Kunstfreiheit: Darf Rap, was sonst keiner darf?

Ich denke, was die “Naidoo-Affäre” (siehe: ‘Naidoo ein “Rechtsradikaler”?) anlangt, schon einmal etwas weiter.

Viele sagen (ich habe mich durch ein paar Kommentarstränge geackert), das sei halt Kunstfreiheit und vor allem außerdem auch noch Rap.

Heißt das ganz einfach, dass, wer, nun als “Sohn Mannheims” oder “Chaotido” oder sonstwer, mit Rap auftritt, all das darf, was man sonst erfahrungsgemäß nicht darf?

Will heißen, jeder kann, wenn er nur rappt, gegen jede beliebige gesellschaftliche Gruppe seine Demütigungs-, Folter-, Verstümmelungs- und Mordphantasien ausleben?

Wirklich jeder gegen jede?

Weil Rap die Art Kunst ist, in der man das darf?

Wären also Texte von mir, wofern ich irgendeinen Rap dazu einspielte, von der Kunstfreiheit gedeckt, selbst wenn normalerweise “Gewaltverherrlichung”, “Aufruf zu schwerer Körperverletzung”, “Aufruf zum Totschlag” usw., ok?

Glücklicherweise betrifft mich die Fragestellung nicht persönlich, denn ich brächte solche Texte nicht einmal dann, wenn ich es als Rapper dürfte; wollte ich das, so wäre das mit dem Rappen wohl die geringste Übung; aber ich will es so oder so nicht.

Was aber ist mit dem Rest?

Ist es nicht längst schon so, dass Rapper loslassen dürfen, was sonst niemandem öffentlich erlaubt?

Woher diese Sonderstellung, schon jetzt, dieser “Kunstform”?

Müssten nicht alle Kunstformen vor dem Gesetz gleich sein?

Welche wird die Konsequenz sein, wenn jetzt, da Naidoo und dieser andere, dessen Namen ich vergessen habe, für ihre “Verse” exkulpiert werden?

Wer rappt dann erst recht WAS gegen WEN?

Gut, wenn die Eiterbeule platzt.

Auf der einen Seite immer mehr eingeschränkte Meinungsfreiheit, Klagen wegen “Sexismus”, “rassistischer Äußerungen”, “Volksverhetzung”, der Deibel was, selbst wenn nur ein launiges oder satirisches Wort fiel, auf der anderen Seite darf der Rapper alles.

Wenn das durchgeht, werde ich auch noch zum Rapper.

Ohne Mordphantasien und dergleichen, aber vielleicht doch ein wenig politisch unkorrekt, mich im Zweifel nicht bestreitbar darauf berufend, dass ich damit unvergleichlich viel harmloser sei, als von der Kunstfreiheit für Rap immer noch gedeckte, von mir im übrigen dafür verachtete “Kollegen”.

Da ist so langsam Ende der Fahnenstange.

Wörter, nur Wörter, solche der Alltagssprache, darf ich hier nicht hinschreiben, solche wie fi….. und vö…. z.B., ohne Gefahr zu laufen, als nicht jugendfrei indiziert zu werden, ich kann für jeden Schwulen- oder Schwarzenwitz (“Neger” darf ich schon gar nicht sagen, geschweige denn “Nigger”, obschon das in jedem deutsch synchronisierten Amikrimi die Schwarzen andauernd zueinander sagen, wie auch im Original) vor Gericht kommen, aber diese ganz speziellen Kulturträger, die dürfen nicht nur das, sondern sie können jede Sorte Frauenverachtung, Rassismus, Gewaltverherrlichung, selbst Mord-, Verstümmelungs-, Totenanalvergewaltigungsphantasien herausblasen, noch heischen, sie hätten Führer dahin, ob ihrer erhabenen Kunst, alswelcher der besonderen Freiheit zuteil, der exklusiven Kunst eben des Rap?

Ihr habt ja wohl ‘nen Rap ab.

Euch rapfel ich noch einen.

Deutsch und deutlich.

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6 Antworten zu “Kunstfreiheit: Darf Rap, was sonst keiner darf?”

  1. Magnus Wolf Göller sagt:

    So schnell (1 Tag) war die Mannheimer Staatsanwaltschaft im Zusammenhang mit Volksverhetzung noch nie.

    Chapeau!

  2. Dude sagt:

    Ich frage mich grad, was es da zu chapeauisieren gibt, denn mit dieser Entscheidung, die der Spiegel darlegt, wird ja die Ungleichheit und die Pervertierung des Rechtssystems in Deutschland nur weiter zementiert, oder irre ich??

  3. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Dude

    Na, der Hut, den ich da zog, war des Narren Hut.

    (Ich weiß nicht, ob Du weißt, dass man in Mannheim unsere prominentesten traditionellen “Volksverhetzer” der letzten Jahre wegen reiner Ungläubigkeitsverbrechen zu langjährigen Haftstrafen verurteilt hat.)

  4. Dude sagt:

    @Magnus

    Details kenne ich keinerlei diesbezüglich… aber diese Praktik ist mir vom Grundsatz her durchaus bekannt.

  5. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Alle

    Verwirrend.

    Hier heißt es, die Mannheimer Staatsanwaltschaft prüfe noch:

    http://www.focus.de/kultur/musik/naidoo-und-savas-rudern-zurueck-xavas-haben-grossen-respekt-gegenueber-homosexuellen_aid_861539.html

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