Von der Zipfe (II)

Weshalb lassen sich Männer eigentlich auf Zipfen ein?

Gut, die gemeine Erklärung ist die, dass irgendeine Zipfe sie am Schniedel gekriegt.

Ich denke, dass das aber, wenn auch naheliegend, keine hinreichende Erklärung ist, jedenfalls nicht für viele der häufigen glücklichen Fälle.

Nicht nur nämlich, dass der Mann mit einer Zipfe nicht mehr alleine ist: er ist nie mehr alleine.

Selbst wenn er gerade in der Straba zur Arbeit sitzt, pfitzt die Zipfe noch in seinem Kopfe herum.

Er überlegt, die Bildzeitung kaum richtig wahrnehmend (es kann auch die FAZ sein), die ganze Zeit, wie er wohl, wenn nicht doch endlich vom Gerüst gefallen oder am Kopierer verglüht, feierabends angepfitzt werden werde.

Sein Job ist zwar scheiße; das fällt ihm aber, gemessen am Angepfitztwerden, gar nicht mehr auf. Dafür liebt er seine Frau.

Wenn er mal doch, nach einem Tobsuchtsanfall, ins Wirtshaus darf, freut er sich darob deromaßen, seines Heldentums zumal, dass ihm das Bier schmeckt, wie als ob es ein Vega Sicilia. (Er weiß natürlich nicht, was das ist; aber das macht ihm gar nichts.)

Hernach, glücklich wieder zuhause, im Zipfenbette, ist er so froh wie nie in seinem Leben, dass er gleich einschlafen darf. Fast wie im Himmel.

Anderntags, die Zipfe hat schon den Kaffee gekocht, sagt sie zur vermeintlichen Strafe mal gar nichts; das tut ihm so gut, dass er wieder wacker zur Arbeit fährt.

Schlimm aber sind die Urlaube.

Da wird die Zipfe geradezu kriminell.

Es ist fürchterlich.

Mann muss m i t Zipfe ins Wirtshaus.

Und das nicht nur einmal.

Nirgendwo eine anständige Arbeit.

Nur Zipfendienst.

Schon nach drei Tagen sehnt sich Meyer nach dem Tag, da sein Chef ihn begrüßen wird: “Na, Meyer, gut erholt? – !!”

Das demütige Nicken, das “Na klar Chef!” ist jetzt aber noch elf Tage das Ziel seiner Träume. Das Leben ist hart.

Endlich wieder beim Jobben, ist er seiner Zipfe wieder vollends gut.

Sie ist so verständnisvoll (manchmal), dass sie ihn sogar Überstunden machen lässt.

An manchen Montagen bekommt er sogar ein Schnitzel.

Mann weiß schon, was er an seiner Zipfe hat.

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