutmensch, dass ich manchen Jünger nicht hinreichend im Griff hätte, um ihm mit meinem Gedankengut vielleicht nicht doch zu schaden; es ist eben keine leichte Übung, sich wirklich sinnvoll aufzuregen.

Wenn einer rumsteht und sich ein bisschen blödmeditiert, macht das meist nicht viel. Jedenfalls anderen nicht allzuviel.

Volkswirtschaftlich gesehen ist das zwar nachteilig, aber es dreht immerhin keiner durch. (Zumal: Hätte der sich nicht blödmeditiert, so wäre er vielleicht durchgedreht.)

Ich muss an der Technik wohl noch etwas feilen, in Ruhe darauf rumdenken, bis dass ich sie guten Gewissens weitergeben kann.

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